Jahrgang 
1873
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5 richtiger Rede erkennen laſſen. Anf dem Gebiete der deutſchen Literaturgeſchichte muß er mit den wichtigſten Epochen ihres Entwickelungsganges und mit einigen Hauptwerken aus dem klaſſiſchen Zeitalter durch eigene Lectüre bekannt und davon Rechenſchaft zu geben im Stande ſein.

Franzöſiſch und Engliſch. In den beiden neueren Sprachen ſoll beim Abgange aus Tertia der zum Fortſtudium nöthige Grund ſo weit gelegt ſein, daß die Kenntniß der Grammatik und die angeeignete Vokabelkenntniß den Schüler befähigen, leichte Stellen hiſtoriſchen Inhalts ins Deutſche und einfache deutſche Sätze in die fremden Sprachen zu überſetzen. Der Abiturient muß in beiden Sprachen grammatiſche und lexikaliſche Sicherheit des Verſtändniſſes und eine entſprechende Fertigkeit im Ueberſetzen ausgewählter Stellen aus proſaiſchen und poetiſchen Werken der klaſſiſchen Periode erreicht haben. Er muß des ſchrift⸗ lichen Ausdrucks ſo weit mächtig ſein, daß er über ein leichtes hiſtoriſches Thema einen Aufſatz ſchreiben und ein Dictat aus dem Deutſchen ohne grobe Germanismen und erhebliche Verſtöße gegen die Grammatik zu überſetzen im Stande iſt. Die Fähigkeit im mündlichen Gebrauche der fremden Sprache muß wenigſtens zur Angabe des Inhalts geleſener Stellen, zur Erzählung hiſtoriſcher Vorgänge und zu zuſammenhängender Antwort auf franzöſiſch oder engliſch vorgelegte und an das Geleſene anknüpfende Fragen ausreichen. In der Literaturgeſchichte iſt genanere Bekanntſchaft mit einigen Epoche machenden Autoren und Werken beider Literaturen aus der Zeit ſeit Ludwig XIV. und der Königin Eliſabeth erforderlich.

Geſchichte. Beim Abgange aus Tertia wird eine überſichtliche Bekanntſchaft mit den wichtigſten welthiſtoriſchen Begebenheiten und genauere Kenntniß der vaterländiſchen Geſchichte gefordert. Der Abiturient muß ſich eine geordnete Ueberſicht über das ganze Gebiet der Weltgeſchichte angeeignet haben, die griechiſche Geſchichte genauer bis zum Tode Alexanders d. Gr., die römiſche bis Marc Aurel, die deutſche, engliſche, franzöſiſche beſonders von den letzten drei Jahrhunderten kennen und brandenburgiſch⸗ preußiſche ſpecieller ſeit dem dreißigjährigen Kriege, ſo daß von der Entwickelung des gegenwärtigen europäiſchen Staatenſyſtems eine deutliche Vorſtellung nachgewieſen werden kann. Dabei muß eine Be⸗ kanntſchaft mit den Hauptdaten der Chronologie und eine klare Anſchauung von dem Schauplatz der Be⸗ gebenheiten vorhanden ſein.

Geographie. Der abgehende Tertianer ſoll die Elemente der mathematiſchen Geographie kennen, mit den allgemeinen Verhältniſſen der Erdoberfläche und der Erdtheile, insbeſondere Europas, vertraut ſein und eine ſpeciellere Kenntniß der topiſchen und politiſchen Geographie von Deutſchland beſitzen. Der Abiturient hat eine allgemeine Kenntniß der phyſiſchen Verhältniſſe der Erdoberfläche und der politiſchen Ländereintheilung mit Berückſichtigung des für die überſeeiſchen Verbindungen Europas Wichtigen nachzu⸗ weiſen, ferner genauere Kenntniß der topiſchen und politiſchen Geographie von Deutſchland und Preußen, auch in Bezug auf Handel und internationalen Verkehr, endlich die Elemente der mathematiſchen Geographie nach wiſſenſchaftlicher Begründung.

Naturwiſſenſchaften. Der Tertianer ſoll eine Kenntniß der wichtigeren, in der Umgebung vor⸗ kommenden Naturproducte, ſowie der in den Geſichtskreis des Schülers fallenden Naturerſcheinungen und ihre Gründe, der Abiturient eine auf Anſchauung gegründete Kenntniß der gebräuchlichſten botaniſchen, zoologiſchen und mineralogiſchen Syſteme erworben haben, ferner Bekanntſchaft mit den phyſiologiſchen und anatomiſchen Kennzeichen der Pflanzen⸗ und Thierfamilien, welche für die Flora und Fauna der Umgegend, für die gewöhnlich im Handel und in der Technik vorkommenden exotiſchen Formen und für die Phyſiognomie der botaniſchen und zoologiſchen Provinzen der Erde von beſonderer Wichtigkeit ſind. Er muß weiter die⸗ jenigen Begriffe und Sätze und in Betreff der Verſuche die Methoden kennen, welche auf die Entwickelung der Phyſik von weſentlichem Einfluſſe geweſen ſind, wie er auch im Stande ſein muß, die auf Erperimente

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