Jahrgang 
1888
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2. Zehn Aufsätze mit vorangestellter Disposition, darunter 3 Klassenarbeiten, werden geschrieben und die Themata dazu dem durch die Lektüre, den geschichtlichen und geopraphischen Unterricht gewonnenen Ma- terial entnommen; dhneben Beschreibungen, Schilderungen aus dem Leben, Briefe, je eine Übersetzung aus dem Französischen und dem Englischen. Es wird die Disposition in der Klasse gemeinsam heuristisch festgestellt, hierauf die einzelnen Teile derselben von den Schülern mündlich ausgeführt und dann erst die schriftliche Ausarbeitung gefordert.

3. Nachdem im 1. Semester das grammatische Pensum der vorigen Klasse, besonders die Satzlehre, wiederholt worden ist, wird im 2. das Wichtigste aus der Poetik und Metrik im Anschluß an die dem 5. Teil des Paldamus'schen Lesebuchs vorangestellte kurze Darstellung derselben gelehrt, jedoch in der Weise, daß nach der allgemeinen Einleitung(Prosa und Poesie, Poesie als Kunst im Verhältnis zu den anderen Künsten), die Dichtungsformen(Prosodisches, Metrisches) und dann erst die Dichtungsarten zur Behandlung gelangen.

Unterprima, wöchentl. 3 Stunden. 1. Da die Schule in Rücksicht auf diejenige Mehrheit ihrer Schüler, welche nicht in eine Schule mit höheren allgemeinen Lehrzielen einzutreten beabsichtigen, nach der Ordnung der Entlassungsprüfungen vom 27. Mai 1882 darauf Bedacht zu nehmen hat, einen gewissen Abschluß der Schulbildung zu erreichen, so wird in den beiden Primen die deutsche Lektüre in der Weise geordnet, daß auf Grund ihrer Klassen- und Privatlektüre die Schüler mit den Hauptepochen unserer Litteratur bekannt wer- den, selbständiges Interesse für die Werke der hervorragendsten Vertreter derselben gewinnen, sowie auch in bescheidenstem Maße einige leitende Grundsätze zur verständnisvollen Beurteilung litterarischer Werke sich an- eignen. Da nun aber die größere Mehrzahl unserer Schüler die Anstalt nach Absolvierung der Unterprima mit erlangtem Zeugnis für den einjährig-freiwilligen Militärdienst zu verlassen pflegt, so erscheint es, dem oben an- gedeuteten Zwecke gemäß, angemessen, in Unterprima die zweite, in Oberprima die erste Blüteperiode der deutschen Litteratur zum Mittelpunkte des Unterrichts zu machen, um welchen sich dann die Memorierübungen, die Dispositions- und stilistischen, sowie die Redeübungen gruppieren. Außer den betreffenden Abschnitten des 6. Teils des Paldamus'schen Lesebuchs werden in Unterprima gewöhnlich Goethes Hermann und Dorothea und Schillers Wallenstein-Trilogie in ähnlicher Weise wie das in II behandelte Drama gelesen. Die Redeübungen, zu welchen im Laufe des Schuljahres jeder Schüler mindestens einmal vorbereitet sich melden muß, haben teils Reproduktionen des Gelesenen und Besprochenen, teils Referate über privatim von den Betreffenden gelesenen geeignete klassische Dramen, besonders von Lessing, Schiller, Goethe, zum Gegenstand, wodurch denn auch eine erwünschte Ergänzung zu den über diese Dichtungen vom Lehrer gemachten Mitteilungen erzielt wird. Die für das Litteraturgeschichtliche in Betracht kommenden früher gelernten Gedichte werden repetiert und einige Stellen und Abschnitte der im Unterricht behandelten Dichtungen hinzugelernt.

2. Als Fundgrube für die Themata zu den Dispositionsübungen und zu den mit vorangestellter Dispo- sition zu schreibenden 10 Aufsätzen(von denen 2 als Klassenarbeiten, einer als Probearbeit angefertigt werden) dienen außer dem reichen hier durch die Lektüre gebotenen Stoffe das geschichtliche und geographische, ge- legentlich auch einmal das naturwissenschaftliche Lehrpensum; daneben werden jetzt auch einige allgemeine, jedoch durchaus im Gedankenkreis der Schüler liegende Themata bearbeitet, zuweilen auch die freie Reproduk- tion eines französischen oder englischen Abschnittes gefordert.

Oberprima, wöchentl. 3 Stunden. 1. Da die Realschule durch die Lektüre geeigneter Übersetzungen eine Vorstellung von der Dichtung der Griechen vermitteln soll, wird in den für die Lektüre speziell bestimmten Stunden mit der Voß'schen Übersetzung von Homers Odyssee, woraus besonders der Aufenthalt des Odysseus bei den Phäaken und seine Erzählung von seinen Irrfahrten ausgewählt wird, hier der Anfang gemacht. Nachdem inzwischen eine kurze Besprechung der älteren deutschen Litteratur zur ersten Blüteperiode derselben geführt hat, tritt an Stelle jener Lektüre diejenige ausgewählter Abschnitte des Nibelungenliedes in neuhochdeutscher Uber- setzung. Die Darstellung der ersten Blüteperiode selbst schließt sich wieder eng an die Lektüre der entsprechen- den Abschnitte aus dem 6. Teil des deutschen Lesebuchs von Paldamus(Gudraun, Parzival, Tristan, Walter von der Vogelweide) an. Es kommen sodann aus den zwischen der ersten und zweiten Blüteperiode liegenden Zeit nur die hervorragendsten Erscheinungen zur Besprechung(Luther, Hans Sachs, die Meistersinger, Fischart, die erste und die zweite schlesische Dichterschule). Den Beschluss macht eine Wiederholung und Ergänzung der Geschichte der zweiten Blüteperiode, während für die Lektüre an die Stelle des Nibelungenliedes je eines der Lessing'schen und Goethe'schen Dramen tritt. Die neueste Litteratur nach Goethes Tod wird wenigstens kurz, im Anschluß an die