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der Aula, wo der Direktor nach dem Vortrag patriotischer Lieder und Gedichte einen Ver- gleich zwischen 1870 und heute zog.
Auch später blieben wir der Gepflogenheit treu, die grossen Siege unserer herrlichen Heere durch einen kurzen Hinweis auf ihre Bedeutung erst dann 2u feiern, wenn wir einige Stunden der ernsten Arbeit gewidmet hatten.
Im Winterhalbiahr konnte der Unterrichtsbetrieb nur dadurch einiger- massen durchgeführt werden, dass sich nicht nur die der Anstalt verbliebenen Lehrkräfte willig zur Uebernahme von Mehrstunden bereit erklärten, sondern dass auch die Herren Superintendent Hocke, Pfarrer Heidelbach und Professor Dr. Pon- tani, der hochverdiente frühere Kollege, sich gern zur Verfügung stellten. Mir ist es eine Herzenssache, im Namen der Anstalt auch an dieser Stelle allen herzlich zu danken.
Der Anfang des Winterhalbjahrs brachte auch einige weitere Aenderungen im Lehrkörper. Herr Lendle, der zum Oberlehrer am Königlichen Gymnasium in Hers- feld ernannt war, wurde durch Herrn Heinrich Nierenköther ersetzt; Herr Dr. Hollstein fand einen Nachfolger in seiner Stellung als Leiter des Schülerheims in Herrn Dr. Willy Schönwitz, der zugleich sein Probejahr an der Anstalt ableistet.
Der gewaltige Ernst der Zeiten machte sich mehr und mehr geltend, als die Nachrichten von den ersten Opfern eintrafen, die auf den blutigen Schlachtfeldern im Osten und Westen gefallen waren. Waren es auch zunächst nur ehemalige Zöglinge der Anstalt, die ihr junges, hoffnungsvolles Leben dargebracht hatten, so war doch die Trauer auch um sie tief und aufrichtig. Erschütternd wirkte auf uns alle die Nachricht vom Hleldentode unseres lieben Kollegen Roggenkamp, der am 2. November bei Zandvoorde in Flandern fiel. Begeistert war er hinausgezogen; die Mahnung, an Weib und Kind zu denken, konnte ihn nicht zurückhalten; er sehnte sich an die Front zu kommen; mit dem Tode bezahlte er die Erfüllung seines Herzenswunsches. Am 21. November, am Tage vor dem Totensonntage, feierten wir sein und der übrigen gefallenen Helden Gedächtnis in einer schlichten Gedächtnisfeier in der Aula der Anstalt.
Schon der kommende Sonnabend versammelte uns wieder zur ernsten Toten- feier. Es galt dem am 25. November plötzlich aus seinem iungen Dasein abberufenen Vorschüler Reinhard Kahn, einem frischen, liebenswürdigen, begabten jungen Menschenkinde, das letzte Lebewohl nachzurufen. Sein Name und Gedächtnis wird durch die Stiftung fortleben, die seine Eltern anlässlich seines Todes gemacht haben R. i. p.!
Ernste Stimmung umwehte auch die Schlussfeier vor Weihnachten. Es fehlte der lichtergeschmückte, brennende Weihnachtsbaum, es fehlten die heiteren und ernsten Gedichte, es fehlten auch die fröhlichen, erwartungsvollen Gesichter, es fehlten die freien, leichten Herzen.
In derselben gehaltenen Stimmung gingen wir in das neue Jahr; brachten doch gerade die ersten Wochen mehr wie eine schmerzliche Trauerkunde; mancher von denen, die noch vor kurzem unter uns fröhlich gewandelt hatten, hatte seine Treue zum Vaterlande mit dem Tode besiegelt.
So war denn auch der Ton, auf den die Kaisersgeburtstagsfeier ge- stimmt war, ernster denn in den langen Friedensjahren vorher. In der Festrede ver- breitete sich Professor Dr. Appuhn über die Charaktereigenschaften unseres Vol- kes, auf die gestützt wir in dem gewaltigen Weltkriege einen vollgültigen Sieg mit Zu- versicht erwarten dürfen. Die Kaiserprämien händigte in Vertretung des Direktors Pro-


