Jahrgang 
1915
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An jung und alt. 1. Vom Golde.

Feinde ringsum. Sie bedrohen uns nicht nur mit Feuer und Schwert; ſie wollen uns auch durch Hunger verderben, durch Zerſtörung unſerer Landwirtſchaft, durch Vernichtung unſerer Induſtrie und unſeres Handels uns wirtſchaftlich tot machen.

Unſere Brüder im Felde halten mit ihren Leibern die raub⸗ und mordgierigen Scharen der Feinde von uns fern. Unſere Pflicht im lieben Heimatlande iſt es, den wirtſchaftlichen Vernichtungs⸗ plan der Gegner zu ſchanden zu machen. Eines der wichtigſten Mittel dazu iſt das Gold.

arum?

1) Das Gold iſt das einzige Zahlungsmittel, deſſen Wert in allen Kulturländern gleichmäßig feſtſteht, das ſtets und überall Geltung hat. Jede Goldmaſſe, gemünzt oder ungemünzt, ſtellt einen be⸗ ſtimmten Wert dar.

2) Für Gold können wir daher auch in der Kriegszeit die allerunentbehrlichſten Dinge aus neutralen Staaten beziehen. Alle anderen Zahlungsmittel, z. B. Papiergeld, Schecks, würden ihnen gegen⸗ über verſagen, wenn nicht ein ſtarker Rückhalt an Gold vorhanden wäre. Je größer der Gold⸗ beſtand, deſto größer die Achtung des Auslandes, deſto geringer die Hoffnung der Feinde.

3) Das Zentrum des Goldverkehrs iſt im Kriege wie im Frieden die Reichsbank. Sie allein kann als finanzielles Zentrum vermöge ihrer unparteiiſchen Ueberſicht über das geſamte Wirtſchafts⸗ und Verkehrsleben und infolge ihrer nahen Beziehung zum politiſchen Zentrum beurteilen, welche Dinge für unſer Volk am unentbehrlichſten ſind, welche Ankäufe aus dem Ausland ſie nötigen falls durch Zuwendung aus den ihr zu Gebote ſtehenden Mitteln unterſtützen muß. Die im Be⸗ ſitze von Privatleuten befindlichen Goldwerte liegen für dieſen notwendigen Auslandshandel völlig brach.

4) Infolge geſetzlicher Beſtimmungen, die ſich durch lange Erfahrung als nützlich erwieſen haben, ſteht der Reichsbank das Recht zu, Reichsbanknoten im dreifachen Werte ihres Barbeſtandes auszu⸗ geben. Aus jedem in ihren Beſitz übergehenden 20⸗Markſtück erwachſen 60 Mark in ſicheren Scheinen. Jede Milliarde Gold ermöglicht die Ausgabe von 3 Milliarden Papiergeld. So kann die Reichsbank dem Reiche zur Anſchaffung der notwendigſten Kriegsmittel das Geld zur Ver⸗ fügung ſtellen und ſomit unſere Siegeszuverſicht in dem gegenwärtigen Rieſenkampfe gewaltig ſteigern. Sie kann aber auch das Geldbedürfnis des privaten Handels und Verkehrs im weiteſten Umfange befriedigen. So flutet auch in der Kriegszeit der Geldverkehr ungehindert durch das ganze deutſche Vaterland. Es iſt Geld im Lande. Der Zinsfuß bleibt verhältnismäßig niedrig. Die regelmäßig veröffentlichten Ausweiſe der Reichsbank, die den jedesmaligen Goldbeſtand an⸗ geben, werden im In- und Auslande mit Spannung erwartet und mit Intereſſe geleſen, da daraus die Finanz⸗ und Kaufkraft unſeres Landes ſich ergibt. Daß dieſe im höchſten Grade vorhanden und in weiterem Wachſen, keineswegs im Abnehmen begriffen iſt, beweiſen dieſe Veröffentlichungen ſchlagend. Der Goldbeſtand hat ſich ſeit Kriegsbeginn nahezu verdoppelt. Landwirte, Kaufleute, Gewerbetreibende brauchen ihre Unternehmungen nicht erheblich einzuſchränken. Es gibt Arbeits⸗ gelegenheit für alle Stände; es tritt keine erhebliche Stockung der Erwerbstätigkeit ein. Die Ge⸗ brauchsgegenſtände werden nur unerheblich verteuert.

5) So ermöglicht alſo der Barbeſtand der Reichsbank den Handel mit dem Auslande wie die Erwerbs⸗ tätigkeit im Inlande. Das Vertrauen auf unſere wirtſchaftliche Kraft ſtützt ſich auf ihn. Der Wert unſeres Papiergeldes wird wie im Inlande, ſo im Ausland durch ihn verbürgt. Die 3⸗ Hundertmarkſcheine in meiner Hand ſind durch 5 20⸗Markſtücke der Reichsbank garantiert; ſie laſſen einen ſicheren Rückſchluß zu auf den Barbeſtand der Reichsbank. Tatſächlich hat unſer Papiergeld für den privaten Geldverkehr denſelben Wert wie das Gold, zumal für die anderen zwei Drittel weitere einwandfreie Sicherheiten hinterlegt ſind.

6) Noch über eine Milliarde Gold iſt in Privatbeſitz, im nationalen Sinne ein totes Kapital. Macht es lebendig durch Auslieferung an die Reichsbank, durch Umtauſch gegen das für uns ebenſo wert⸗