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ein, nachdem er das Weſen der Realſchulbildung und ihre Bedeutung gerade für unſere Stadt in beredten Worten entwickelt hatte.
Hierauf betrat der Director die Rednerbühne, um zunächſt dem Curatorium für das ehrenvolle Ver⸗ trauen zu danken, deſſen ihn daſſelbe durch ſeine Wahl gewürdigt habe, und daſſelbe wie die ſtädtiſchen Behörden auch für die Zukunft um ihr Wohlwollen für ſich und die Anſtalt zu bitten. Sein ehrerbietiger Dank galt ferner dem Herrn Provinzial⸗Schulrath für die herzlichen Worte der Einführung, aus welchen er die zuverſichtliche Hoffnung ſchöpfte, in demſelben einen wohlwollenden, für das Gedeihen der Anſtalt beſorgten Vorgeſetzten ſehen zu dürfen. Weiter ſtattete er ſeinen wärmſten Dank dem Herrn Oberlehrer Eichler für die hingebende Treue ab, mit welcher derſelbe während des Interimiſticums unter den ſchwie⸗ rigſten Verhältniſſen der Schule vorgeſtanden, und bat ihn wie das geſammte Lehrercollegium um freund⸗ liche Aufnahue und treue Unterſtützung in ſeinem neuen ſchweren Amte. Nachdem er zuletzt auch die Schüler begrüßt und ſie zu rüſtiger Arbeit, zum pünktlichem Gehorſam, zur Wahrheitsliebe und zur Treue auch im Kleinſten aufgefordert und ihnen zugerufen hatte: Wachet und betet, daß ihr eure Wege unſträflich wandelt und euch haltet nach Gottes Wort, gab er noch ein Bild von dem, worin er Weſen und Ziel der Arbeit erblickt, welche die Realſchule an ihren Schülern zu vollziehen hat. Der Gedankengang der Rede war in kurzem der folgende: Die Realſchule iſt keine Fachſchule, ſondern eine allgemein bildende; denn ſie will nicht für einen beſtimmten Beruf vorbereiten, ſondern den ganzen Menſchen zur Erfüllung ſeiner geſammten Lebensaufgabe tüchtig machen, ſie will erziehen. Sie iſt daher dem Gymnaſium ebenbürtig, wenn ſie auch, weil ſie für die Bildung der höheren gewerblichen Stände ſorgt, ſich zum Theil anderer Bildungsmittel bedient. Der in derſelben ertheilte Unterricht muß alſo neben der realen auch ſeine ethiſche Seite haben; daher muß der Religions⸗ und der ſprachlich⸗hiſtoriſche Unterricht neben dem mathematiſch⸗naturwiſſenſchaft⸗ lichen auf allen Stufen zu der ihm gebührenden Geltung kommen. Die Realſchüler ſollen dereinſt im ge⸗ werblichen Leben leitend und anregend wirken, ſie haben die Aufgabe, Handel, Gewerbe und Induſtrie zu immer höherer Blüthe zu bringen, die Erwerbsfähigkeit der Arbeiter zu ſteigern, alſo ihre äußere Lage zu verbeſſern, aber ſie ſollen auch die Schutzwehr bilden gegen den ſchnöden Materialismus, ſie ſollen die ſociale Frage praktiſch löſen helfen. Darum ruht auf ihnen zum großen Theil die Zukunft der Geſellſchaft, des Vaterlandes, darum iſt die deutſche Realſchule vornehmlich berufen, mitzuwirken an der nationalen Erziehung; ſie beſitzt aber auch die geeigneten Bildungsmittel. An der Geſchichte des deutſchen Volkes lernt der Knabe und Jüngling die deutſche Treue kennen, das kräftige Wirken des deutſchen Geiſtes, den ſittlichen Charakter der hervorragenden Perſönlichkeiten und erwärmt daran ſein Gemüth, ſtärkt ſein Pflichtgefühl, ſteigert ſein Wollen zur energiſchen Selbſtthätigkeit. Aber auch mit der Geſchichte der außerdeutſchen Völker muß er ver⸗ traut werden, wenn er die Aufgaben ſeines Vaterlandes begreifen ſoll. Zum vollen Verſtändniß der Ge⸗ ſchichte führt ihn die genaue Kenntniß der Länder; daher pflegt die Realſchule die Erdbeſchreibung, nament⸗ lich die vergleichende. Dieſe bedarf wieder der Mathematik, welche außerdem und vor allen anderen Wiſſen⸗ ſchaften die Jugend an folgerichtiges, lückenloſes Schließen und an Präciſion des Ausdrucks gewöhnt, und der Naturwiſſenſchaften, welche ebenſo wohl wegen der innigen Freude an der Natur, welche dem deutſchen Gemüthe eigen iſt, als um des ganzen gegenwärtigen Culturzuſtandes willen eine hervorragende Stellung auf der Realſchule einnehmen muß. Dann aber iſt es auch der naturwiſſenſchaftliche Unterricht beſonders, welcher den Geiſt gewöhnt, das Weſentliche vom Unweſentlichen zu unterſcheiden, welcher dine fruchtbare An⸗ ſchauung von der Geſetzmaͤßigkeit der Natur giebt, darin das Walten des allmächtigen, allgütigen und allweiſen Gottes erkennen lehrt und ſo dem jugendlichen Gemüthe die eine Seite der Gottesoffenbarung zeigt, während daſſelbe in den durch den Religionsunterricht gegebenen Heilswahrheiten und Thatſachen die Gewißheit ſeiner Erlöſung findet. Der Schülerſoll ferner einen Einblick in die geiſtige Werkſtätte der menſchlichen


