Jahrgang 
1873
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Der 2. September wurde des Vormittags in Gemeinſchaft mit den anderen hieſigen Schulen auf die Weiſe gefeiert, daß ſich ſämmtliche Lehrer und Schüler der hieſigen Schulen auf dem freien Platze neben dem Schulhauſe, der ſogenannten Karlskirche, verſammelten und religiöſe und patriotiſche Lieder ſangen, und ſich, gehoben von der vortrefflichen Feſtrede des Religionslehrers an der Realſchule, Pfarrer Frankenberg, aufs Neue für Koͤnig und Vaterland begeiſterten. Eine zahlreiche Betheiligung von Seiten der Eltern und Angehörigen der verſammelten Schüler erhöhte das ſchöne Feſt. Am Nachmittage feierte die Schule mit Geſang, Declamation und Turnübungen ihr jährliches Turnfeſt auf dem Turnplatze und ſuchte auch hier⸗ durch die Bedeutung und Wichtigkeit des Tages den Schülern nahe zu bringen und ihrem Gedächtniß ein⸗ zuprägen. Nach den Herbſtferien, welche vom 23. September bis zum 6. October währten, nämlich am 8. October wurde der Berichterſtatter als Director der Anſtalt vom Herrn Provinzial⸗Schul⸗ rath Dr. Rumpel eingeführt, wodurch die längere interimiſtiſche Verwaltung des Directorats durch den Oberlehrer Eichler ihren Abſchluß fand.

Die Weihnachtsferien währten vom 23. December 1872 bis zum 5. Januar 1873. Die Feier des Geburtstags Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs fand am 22. März, Vormittags 11 Uhr, im gro⸗ ßen Stadtbauſaale Statt. Sie wurde eingeleitet durch den Geſang: Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren, an welchen ſich ein vom Director geſprochenes Gebet anſchloß. Hierauf folgte ein Salvum fao regem und die Declamation mehrerer patriotiſcher Gedichte. Die Feſtrede hielt der Oberlehrer Dr. Möſta über die hauptſächlichſten Eigenthümlichkeiten im Weſen des deutſchen Volkes. Zum Schluß ſang der Schü⸗ lerchor die Hymne: Unſer Kaiſer Wilhelm lebe!

II. Die Lehrer.

Das Schuljahr 1872/73 iſt, wenn auch nicht in dem bedenklichen Grade wie das vorhergehende, dennoch ein Nothjahr für die Anſtalt geweſen. Namentlich konnte im Sommerſemeſter der regelmäßige Unter⸗ richt nur dadurch ermöglicht werden, daß ein jeder Lehrer über ſeine Verpflichtung hinaus belaſtet werden mußte. Noch war die Stelle des Directors unbeſetzt, als auch der Candidat Erzgräber, welcher mit Ver⸗ ſehung der ſiebenten Lehrerſtelle beauftragt geweſen war, die Schule verließ, um eine Stelle am Johanneum in Lüneburg zu übernehmen. Da ein genügender Erſatz für denſelben nicht ſogleich zu beſchaffen war, ſo mußten während des ganzen Sommerſemeſters zwei Stellen durch die vorhandenen Lehrkräfte mit verwaltet werden, ein Nothſtand, welcher allerdings dadurch gemindert wurde, daß Herr Pfarrer Frankenberg, der eine reiche Erfahrung aus langjähriger Schulthätigkeit mitbrachte, ſich erbot, den geſammten Religionsunterricht an der Anſtalt zu übernehmen. Erſt Michaelis konnte die vakante ſiebente Lehrerſtelle durch Herrn Feitel wieder beſetzt werden. Am Schluß des Sommerſemeſters trat auch der Zeichen⸗ und Turnlehrer Herr Schmidt aus, um an dem Gymnaſium in Neuſtettin, und der Lehrer der zweiten Vorklaſſe, Herr Herfurth, um an der Bürgerſchule zu Gelnhauſen eine Stelle zu übernehmen. An ihre Stelle traten die beauftragten Lehrer Lindow, für den Zeichenunterricht, und Claus als Lehrer der Vorſchule.

Mit dem Beginn des Winterſemeſters übernahm auch der Berichterſtatter ſein neues Amt, nachdem Seine Majeſtät der Kaiſer und König am 15. Juni ſeiner Wahl zum Director der hieſigen Realſchule die Allerhöchſte Beſtätigung Allergnädigſt zu ertheilen geruht hatte. Die feierliche Einführung durch den Herrn Provinzial⸗Schulrath Dr. Rumpel fand am 8. October, da der Anſtalt bis jetzt noch eine Aula fehlt, in dem großen Stadtbauſaale in folgender Weiſe Statt.

Nachdem der Sängerchor die Feier durch einen vierſtimmigen Geſang eingeleitet hatte, führte der Herr Provinzialſchulrath Dr. Rumpel den Berichterſtatter mit herzlichen Segenswünſchen in ſein neues Amt