Treue in der Schule zum Gegenstand einer wohlmeinenden eingehenden Ansprache gemacht wird.(Siehe unten S. 27 ff.)
Der regelmässige Unterricht begann am 9. April.
Das Lehrerkollegium bestand in dem abgelaufenen Schuljahr aus den folgenden Mit- gliedern: dem Direktor Dr. Oskar Winneberger; den Professoren Dr. Heinrich Reichenbach, Dr. Karl Gran, Otto Morin und Dr. Wilhelm Schauf; den Oberlehrern Dr. August Euler, Dr. Ferdinand Kuhl, Dr. Adolf Collischonn, Theodor Morin, Dr. Paul Wohlfeil, Karl Schiemenz, Alfred Suhle, Dr. Friedrich Simon, Theobald Endemann und Dr. Walther Sarowy*); dem Zeichenlehrer Hermann Hein und den Vorschullehrern Friedrich Fertig, Wilhelm Pietzsch, Gustav Jasper und Andreas Volze. Herr Oberlehrer Dr. Sarowy wurde zu Anfang des Schul- jahres für den an die Klinger-Oberrealschule versetzten Herrn Oberlehrer Emil Hehner an die Adlerflychtschule berufen, mußte aber noch ein Vierteljahr in seiner früheren Stellung als Oberlehrer an der Realschule zu Görlitz verbleiben und konnte däher erst nach den Sommerferien seine Tätigkeit hier aufnehmen. Durch Verschiebungen im Unterricht wurde es möglich gemacht, Herrn Wenderoth, der seit Herbst 1901 als Probekandidat an der Adler- flychtschule beschäftigt war, für ihn eintreten zu lassen. Einen Teil des Religionsunterrichts übernahm während dieser Zeit in dankenswertester Weise Herr Pfarrer Herchenröder aus Eckenheim, der uns dann auch noch bis zum Herbst auszuhelfen die Freundlichkeit hatte, als Herr Oberlehrer Endemann zu einer militärischen Dienstleistung eingezogen war. Da Herr Wenderoth uns nach den Sommerferien verließ, um das letzte Viertel seines Probe- jahres mit Genehmigung der Behörde im Ausland zu verbringen, so trat für ihn Herr Kandidat Dr. Pfeffer vom Seminar des Goethegymnasiums bis zu den Herbstferien bei uns ein.
Der Gesundheitszustand der Schüler war recht befriedigend.
Auch im Lehrerkollegium waren längere Erkrankungen erfreulicherweise nicht allzu häufig. Herr Professor Dr. Schauf mußte in Rücksicht auf seine ernstere Erkrankung im Schul- jahr 1901 einen Bronchialkatarrh mit grobßer Vorsicht behandeln und deshalb vom 14. Okt. bis 1. Dez. der Schule fernbleiben. Gegen Ende des Schuljahrs setzte der während seiner dreißigjährigen Lehrtätigkeit bisher immer gesunde Herr Pietzsch wegen eines Herzleidens auf ärztliche Anordnung mehrere Wochen den Unterricht aus, desgleichen Herr Professor Dr. Gran wegen eines nervösen Magenleidens, und im November fesselte Herrn Jasper ein Schaden, den er sich im Turnunterricht zugezogen hatte, 12 Tage, im Januar Herrn Oberlehrer Suhle ein hartnäckiger Anfall von Influenza 7 Tage ans Haus. Nur vorüber- gehend krank waren die Herren Morin II, Schiemenz, Hein und Fertig. Die nötigen Vertretungen übernahmen außer dem Kollegium die Herren Conradi und Dr. Ackermann vom Seminar der Klinger-Oberrealschule, Herr Dr. Rohte vom Seminar des Goethegymnasiums,
*) Walther Sarowy wurde geboren am 30. Januar 1878 zu Bludau, Kreis Fischhausen(Ost-Preußen). Seine Schulbildung erhielt er auf dem Königlichen Wilhelmsgymnasium in Königsberg, das er Ostern 1896 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Darauf besuchte er die Universitäten Greifswald und Königsberg, auf denen er vornehmlich historische und theologische Studien trieb. Am 29. Oktober 1899 bestand er die Prüfung für das höhere Schulamt. Am 20. Juli 1900 wurde er auf Grund seiner Inauguraldissertation:„Quellenkritische Unter- suchungen zur Geschichte König Salomos“ in der philosophischen Fakultät der Universität Königsberg zum Dr. phil. promoviert. Zur Ableistung seines Seminarjahres war er vom Herbst 1899 bis ebenda 1900 dem König- lichen Friedrichs-Kollegium zu Königsberg überwiesen. Als er sein Probejahr am Kneiphöfischen Stadtgymnasium zu Königsberg absolvierte, wurde er zum Oberlehrer an der Realschule zu Görlitz gewählt. Darauf hin brach er am 1. April 1901 sein Probejahr in Königsberg ab, um es unter gleichzeitiger Beschäftigung als Hilfslehrer an der genannten Anstalt zu vollenden. Am 1. Oktober 1901 wurde er als Oberlehrer definitiv angestellt.


