Jahrgang 
1905
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wie üblich die Schüler am Anfang und am Ende jedes Vierteljahrs in der Aula, wo der Direktor zugleich die der Gesamtheit geltenden Mitteilungen machte. Die vaterländischen Gedenktage wurden in herkömmlicher Weise in Erinnerung gebracht.

Am Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers hielt Herr Oberlehrer Dr. Sarowy die Festrede. Diese knüpfte an die Freude an, mit der von Seiner Majestät und dem ganzen Kaiserlichen Hause das Ereignis des Jahres aufgenommen worden war, das unter den Vor- gängen bei Hofe hervortritt: die Verlobung des Kronprinzen mit einer Prinzessin von Mecklen- burg. Schon einmal darauf hat Seine Majestät selbst hingewiesen in dem Trinkspruch, den er bei der Feier der Verlobung ausbrachte schon einmal hat eine Prinzessin von Mecklen- burg auf dem Preufßischen Königsthrone gesessen, und sie lebt fort in aller Herzen. Das beweisen die warm empfundenen und beredten Worte, mit denen der Redner das Lebensbild der Königin Luise entwirft, indem er zeigt, wie diese große Frau in schwerster Zeit ihrem Hohen Gemahl zur Seite gestanden, wie sie selbsttreibend in die Geschicke des Landes mit- eingegriffen und sich dadurch unvergeßliche Verdienste um dessen Entwickelung erworben hat. Als leuchtendes Beispiel einer von den unglücklichen Zeitverhältnissen tiefergriffenen, aber doch, auch in der ärgsten Stunde der Prüfung, immer wieder aufgerichtet dastehenden und treubesorgt mithelfenden, trotz aller Kümmernis nie ganz verzweifelnden, sondern stets weiter auf Gott vertrauenden Landesmutter, so wird sie der Jugend wieder einmal vor Augen geführt, und diese lernt es begreifen, wie die Hohe Frau jeder späteren Herrscherin auf dem Throne als Vorbild hingestellt werden kann, sowie es von Seiner Majestät, dem Gefeierten des Tages, geschehen ist. Nachdem das Hoch auf Kaiser Wilhelm II. und darauf die Nationalhymne verklungen war, wurde auf Konferenzbeschluß dem Schüler der Ia Rudolf Herzheimer für Treue in der Schule das von Seiner Majestät zu diesem Zweck zur Verfügung gestellte Wislicenus'sche WerkDeutschlands Seemacht durch den Direktor mit kurzer Ansprache überreicht.

Auch die an der Adlerflychtschule eingebürgerte festliche Begehung des Sedan- tages durch eine zusammenfassende Vorführung der turnerischen Leistungen der gesamten Realklassen gestaltete sich wieder zu einer herzerfrischenden Schulfeier. Om 8 Uhr hatten die Schüler Aufstellung auf dem Hofe genommen. Trotz der frühen Morgenstunde hatten sich auch deren Eltern wie in den früheren Jahren in großer Zahl eingefunden, um sich an ihren Kindern zu erfreuen und zugleich der Schule ihr Interesse zu bekunden. Der Direktor wies zunächst auf die Bedeutung des Tages hin und wandte sich mit folgenden Worten vornehmlich an die vor ihm stehende Jugend:

Ich komme von einer erhebenden Feier zurück so schreibt am 4. Septeniber 1870 ein her- vorragender deutscher Heerführer aus Frankreich an seine Frau in der Heimat.Ich komme von einer er- hebenden Feier zurück. Denke Dir ein weit geöffnetes Tal, die Ränder steigen steil an und sind mit schönen Laubbäumen bewachsen; der Boden grüne Grasnarbe. Am höchsten Punkte ist ein Altar errichtet, umgeben von den Fahnen und Standarten des III. Armeekorps; in einem weiten Viereck steht das III. Korps; die Reihen sind gelichtet; auf den Höhen ringsum sieht man Grabhügel, mit zwei ins Kreuz gelegten Hölzern be- zeichnet; hier ein Helm, dort ein Käppi als Zeichen, ob ein Preuße oder ein Franzose die Ewigkeit erwartet.

Es waren die Nachrichten von der Gefangenschaft des Kaisers, von der Waffenstreckung der französischen Armee unter Mac Mahon angelangt; und wofür hatten wir nicht zu danken!

»Herr Gott, dich loben wir« wurde gesungen; der Geistliche sprach über Jakobs Traum und deutete ihn; dann:»Ein feste Burg ist unser Gott«; und am Schlusse:»Nun danket alle Gott!« jener Gesang, der auf allen preußischen Schlachtfeldern Zeugnis ablegte, daß wir Gott die Ehre geben.