Jahrgang 
1886
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Mit dem 1. Nov. trat Herr Landrat Gross in den Ruhestand und damit auch aus seiner Stellung als Vorsitzender des Kuratoriums, in welcher er seit Jahrzehnten das Wohl der Anstalt auf das eifrigste gefördert hatte. Die Wünsche, welche dem verehrten Manne kurz vorher bei feierlicher Gelegenheit die Anstalt ausgesprochen, erneuert sie bei dieser Gelegenheit und fügt den neuen Wunsch hinzu, dass er auch ferner, wenn schon nicht mehr in amtlicher Verbindung mit ihr stehend, ihr ein wohlwollender Freund und Förderer pleiben möge.

Am 7. Nov. erkrankte der Oberlehrer Eichenberg in solchem Grade, dass er sich genötigt sah, einen Urlaub bis zum Schluss des Schuljahrs zu erbitten. Zur Ausfüllung der Lücke wurde Kand. Henkel mit Versehung von 20 Unterrichtsstunden beauftragt.

Am 7. Januar 1886 feierte die Schule das 25-jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät, mit Gesängen, Deklamationen und einer Festrede, in welcher der ord. Lehrer Dr. Flemming die Segnungen darstellte, welche nicht nur dass preussische, sondern auch das ganze deutsche Volk der Regierung Kaiser Wilhelms danke. Zur bleibenden Erinnerung an den festlichen Tag wurde jeder Klasse ein Exemplar des BuchesKaiser Wilhelms Leben und Thaten v. Rud. Stenzler übergeben.

Am 4. Februar wurde der Unterzeichnete, nachdem die am 6. Okt. vollzogene Wahl des Kuratoriums unterm 21. Dez. die Allerhöchste Bestätigung erhalten hatte, in feierlicher Weise in sein Amt eingefuhrt. Nach einem ChorgesangDas walte Gott empfahl der Königl. Provinzial- schulrat Herr Kannegiesser, der Verdienste des verstorbenen Direktors, wie auch der treuen und umsichtigen Verwaltung seines Stellvertreters mit Anerkennung gedenkend, die Pflege des idealen Sinnes als die vornehmste Aufgabe der höheren Schule der Gegenwart und übergab dem neuen Direktor die Bestallungsurkunde. Nachdem dann auch noch Herr Metropolitan Dr. Hochhuth Namens des Kuratoriums und des Kirchenregimentes ihn begrüsst und den Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass die alte Inschrift des Cyriakusklosters, in welchem unsre Schule ihren Anfang genommen,quod deus bene vertat auch ferner ihr eine Richtschnur und ein Wahrzeichen sein möge, ergriff der Unterzeichnete das Wort, um den Behörden für das ihm bewiesene Vertrauen zu danken und das Gelöbnis darzubringen, dass er die seiner Leitung anvertraute Jugend zu Bürgern ihres irdischen sowohl wie ihres himmlischen Vaterlandes tüchtig zu machen so viel an ihm liege allezeit sich bestreben werde. Nachdem dann auch noch Herr Bürgermeister Gebhard im Namen der städtischen Behörden und Herr Oberlehrer Eichler im Namen des Lehrer-Kollegiums freundliche Begrussungsworte gesprochen, schloss die Feier mit Gebet und dem GesangAch bleib mit Deiner Treue etc.*)

*) Karl Schirmer, geboren 1850 zu Wettesingen(Kr. Wolfhagen), vorgebildet auf dem Gymnasium zu Kassel, studierte von Ostern 1867 72, mit Ausnahme der Zeit, wo er als Freiwilliger an dem Feldzuge von 1870/71 teilnahm, auf den Universitäten zu Marburg, Berlin und Leipzig Theologie, sowie klassische und germanistische Philologie. Nachdem er im August 1871 das theologische Fakultäts-Examen und im März 1873 das Examen pro fac. doc. zu Marburg bestanden hatte, leistete er von Ostern 1873 74 sein pädagogisches Probejahr am K. Domgymnasium zu Halberstadt ab, erwarb auch im März 1874 zu Marburg den philosophischen Doktorgrad. Von Ostern 1874 75 war er dann ordentlicher Lehrer am K. Gymnasium in Rendsburg, Ostern 1875 bis Michaelis 1880 am K. Gymnasium in Altona. Zu dieser Zeit folgte er einer Berufung an das Lyceum in Metz, wo er im Juni 1881 zum Oberlehrer befördert wurde. Er hat herausgegeben 1) Über den syntakt. Gebrauch des Optativs im Gotischen(Diss. Marburg 1874.), 2) Uber die Sprache des M. Brutus in den bei Cicero überlieferten Briefen(Metz 1884), 3) Ciceros Briefe seit 1829(Philol. 1886 S. 133 183), dazu zahlreiche kleinere Abhandlungen und Rezensionen in wissenschaftlichen und anderen Zeitschriften.