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Nach dem Gottesdienste sagte Prinz Friedrich Karl, er habe es sich als besondere Auszeichnung vorbehalten, die ersten eisernen Kreuze, die der König für besonders hervorragende Taten bestimmt habe, selbst anzuheften. Es wurden die Generale v. Buddenbrock, v. Stülpnagel, v. Bülow, ein Teil der Brigade- generale, ein anderer der übrigen Offiziere und Mannschaften vorgerufen. Ich auch. Der Prinz band jedem den Orden ein, sagte einige Worte, mir:„lch weiß, daß Sie nicht vergessen, daß es auch eine I. Klasse gibt.“
Solche Momente: Gottesdienst, blauer Himmel, grüne Bäume und das Herz voll, die bleiben ewig im Gedächtnis. Ich habe nichts getan, das in mir den Gedanken an ein Verdienst erzeugt, aber es ist mir eine Beruhigung, daß, wenn ich einmal nicht mehr bin, Lily und Du sagen könnt, daß ich meine Schuldigkeit getan habe.“
Meine lieben jungen Freunde! Das sind goldene Worte eines kerndeutschen, auch wahrhaft menschlich empfindenden Mannes, denen ich nicht eine Silbe hinzuzufügen habe, wenn es am heutigen Tage gilt, wie all- jährlich gemeinsam der großen Zeit zu gedenken, in der der deutsche Michel erwacht ist und seinem Lande nicht nur wieder eine Stimme im Rate der Völker, sondern auch gebietendes Ansehen unter den Nationen der Erde verschafft hat. Wir wollen dankbar sein, daß es in jenen ernsten, für Deutschland in so vieler Hinsicht entschei- denden Monden dem Vaterland nicht an solchen kerndeutschen, großen Männern gefehlt hat, und wollen unser Vertrauen auf den Höchsten setzen, daß er es den seit jener Zeit neu geeinten deutschen Landen nie daran fehlen lasse, wenn je wieder, nach welcher oder von welcher Seite es auch sei, der Ruf danach erginge. Inzwischen wollen wir es aber nicht bei dem bloßen Empfinden der Dankbarkeit und des Vertrauens bewenden lassen und die Hände nicht müßig in den Schoß legen. Wir wollen vielmehr auf unserem Posten sein und durch Weiterarbeit an uns in den Zeiten des Friedens, deren wir uns erfreuen dürfen, unsere Dankbarkeit betätigen. Auch unser Schul- turnen, von dem wir in dieser Stunde wieder öffentlich Zeugnis ablegen wollen, laßt uns jahraus jahrein als ein solches Stück Weiterarbeit ansehen, mit der wir in unseren bescheidenen Grenzen der Schule dem Vater- lande dienen, und laßt uns daher mit allem Ernst dabei sein, der nötig ist, wenn es gilt, eine gute Sache zu vertreten. Laßt uns immer mehr auf eine einheitliche, allseitige Durchbildung und Steigerung unserer ganzen Persönlichkeit bedacht sein!— Ein offenes Auge für die Schönheit und Grôße der Natur um uns, auch in der schwersten Stunde, das Herz voll davon, ein tiefes Mitempfinden der Seele, unerschütterliche Gott- ergebenheit, und ein, jedes Verdienst in Abrede stellendes, strengstes Pflichtbewußtsein, das sind die Mannes- tugenden, die uns in dem gehörten Briefe so vorbildlich erscheinen mußten. Wohlan denn! Solchem Vorbild laßt uns nacheifern! Dann brauchen wir uns nicht zu schämen und können auch von unserer Stelle mit stolzem Recht immer wieder sagen oder lieber singen: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!—
Nachdem das Lied gesungen war, begannen die turnerischen Vorführungen, ein allgemeiner planmäßiger Aufmarsch, Keulenschwingen nach den Klängen des Klaviers, geordnetes Geräteturnen und darauffolgendes Kürturnen der vereinigten Turnabteilungen. Unter der bewährten Leitung des Herrn Volze und unter der Mitwirkung der übrigen Turnlehrer verlief alles aufs beste. Von neuem war der Beweis erbracht, daß der Turn- unterricht an der Adlerflychtschule in guten Händen ist. Mit Worten der Anerkennung dankte zum Schluß der Direktor für das Gebotene, und mit Kaiserhoch endlich und National- hymne ging die Feier nach 9 Uhr zu Ende.
In seinem Schlußwort brachte der Direktor auch immer wieder den schon mehrfach aufgefrischten Wunsch vor, daß sich die Schüler und, um auf sie zu wirken, auch das Elternhaus doch mehr und allgemeiner, als es in den letzten Jahren der Fall war, die Sache der allwöchentlichen Turnspiele möchten angelegen sein lassen. Immer reger werden doch von Jahr zu Jahr in der großen breiten Offentlichkeit alle jene Bestrebungen und Bemühungen, die sich in irgend einer Weise mit der Gesundheitspflege im Volke befassen, mit der Stählung des Leibes für die Arbeit des Lebens. Wodurch könnte aber besser auf die Erhaltung und Kräftigung der Gesundheit unserer Jugend abgezielt werden, als wenn wir den Kindern und Jünglingen für Gelegenheit sorgen, sich stundenlang draußen bei munterem Spiel in frischer Luft mit ihresgleichen herumzutummeln. Und auch indirekt


