Jahrgang 
1886
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dem 16. Sept. 1884 seinem Amte entzogen hatte, der Direktor der Anstalt, Herr Karl Ernst Vogt, im 46. Jahre seines Lebens, im 7. seiner Wirksamkeit an der Friedrich-Wilhelms-Realschule. War man auch auf diesen Ausgang seiner Leiden vorbereitet, so erschútterte doch die Kunde von dem Tode des so früh aus dem rüstigsten Wirken herausgerissenen Mannes Alle, die ihm im Leben nahegestanden, insbesondere aber Lehrer und Schüͤler der Anstalt, für die er in hingebendster Treue und mit dem gesegnetsten Erfolge die letzten sechs Jahre seines Lebens gearbeitet hatte. Diese Stimmung fand besonders in einer feierlichen Trauerandacht ihren Ausdruck, welche am Morgen des Begräbnistages in der Aula abgehalten wurde. Nach Absingung einiger Strophen des Liedes Mein Jesus ist mein Leben und nach Verlesung des 90. Psalms rief der stellv. Dirigent, Oberlehrer Eichler, mit kurzen Worten noch einmal das Bild des Abgeschiedenen Lehrern und Schülern vor die Seele, das Bild eines bis ins Kleinste gewissenhaften, ernsten und doch liebevollen Lehrers, eines kenntnisreichen, erfahrenen und humanen Direktors, eines anregenden, lebensfrohen Genossen, eines im Leben, im Leiden und im Sterben bewährten Christen, eines begeisterten und begeisternden Freundes des Vaterlandes, eines hochgeschätzten Mitbürgers, eines glücklichen und die Seinen beglückenden Familienvaters. Insbesondere wies er auch darauf hin, wie der Entschlafene mit ganzer Seele der Entwickelung und Vervollkommnung der Anstalt gelebt und so eine heilsame Umwandlung derselben in Angriff genommen habe, deren Abschluss ihm leider nicht mehr zu schauen vergönnt war, und schloss mit dem Wunsche, dass der Geist dieses Mannes fortleben möge an der Stelle seiner Wirksamkeit, ein Wunsch, der gewiss nicht nur allen Anwesenden, sondern auch allen denen, welche erfahren haben, was der Entschlafene für die Anstalt gewesen, aus der Seele gesprochen ist.*)

Am 27. Juni 1885 erwarb der ord. Lehrer E. Flemming bei der Universität Jena durch eine Abhandlung:Die Lasten Anhalts während des dreissigjährigen Krieges den philosophischen Doktorgrad.

Am 2. Juli gab Herr Pfarrer Liese, der seit Nov. 1884 den Religionsunterricht in den oberen Klassen in thatkräftiger Freundschaft für den erkrankten Direktor übernommen hatte, diese Thätigkeit auf. Für die Unterstützung, die er der Schule geleistet, spricht ihm dieselbe auch hier den wärmsten Dank aus.

Eine Turnfahrt in gewohnter Weise zu unternehmen verbot die Trauer, in welche Lehrer und Schüler durch den Tod ihres Direktors versetzt waren.

Dagegen fand am 1. Sept. die Turnprüfung(Schauturnen) auf dem Turnplatze in her- gebrachter Weise statt, indem Deklamationen und Gesänge vaterländischer Lieder mit den verschiedensten Turnübungen abwechselten. Der Turnlehrer Orth wies in einer Ansprache auf die Notwendigkeit einer gleichmässigen Ausbildung des Geistes und Körpers und auf die Berührungs- punkte unseres deutschen Turnens mit der Gymnastik der Hellenen hin. In das am Schlusse ausgebrachte Hoch auf den geliebten Kaiser stimmte die ganze Festversammlung freudig ein.

Auch der Sedantag wurqde nach alter Sitte von der Schule durch einen Festakt am Fusse des Krieg erdenkmals begangen. Kandidat Henkelfeierte in begeisterter Ansprache die Bedeutung des Tages.

Sonnabend den 17. Okt. gedachte nach der Schlussandacht der stellv. Dirigent der Bedeutung des 18. Oktobers für das ganze deutsche Volk und für die Friedrich-Wilhelms-Real- schule insbesondere und schloss mit einem freudigen Hoch auf Se. Kaiserl. Königl. Hoheit, den erhabenen Protektor der Anstalt.

*) Uber sein Leben hat er selbst berichtet im Jahresbericht von 1879, S. 18.