Jahrgang 
1879
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Am 13. August machte der Direktor dem Lehrerkollegium die hocherfreuliche Mittheilung, dass dem ordentlichen Lehrer Eichenberg durch den Herrn Minister der Oberlehrertitel verliehen sei.

Der Sedantag wurde durch eine um 8 U. Vm. des 2. September beginnende öffentliche Schulfeier mit Gesang. Deklamation und Festrede des Oberlehrers Dr. Mösta, welche die hohe Be- deutung dieses vaterländischen Ehrentages darlegte, begangen. Die Schüler christlichen Bekennt- nisses nahmen an dem in der Neustädter Kirche abgehaltenen Festgottesdienst, die Israeliten an dem Gottesdienst in der Synagoge, die Schüͤler der oberen Klassen, von Quarta an aufwärts, an dem allgemeinen PFestzuge theil.

Der folgende Tag wurde ein Tag der Trauer für die Schule, als der Todestag eines seinen Lehrern und Mitschülern lieben Knaben, des Sextaners Friedrich Hempfing. Am 4. September hielt der Direktor die dem Andenken des Dahingeschiedenen gewidmete Trauerandacht ab; am folgen- den Tage gaben ihm Lehrer und Schüler das Geleit zu seiner irdischen Ruhestätte.

Am 11. September wurde das jährliche Schauturnen in der Turnhalle abgehalten und fand auch in diesem Jahre rege Theilnahme bei den Angehörigen der Schüler; Frei- und Ordnungs- übungen, Uebungen an den Geräthen wechselten mit Gesang und Deklamation, am Schluss wies der Turnlehrer Dr. Anschütz die Schüler in einer Ansprache auf den Werth der gymnastischen Uebungen hin.

Am folgenden, 14. September, dem letzten Schultage des Sommersemesters, nahm der Direktor Dr. Kiessler, welcher durch die Ernennung zum Direktor der Realschule I. O. in Gera aus seiner hiesigen Stellung abberufen war, bewegten Abschied von der Schule. Lehrer und Schuler haben es nicht nur in jenem ergreifenden Augenblick empfunden, was die Schule, welcher 6 Jahre hindurch seine ganze begeisterte Liebe, seine aufopfernd hingebende, einsichtsvolle und thatkräftige, nach den verschiedensten Richtungen grundlegende und fördernde Thätigkeit angehört hatte, in dem scheidenden Direktor verlor für alle Zeit wird die reichgesegnete Wirksamkeit des Directors Dr. Kiessler in dem Andenken der Friedrich-Wilhelms-Realschule lebendig bleiben, wie auch seine über die Grenzen der nächsten Berufsthätigkeit hinausgehenden gemeinnützigen Bestrebungen ihm in weiteren Kreisen ein dankbares Gedächtniss gesichert haben.

Die Herbstferien waren vom 15. September bis 6. Oktober.

Durch die von Sr. Majestät dem König bestätigte Wahl des Curatoriums zum Director der Anstalt ernannt, wurde der Unterzeichnete am 7. Oktober durch den Provinzialschulrath Dr. Rumpel feierlich in sein neues Amt eingeführt. Zu der Feier hatte das Curatorium die städtischen Körper- schaften, sowie alle Freunde der Friedrich-Wilhelms-Realschule geladen. Nach dem von dem Schüler- Chor ausgeführten GesangDas walte Gott, legte zunächst der Herr Provinzialschulrath, der Ver- dienste des bisherigen Direktors mit Anerkennung gedenkend, dem neuen Direktor die Pflichten seines neuen Amtes eindringlich ans Herz und übergab ihm die Bestallungsurkunde. Hierauf ergriff der Unterzeichnete das Wort, indem er, anknüpfend an das ihm zum ersten Willkomm entgegengebrachte Gesangeswort zu allerst seine herzliche Uebereinstimmung mit der in demselben ausgedrückten Ge- sinnung bezeugte, nachdem er dann den Behörden für das Vertrauen, das ihn an diese Stelle ge- führt, seinen Dank und ihnen wie den Lehrern und Schülern seinen vertrauensvollen Gruss darge- bracht hatte, legte er seine Auffassung an dem Berufe der Realschule dar, welcher gerade die in den traurigen Erscheinungen der jüngsten Zeit zu Tage getretene Gemeinheit der materiellen Lebens- richtung ein ernster Mahnruf sei, über der Berücksichtigung der Anforderungen des materiellen