Jahrgang 
1902
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Bei dem Wettkampf im Turnen für die Schüler der höheren Lehranstalten am 18. September erhielten Preise: Eduard Herold(Ib) und Bernhard Oppenheimer(1).

Am 28. September fand eine Abschiedsfeier für den Direktor in der Aula statt. In einer längeren Rede gab Herr Direktor Dr. P. Bode dem lebhaften Gefühl des Bedauerns Ausdruck von unserer Schule scheiden zu müssen, an der sich seine Thätigkeit für ihn selber so befriedigend gestaltet habe. Er halte die 5 ½ Jahre seines Direktorats an der Adlerflychtschule trotz aller Arbeit für die glücklichsten seines Lebens. Dies sei in erster Linie der Mitarbeit des Kollegiums zu verdanken, das jederzeit arbeitsfreudig die ihm über- tragenen Aufgaben übernommen habe. Zum Schluß gab er der Hoffnung Ausdruck, dabß die Bande persönlicher Freundschaft mit den Kollegen nicht zerreißen werden. Er werde es stets als eine Ehre ansehen, auch fernerhin als Mitglied des Lehrerkollegiums der Adler- flychtschule betrachtet zu werden.

Hierauf ergriff Herr Prof. Dr. Reichenbach das Wort zu folgender Ansprache:

Hochverehrter Herr Direktorl

Das Lehrerkollegium unserer Schule hat mir den ehrenden Auftrag gegeben, einige Worte des Abschieds im Namen der Schule an Sie zu richten.

Als Sie vor 5 ½ Jahren die Leitung der Adlerflychtschule übernahmen, waren Sie sich der Schwierigkeit Ihrer Aufgabe wohlbewußt. Galt es doch, einen Mann, unseren hoch- verehrten Direktor Dr. Scholderer, zu ersetzen, der nicht nur von Anfang an unsere Schule geleitet, sondern der ihr auch vermöge seiner starken Persönlichkeit einen eigen- artigen Charakter aufgeprägt hatte. Sie übernahmen eine aufblühende Anstalt mit einem arbeitsfreudigen Kollegium, das einmütig bestrebt war, die Ideale seines Berufs hochzuhalten. Sie trafen eine fröhliche Knabenschar, an strenge Schulzucht und Arbeit gewöhnt, die an ihrem alten Direktor und seinen Lehrern mit ganzem Herzen hing.

Wir alle, Lehrer und Schüler, sowie auch deren Eltern, sahen erwartungsvoll der Zukunft entgegen. Denn sagen wir es offen Freud und Leid, Arbeitsmut und Ver- drießlichkeiten und gar manches Andere hängen eben doch in vielen Fällen von dem Leiter eines Schulorganismus ab.

Nun wir dürfen freudig bekennen, dass Sie Ihre Aufgabe trefflich gelöst und unsere Hoffnungen erfüllt haben.

Sie haben nicht bloß die äußeren und inneren Verhältnisse unserer Anstalt, Schul- ordnung und Leistungen auf der alten Höôhe gehalten, sondern gar manches auch weiter entwickelt, und trefflich gefördert; ich erwähne nur die Lehrerbibliothek, die naturwissen- schaftlichen Sammlungen, die Einrichtung des Handfertigkeitsunterrichts, sodaß Sie mit Ge- nugthuung und dem erhebenden Gefühl des Gelingens auf Ihre Thatigkeit an der Adler- flychtschule zurückblicken können.

Was Ihr Wirken aber besonders segensreich gestaltete und den Erfolg Ihrer Be- mühungen von vornherein sicherte, das ist die herzliche, ja liebevolle Teilnahme, die Sie dem Geschick von uns allen, Schülern und Lehrern, stets bewiesen haben. Wir vergessen Ihnen nicht, wie Sie sich bei Krankheiten oder Unglücksfällen der Betroffenen annahmen und nach jeder Richtung hin Fürsorge trafen, das Unheil zu mindern.