18
Lebens die Pflege idealer Gesinnung, hingebender Arbeit, selbstverläugnenden Gemeinsinns und auf- richtiger Gottesfurcht nicht zu verabsäumen, und wies im Einzelnen an den Unterrichtsfächern des Lehrplanes nach, wie durch deren Betrieb die ernste geistige und sittliche Zucht, welche das ge- sammte Schulleben bieten müsse, zu üben sei. Nach freundlicher Begrüssung durch den Vor- sitzenden des Curatoriums, und die Vertreter der städtischen Körperschaften und einer warmen An- sprache des 1. Oberlehrers Eichler als Vertreters des Lehrerkollegiums schloss die Feier mit einem Choralgesang.
Karl Ernst Vogt, am 17. November 1839 zu Kassel goboren und auf dem dortigen Gymnasium für das akademische Studium vorgebildet, studirte von Ostern 1857 bis 1862 auf den Universitäten Halle, Marburg und Tübingen Theologie und Philologie. Nachdem er in Marburg und Kassel seine theologischen Prüfungen und die Rektorprüfung bestanden, übernahm er im Herbst 1862 das Rektorat der höheren Lehranstalt zu Kronenberg in der Rheinprovinz, unterrichtete vom Herbst 1864 an 1 ½ Jahre lang an einer höheren Töchterschule zu Kassel, war dann 2 ½ Jahre Lehrer an der dortigen Realschule(jetzigen höheren Bürgerschule.) Diese Stellung gab er im Herbst 1868, wo er als Lehrer an der erst mit dem folgenden Sommersemester zu eröffnenden dortigen Realschule gewählt war, auf, um den Winter 1868/69 in Paris zu verbringen; seit Ostern 1869 Lehrer an der Realschnle I. O. zu Kassel, unterzog er sich im Sommer jenes Jahres der Prüfung pro fac. vor der Königl. wissensch. Prüfungs-Commission zu Marburg; im Herbst 1871 wurde er zum Rektor an der damals in der Ent- wickelung begriffenen höheren Bürgerschule zu Biedenkopf im Regbez. Wiesbaden ernannt, in welcher Stellung êr bis zu seiner Wahl in Eschwege blieb.
Am 18. Oktober erinnerte der Direktor in der Morgenandacht an die dreifache hohe Be- deutung, welche dieser Tag als der Gedenktag der Leipizger Schlacht, der erste Jahrestag der Ein- weihung des neuen Schulgebäudes, der Geburtstag Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen, dessen Namen die Anstalt zu führen gewürdigt ist, für die Friedrich-Wilhelims-Real- schule habe; in einem dreifachen Hoch auf unsern gelicbten Kronprinzen fand die herzliche Theil- nahme an Höchstdessen Freudenfest ihren pegeisterten Ausdruck.
Am 18. November starb in seinem 74. Lebensjahre der Realschul-Inspector a. D. Pfarrer Rossbach, welcher 27 Jahre lang, vom 26. Oktober 1840 bis zum 1. September 1867, wo er wegen Kränklichkeit in Ruhestand trat, die Eschweger Realschule geleitet hatte.„Er hat die besten Jahre seines Lebess der hiesigen Realschule gewidmet und durch seine grosse Gewissenhaftigkeit, seinen unverdrossenen Pleiss und seine gediegenen Kenntnisse wesentlich zum Gedeihen derselben beige- tragen“— so wird seine hiesige Amtswirksamkeit von einem während der ganzen Dauer derselben mit ihm kollegialisch verbundenen Lehrer charakterisirt(s. Progr. d. hies. Reals. v. 1872. p. 31). Einem Beschluss der Lehrer-Konferenz gemäss wurde die dankbare Pietät, welche die Schule dem Dahingeschiedenen bewahrt, durch Betheiligung sämmtlicher Lehrer und der Schüler von Prima bis Quarta bei dem am 20. November stattfindenden Leichenbegängniss kundgegeben.
Weihnachtsferien waren vom 22. Dezember 1878 bis 6. Janmuter 1879.
Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs, nach den schmerzlichen Prüfungen und Erweisungen göttlicher Gnade, welche das vergangene Jahr dem geliebten Landesvater gebracht hatte, mehr als je ein Tag tiefen Ernstes und erhebender Freude, wurde am Vormittag des 22. März durch einen öffentlichen Schulaktus in der Aula vor zahlreich versammeltem Publicum mit Gesang und Deklamation und einer von dem Direktor gehaltenen Festrede begangen, Welche die Pflege der vaterländischen Gesinnung zum Gegenstand hatte.
Der Gesundheitszustand der Schüler und Lehrer war in dem vergangenen Jahre ein ver- hältnissmässig recht günstiger; namentlich hatten Wührend der anhaltenden Winterkälte die Schüler


