Jahrgang 
1915
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volle Papiergeld. Die Sammlung dieſes Goldes iſt eine Ehrenpflicht für jeden Deutſchen, jung wie alt. Jetzt bringt die Herausgabe, auch die Sammlung von Gold Ehre und Ruhm; das Zurück⸗ halten iſt ein Mangel an Vaterlandsliebe und Vertrauen. Heraus mt dem letzten Goldſtück! So verſchärft ihr unſere Waffen gegen den Feind!

Goldſtücke aller Art werden ihrem Werte entſprechend von der Reichsbank entgegengenommen, deutſche wie ausländiſche, die ſich vielfach in Münzſammlungen finden. Heraus mit allem gemünzten Golde aus den Truhen, Kaſſetten und Strümpfen!

Wendet Euch, Ihr Schüler, an Vater und Mutter, Oheime und Tanten, Verwandte, Freunde und Bekannte! Viele Tropfen bilden einen Bach. Viele Bäche einen Strom.

In dem furchtbaren Völkerringen auf Leben und Tod iſt neben der eiſernen dieſe goldene Wehr ein mächtiges Bollwerk des Vaterlandes.

Die Schüler des Gymnaſiums brachten binnen zwei Wochen, obwohl in dem Dillkreiſe ſchon zweimal geſammelt worden war, über 12 000 Mark in Gold zuſammen.

2. Vom Brote.

Mancherlei Fehler ſind in den vergangenen Jahrzehnten des Friedens gemacht worden. Gar viele Menſchen überließen ſich im Gefühle der Sicherheit und des Wohlſtandes der Genußſucht, dem Wohlleben, weichlicher Sinnenluſt. Weil Gottes Gaben in reicher Fülle vorhanden waren, wurden ſie nicht hoch genug geſchätzt; ſie wurden verſchwendet, vergeudet. Mit dem Guten war man nicht zufrieden; man ſtrebte nach dem ſcheinbar Beſſeren und Beſten, und die edlen Güter der Seele und des Geiſtes erſchienen vielen minderwertig. So wurde der Bauch vielen ihr Gott, und ihre Seele litt Schaden.

Und wie oft iſt das Brot, die edle Gottesgabe, mißachtet worden! Wie oft mußte es in vielen Schulen getadelt werden, daß Schüler achtlos ihr Brot wegwarfen, in den Straßengraben, in den Papierkorb. Und jetzt! Wie oft ſehnen ſich wohl unſere Krieger, denen im Schützengraben bis⸗ weilen die notwendigſte Nahrung nicht zugeführt werden kann, nach einem Stücklein Brot, deſſen Wert ſie jetzt nicht hoch genug ſchätzen können. Lernen wir von ihnen die Achtung dieſer edlen Gottesgabe!

Aushungern wollen uns die Feinde, und ſie glauben auf dem beſten Wege dazu zu ſein. Gott Lob; es wird ihnen nicht gelingen, aber haushälteriſch und ſparſam müſſen wir umgehen mit allen Nahrungsmitteln. Durch die Brotkarten hat der Staat nur den rechten Weg gezeigt, vor allem müſſen wir ſelbſt beweiſen, daß wir die hohe Wichtigkeit der Sache, den Ernſt der Lage, begreifen.

Merken wir uns im einzelnen folgendes:

1. Jede Vergeudung, jeder übermäßige Gebrauch eines Nahrungsmittels iſt eine Sünde gegen unſer Volk. Wir haben jedes Stücklein Bror nötig, jedes Nahrungsmittel für Menſchen und Tiere. Da die Brotkarten das Höchſtmaß des Verbrauchs zeigen, ſo iſt ihre reſtloſe Ausnutzung ohne Not Verſchwendung und ein Vergehen gegen das Volkswohl.

2. Genieße ſtets nur ſoviel als nötig iſt, deinen Hunger zu ſtillen. Die Speiſe iſt zur Er nährung des Körpers, zur Erhaltung ſeiner Kraft da, nicht zum Genuß. In der Friedenszeit hatten ſich viele Deutſche angewöhnt, unnötig viel zu eſſen. Das hat die Geſundheit vieler ſchwer geſchädigt. Jedes Uebermaß im Eſſen und Trinken ſchadet dem Körper und ſchadet noch mehr der Seele, die es abſtumpft gegen Hohes und Edles.

Alles, was du von einer Speiſe nicht wirklich nötig haſt, hebe ſorgſam auf! Gib es zu Hauſe deiner Mutter zu ſpäterem Gebrauche. Willſt du Verſchwendung treiben, während unſere Brüder im Schützengraben darben?

3. auch nicht zu viel Fleiſch auf deinem Brode! Gerade der übertriebene Fleiſchgenuß hat in der vergangenen Friedenszeit viele Krankheiten in Deutſchland hervorgerufen. Jetzt iſt er ein