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V. Chronik des Gymnaſiums.
Das Schuljahr begann am Montag den 19. April mit der Aufnahmeprüfung. Am 30. des⸗ ſelben Monats erkrankte der Direktor und erhielt bis zu den Juliferien Erholungsurlaub.(Verfügung des Königl. Prov. Sch. K. S. 6264 vom 5. Mai und S. 7390 vom 3. Juni.) Die Direktionsge⸗ ſchäfte wurden von Profeſſor Kegel geführt, die Stunden des Direktors unter die Oberlehrer der An⸗ ſtalt verteilt, wobei der Probekandidat Eduard Müller, der durch Verfügung Königl. Provinzial⸗ ſchulkollegiums S. 3255 vom 10. April zugleich als wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer mit 8 Stunden dem Gymnaſium überwieſen war, zu vollen 24 Unterrichtsſtunden herangezogen wurde. Den Unterricht des ſeit Mitte November 1908 wegen Krankheit beurlaubten Oberlehrers Dr. Unbehaun übernahm bis Oktober 1909 in der ſeitherigen Weiſe der Probekandidat Dr. Röſch.(Verfügung des Königl. Prov. Sch. K. S. 2829 vom 8. April.) Nachdem dieſer im Herbſt nach Vollendung des Probejahres die Anſtalt verlaſſen hatte— der Unterzeichnete ſpricht ihm bei dieſer Gelegenheit für die dem Gym⸗ naſium geleiſteten Dienſte ſeinen wärmſten Dank aus—, übernahm die Vertretung bis Oſtern 1910 der wiſſenſchaftliche Hilfslehrer Weis.(Verfügung des Königl. Prov. Sch. K. S. 13015 vom 16. Oktober, S. 16 vom 7. Januar, S. 1482 vom 11. Febr.) Auch ihm dankt der Direktor beſtens für ſeine Tätigkeit. Der Probekandidat Eduard Müller verläßt die Anſtalt Oſtern 1910 nach vollendetem Probe⸗ jahre.
Durch Verfügung Königl. Prov. Schulkollegiums S. 5541 vom 1. Mai ward dem Gymnaſium der franzöſiſche Lehramtsaſſiſtent Fiéreck überwieſen, um in beſonderen Stunden franzöſiſche Konver⸗ ſation zu lehren. Herr Fiéreck, ein Südfranzoſe, geb. in Algier, zuletzt in Toulon, übernahm ſein Amt mit Anfang des Sommerſemeſters und unterrichtete Schüler der Oberklaſſen, in Gruppen zu 4 eingeteilt, bis zum Herbſte; er verließ unſer Gymnaſium, um eine Stelle als surveillant an einem Lycée in Paris zu übernehmen.
Am 14. Mai unternahm die geſamte Anſtalt einen gemeinſchaftlichen Ausflug unter Führung der
Lehrer nach dem Wilhelmſtein im Schelder Wald; er nahm einen in jeder Hinſicht befriedigenden Verlauf. Am 18. Mai verſchied in Kaſſel nach längerer Krankheit unſer hochverehrter Herr Provinzial⸗ ſchulrat Dr. Baier. In Ehrfurcht und aufrichtiger Dankbarkeit wird das Lehrerkollegium ſtets des edlen und gütigen, um das Wohl unſerer Anſtalt wie um das Schulweſen unſerer Provinz hochver⸗ dienten Mannes gedenken. 5
Die Sommerferien dauerten vom 2. Juli bis 3. Auguſt.
Wegen großer Hitze wurde der Unterricht an vier Nachmittagen ausgeſetzt.
Die ſchriftliche Prüfung für den Herbſttermin, der ſich zwei Oberprimaner unterzogen, fand vom 23. bis 26. Auguſt ſtatt. Das Thema des deutſchen Aufſatzes lautete:„Wie gelang es Friedrich dem Großen, Preußen zur Großmacht zu erheben?“ In der mathematiſchen Prüfung waren folgende Auf⸗ gaben vorgelegt:
1. Ein Dreieck zu konſtruieren aus: a— b= d, he,— 6= 9.
2. Die Winkel und die Seite e dieſes Dreiecks zu berechnen für die Werte: d= 91, he ⸗ 156, 6= 30,50.
3. Auf einer geſchloſſenen Bahn von 600 m Länge findet zwiſchen 2 Radfahrern ein Wettfahren über eine Strecke von 30 km ſtatt. A braucht für das Kilometer 3 Sekunden weniger als B, übernimmt deshalb die Führung und überholt B zum erſten Male nach 10 Minuten 38 Sekunden. In welcher Zeit legt jeder die ganze Strecke zurück, wenn beide die bisherige, als gleichförmig angenommene Geſchwindigkeit beibehalten?
4. 2 einer Kugel einbeſchriebene gerade Kegel haben gleiche Grundflächen, und ihre Mäntel ſtehen in dem Verhältnis VY2: 1. Wie verhalten ſich ihre Inhalte zu einander?
Die mündliche Prüfung fand unter dem Vorſitze des Direktors, der als Stellvertreter des Königl. Kommiſſars die Prüfung leitete, am 8. September ſtatt. Die beiden Abiturienten wurden für reif erklärt.


