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Natur gewinnen, und dazu bietet ihm die Sprache, namentlich aber ſeine Mutterſprache, das Abbild ſeines geiſtigen Lebens, das beſte Mittel. Sie iſt tiefer begründet, im Allgemeinen beſſer geordnet, ja in einzelnen Theilen der Formlehre ſogar reicher gegliedert als die alten, claſſiſchen Sprachen, namentlich die lateiniſche, und ſo werden unſere Schüler, wenn es uns gelingt, ſie ſoweit zu fördern, daß ſie den ganzen Entwick⸗ lungsgang ihrer Mutterſprache erfaſſen, ſich einer wahrhaft wiſſenſchaftlichen ſprachlichen Durchbildung erfreuen. Dabei ſollen ſie neben den werthvollen Erbgütern unſeres Volkes, an denen ſie das nationale Bewußtſein kräftigen, auch in guten Ueberſetzungen kennen lernen, was das claſſiſche Alterthum Schönes und Herrliches geſchaffen hat. An die Stelle der lateiniſchen und griechiſchen Sprache treten in der Real⸗ ſchule die franzöſiſche und engliſche. Die letztere namentlich muß wegen der durch die gleiche Abſtammung bedingten inneren Gleichartigkeit der Denk⸗ und Empfindungsweiſe des engliſchen und deutſchen Volkes, wegen des gediegenen Reichthums und des ſittlichen Charakters der engliſchen Literatur eine noch hervorragendere Stellung auf der deutſchen Realſchule gewinnen, als ſie bis jetzt hat; aber auch die franzöſiſche Sprache wird wegen ihrer Klarheit, ihrer ſcharfen Gliederung und der Reichhaltigkeit ihrer Formlehre ein treffliches Mittel für die formale Geiſtesbildung geben, und die deutſche Ausdrucksweiſe kann von den Franzoſen an⸗ muthige Glätte der Form und durchſichtige Gruppirung des Stoffes lernen. Dennoch wird wegen der de⸗ ſtructiven Tendenz der meiſten franzöſiſchen Schriftſteller die franzöſiſche Lectuͤre nur in beſchränkter Auswahl und in geringerem Umfange als die engliſche zu treiben ſein. Endlich benutzt die Realſchule den Geſang⸗ unterricht zur Belebung des Gefühls, zur Weckung und Stärkung des religiöſen Sinnes und zur Bildung der Phantaſie, und den Zeichenunterricht zur Entwickelung des äſthetiſchen Sinnes und der Phantaſie.
Zur rechten Geltung können aber alle dieſe Bildungsmittel nur kommen, wenn unſere Schüler die Schule ganz abſolviren, wenn ſie ſich nicht begnügen, etwa bis zu ihrer Confirmation oder auch bis ſie die Berechtigung zum einjährigen Dienſt erlangt haben, die Schule zu beſuchen, ſondern wacker und rüſtig bis zum Abiturientenexamen ausharren und ſo auch durch ein äußeres Zeichen documentiren, daß ſie etwas Tüchtiges gelernt haben. Wir ſehen von den Berechtigungen ab, welche der Staat unſerer Schule gewährt, und erwähnen nur die werthvollſte für die höheren gewerblichen Stände, die Berechtigung zum Beſuch der Gewerbeacademie; denn unſere eigentliche Aufgabe ſuchen wir nicht darin, tüchtige Staatsbeamte, ſondern tüchtige Bürger zu bilden, welche dem Vaterlande, wenn auch auf einem anderen Gebiete, doch nicht minder ehrenvoll dienen. Aber das müſſen wir hervorheben, daß die Zeit, welche unſere Abiturienten durch den Aufenthalt auf der Schule ſcheinbar verlieren, reichlich eingebracht wird durch die höhere Gewandtheit des Geiſtes, welche ſie mit in's Leben nehmen, dann aber auch dadurch, daß es mit Recht, namentlich in den Centren des gewerblichen Lebens immermehr gebräuchlich wird, den Abiturienten eine entſprechende Abkürzung der Lehrzeit zu gewähren. Möchten daher die Eltern das wahre Wohl ihrer Kinder bedenken und dieſelben nicht eher von der Schule abgehen laſſen, als bis ſie das Ziel derſelben erreicht haben! Zum Schluß er⸗ flehte der Redner den Segen des Herrn, von dem allein die Hülfe kommt, zu ſeinem ſchweren und verant⸗ wortungsreichen Amte, auf daß ihm an ſeinem Theil vergönnt ſei mitzuwirken zum Beſten der Jugend, zu Nutz und Frommen der Stadt, zum Heile des Vaterlandes, zur Ausbreitung des Reiches Gottes. Der Rede des Directors folgte zunächſt der Geſang zweier Verſe des Chorals: Ach bleib' mit deiner Gnade, geſungen von der ganzen Feſtverſammlung, ſodann namens des Lehrercollegiums eine durch ihre Herzlichkeit erquickende Begrüßung durch den Herrn Oberlehrer Eichler, welcher dem Berichterſtatter die treueſte Sorge für die Schule an das Herz legte, an welcher er ſeit ihrer Gründung ein Menſchenalter hindurch mit reich geſegnetem Erfolge gewirkt hat. Freundliche Wortendes Willkommens von dem Herrn Landrath Groß, dem Vorſitzenden des Curatoriums, und den übrigen Mitgliedern desſelben und der vierſtimmige Geſang: Erhöre gnädig unſer Flehen Für Deinen Knecht, den Du zu uns geſandt, ſchloſſen die Feier.


