Jahrgang 
1888
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gegeben und die Schüler angehalten, den Inhalt mündlich wiederzugeben, zunächst in einzelnen Antworten auf die von dem Lehrer an sie gerichteten Fragen, dann im Zusammenhang. Der Lehrer ordnet wohl auch den Stoff nach anderen Gesichtspunkten, vergleicht Einzelheiten des gelesenen Stücks mit denen anderer und giebt dadurch den Schülern Gelegenheit, den Stoff auch in mehr selbständiger Weise wiederzugeben. Ganz besondere Auf- merksamkeit wird dem sachgemäßen Vortrag der memorierten Gedichte gewidmet, um den Schüler an angemessene Betonung und Aussprache zu gewöhnen. Die gelernten Gedichte sollen die Schüler sich so aneignen, daß sie ihnen ein sicherer Besitz seien, der durch Repetition in den folgenden Klassen erhalten bleibt. Es werden daher solche memoriert, welche, von hervorragenden Autoren herrührend, eine wirklich poetische Bedeutung oder patrio- tischen Inhalt haben, wobei das Epische vor dem Lyrischen bevorzugt wird. Zum Memorieren in Sexta sind folgende Gedichte festgesetzt: Paldamus Lesebuch, 2. Teil, 64, 76, 79, 90, 93, 121, 125, 134. 112, 144.

2. Die schriftlichen Ubungen in der Orthographie schließen sich an die im Lesebuch durchgenommenen Stücke und das Büchlein:Regeln und Wörterverzeichnis zum Gebrauch an den preußischen Schulen an. Bei der Lektüre werden die Schüler auf die schwierigen oder ihnen weniger bekannten Wörter aufmerksam gemacht; für die folgende Stunde faßt der Lehrer den Inhalt des gelesenen Stücks zu einem kurzen Diktate zusammen; die Schüler haben sich dafür durch Durchlesung des betreffenden Stücks zu Hause vorzubereiten. Daneben wird die Orthographie durch eine systematische Behandlung der§§ 3 20 des Regelbuchs befestigt.

3. Der Unterricht in der Grammatik ist eng verknüpft mit der Behandlung des grammatischen Pensums im Französischen. Zu Grunde gelegt wird der dem Lesebuch vorgedruckte kurze grammatische Abriß. Er um- faßt aus der Formenlehre: das Verb(Person, Numerus, die drei Hauptstufen; Unterschied der starken und schwachen Konjugation); das Substantiv starker und schwacher Deklination(Infinitiv als substantivische Form des Verbs); das Adjektiv in Verbindung mit dem Substantiv(Particip als adjektivische Form des Verbs, Nume- rale); die Personalpronomina(substantivische und adjektivische oder Possesivpronomina); die Präposition, be- sonders mit Rücksicht auf den Unterricht im Französischen; aus der Syntax: das Verhältnis von Subjekt und Prädikat, im 2. Semester das Objekt(Unterschied der transitiven und intransitiven Verba).

Quinta, wöchentl. 4 Stunden. 1. Der Lektüre wird das für die Klasse bestimmte Lesebuch von Pal- damus, 3.-Teil, zu Grunde gelegt. Auch hier werden die historischen Stücke bevorzugt Die daran geknüpften mündlichen Ubungen werden wie in der vorhergehenden Klasse vorgenommen. Die in dieser memorierten Gedichte werden wiederholt und neue hinzugelernt, auf deren Vortrag wie in VI die größte Sorgfalt verwendet wird. Zum Memorieren in Quinta sind folgende Gedichte festgesetzt: Paldamus, Lesebuch, 3. Teil, 10, 51, 67, 75, 81, 135, 177, 178, 196, 203.

2. Auch die schriftlichen Ubungen in der Orthographie werden wie in der vorigen Klasse fortgesetzt. Die§§ 3 20 des Regelbuchs werden jetzt genauer durchgenommen mit Berücksichtigung aller, auch der in VI unbeachtet gelassenen ungewöhnlichen Wörter. Außer den wöchentlichen Diktaten wird vom zweiten Semester an allmonatlich ein Aufsatz geschrieben. Der Gegenstand der Aufsätze ergiebt sich aus dem, was im deutschen oder im geschichtlichen Unterricht vorgekommen ist; die Vorbereitung der Schüler durch den Lehrer ist noch eine sehr sorgfältige.

3. Dem Unterricht in der Grammatik wird der dem Lesebuch vorgedruckte grammatische Abriß zu Grunde gelegt. Er steht im Einklang mit dem Pensum im Französischen; er umfaßt daher aus der Formenlehre das Verb und das Pronomen, welches im Unterricht des Französischen so viele Schwierigkeiten bietet. Es wird die vollständige Konjugation des Verbs geübt; zur Kenntnis der Zeitstufen, welche in VI erworben worden ist, kommt die von der Unterscheidung zwischen unvollendeter und vollendeter Handlung; Modus und Genus des Verbs treten hierbei noch mehr in den Hintergrund, damit der Schüler nicht verwirrt werde. Die verschiedenen Klassen der Pronomina werden durchgegangen, wobei besonders der Unterschied zwischen substantivischen und adjektivischen Pronomina betont wird. Aus der Syntax werden hauptsächlich die Kapitel von Attribut und Adverb behandelt und daneben das in VI Gelernte erweitert und vermehrt. Auf den zusammengesetzten Satz wird vor- bereitend bei den schriftlichen Ubungen und der Interpunktion Rücksicht genommen.

Quarta, wöchentl. 4 Stunden. Der Lektüre wird das für die Klasse bestimmte Lesebuch von Palda- mus, 4. Teil, zu Grunde gelegt. Sie wird, wie früher, mit Bevorzugung der geschichtlichen Stücke fortgesetzt. Die damit verknüpften Übungen in der mündlichen Wiedergabe des Gelesenen werden allmälig schwerer, sowohl was die Beantwortung der von dem Lehrer über das Einzelne gestellten Fragen als auch die Reproduktion eines größeren Abschnitts betrifft. Der Vortrag der Schüler soll mit der Zeit selbständiger werden. Auf dieser Stufe