Jahrgang 
1902
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Waren es also wohl in erster Linie Ihre Pflichttreue, Ihre Pünktlichkeit, Ihr unge- wöhnlicher Arbeitseifer in der opfervollen und schwierigen Stellung des Direktors, die uns durch das Beispiel zur Nacheiferung anregte, so traten doch noch die Zuneigung und die Dankbarkeit hinzu, die uns trieben, Ihren Intentionen gemäß zu handeln.

Sie folgen einem ehrenvollen Ruf an eine weiter ausgebaute Schule, wo noch größere Aufgaben Ihrer harren. Wir wünschen Ihnen den besten Erfolg. Wir sind sicher, daß Ihre Fähigkeiten und Ihr Pflichteifer, Ihr Wohlwollen gegen die Schüler und Ihre Begeisterung fur ein kollegiales Zusammenwirken der Lehrer Ihnen dort bald Aller Herzen gewinnen werden.

Wir lassen Sie nicht gerne ziehen, und die einzige Genugthuung für uns ist, daß Sie selbst uns nicht gern verlassen. Herzliches Lebewohl!

Freitag, 25. Oktober, starb im 78. Lebensjahr nach längerem Leiden unser früherer Kollege Herr Professor Wilhelm Seibt.

Vom Jahre 1857 an war er zuerst an der ehemaligen höheren Bürgerschule und dann an der Klingerschule als Lehrer und an dieser Anstalt auchängere Zeit als Vertreter des Direktors thätig. Im Frühjahr 1882 trat er an die Adlerflychtschule über, wo er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt im Frühjahr 1888 thätig war. Mittels Allerhöchster Ordre vom 17. März 1888 wurde ihm anläßlich seines Übertritts in den Ruhestand der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen. Bei seinem Begräbnis war das Kollegium durch die Herren Pietzsch, Professor Morin und Professor Dr. Reichenbach vertreten. Eine kurze Gedenkrede hielt Herr Professor Dr. Reichenbach.

Seibt war ein Mann von ausgezeichneter Bildung und reichem Wissen auf dem Gebiet der Philologie, der Geschichte und ganz besonders auf dem der Kultur- und Kunst- geschichte. Seine besondere Veranlagung zu philosophischen Studien war er doch einer von den zu seiner Zeit nicht gerade häufigen Kennern Schopenhauers und sein kritischer Geist befähigten ihn zu bedeutenden litterarischen Leistungen verschiedener Art; seine reichen Sammlungen von Olgemälden, Zeichnungen, Aquarellen, Kupferstichen, IIolzschnitten, Radierungen und Drucken, von Antiquitäten und Kunstgegenständen verschiedener Art (Gläser, Porzellan- und Fayencesachen, Möbel, Uhren, Holzarbeiten, Miniaturen, Arbeiten in Emaille, Metallen, Elfenbein, Münzen und Medaillen, Waffen und ausgegrabene Objekte) legen beredtes Zeugnis dafür ab, daß er ein feiner Kenner war zu einer Zeit, in der das Interesse für Kunst und Kunstgewerbe lange nicht so verbreitet war wie jetzt.

Von seinen Arbeiten nennen wir: 1. Beiträge zum Grimm'schen Wörterbuch(Bd. I. LXVI) 18521854. 2. Alexander Virét. Seine Wirksamkeit und seine Bedeutung als Litterarhistoriker 1860. 3. Kunst- und Kulturgeschichtliche Artikel im neuen Frankfurter Museum, herausgegeben von Professor Creizenach; Alfred Rethel, J. W. Tischbein, die Fayencen Heinrichs II, der deutsche Reichsadler u. s. w. 1861. 4. Notizen zur Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit besonderer Beziehung auf Frankfurt a. M. 1874.. 5. Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte. Frankfurt a. M. 1882. a) Hans Sebald Beham, Maler und Kupferstecher, und seine Zeit. b) Deutsche Trinkgläser des 16. und 17. Jahrhunderts.