II. Chronik.
Das Schulijahr 1914, das in seinem weiteren Verlaufe auch auf die Schulen Deutschlands so tief einschneidende Wirkungen ausüben sollte, wurde am 22. April in der gewohnten Weise durch eine Andacht und die Einführung und Verpflichtung der neuauf- genommenen Schüler eröffnet. In das Lehrerkollegium traten gleichzeitig ein die fierren Wilhelm Lendle(an Stelle des Herrn Ewald Remy, der an das König- liche Gymnasium zu Hadamar versetzt wurde, und dem für seine vierjährigen treuen Dienste auch an dieser Stelle herzlich gedankt sei), Dr. Georg Boos und Wilhelm Loh- mann, diese beiden, um ihr Probeiahr abzuleisten. Beide Herren verliessen uns bald, flerr Lohmann schon Mitte Mai, um eine Vertretung an der Oberrealschule zu Wiesbaden zu übernehmen, Herr Dr. Boos im August, um sein Probejahr in Hadamar fortzusetzen.
Am 5. Juni trat als Vertreter des Professors Dr. Garthe der Kandidat des hö- heren Lehramts Herr Erich Fischer in den Lehrkörepr ein.
Herr Provinzial-Schulrat Kanzow wohnte am 12. Juni in mehreren Klassen dem Unterricht bei.
Die Turnfahrten fanden am 16. und 17. Juni statt. Nur die beiden Primen und die beiden Sekunden des Gymnasiums nahmen den zweiten Tag dafür in Anspruch. Die Primaner besuchten den Harz, die Obersekundaner den Thüringer Wald(Inselsberg), und die Untersekundaner besichtigten die Edertalsperre.
Am Johannisfest(4. und 5. Juli) beteiligte sich die Anstalt in der ge- wohnten Weise.
Kurz vor dem Schluss der Sommerferien verstarb plötzlich der Herr Stadt- verordnetenvorsteher, Habrikant Hartmann Calenberg, Mitglied des Kurato- riums der Anstalt. Wir werden dem verdienten Mann, dem das Wohl der Anstalt immer am Herzen lag, ein treues Andenken bewahren..
Als wir am 4. August uns zur gewohnten Arbeit wieder zusammenfanden, be- herrschte der Krieg schon alle Gemüter und griff auch in die ruhige Arbeit der Schule gewaltsam ein. Nicht weniger als 4 Lehrer der Anstalt wurden sofort zu mili- tärischen Dienstleistungen einberufen, zwei weitere wurden erst mit Beginn des Winter- halbjahres ihrer unterrichtlichen Tätigkeit entzogen. Auch die Reihen der Schüler wiesen schon bei Beginn des Krieges Lücken auf; begeistert hatten sich einzelne dem Dienste des Vaterlandes geweiht, noch ehe der Ruf an sie ergangen war. Ihr Beispiel wirkte zündend: bis zum Schluss des Sommerhalbjahres verliessen 28 Schüler die An- stalt, um unmittelbar in das Heer einzutreten, davon 13 mit dem Zeugnis der Reife, 9 mit dem Zeugnis der Reife für Prima, die übrigen mit dem für Obersekunda ausgestattet.
Begeistert verfolgten die Zurückbleibenden, Lehrer und Schüler, die kriegerischen Vorgänge im Westen und Osten; aufmerksam lauschten die Schüler, auch die Sextaner, den Ausführungen, die Oberlehrer Lützen über die Gründe zu dem gewaltigen Kriege nach dem Schulschluss an den Sonnabenden gab, und sangen begeistert vaterländische Lieder nach den Ansprachen des Direktors.
Die ausserordentlichen(Not) Prüfungen fanden im August unter dem Vorsitz des Direktors statt..
Am 2. September vereinigten wir uns nach der dritten Unterrichtsstunde in


