Jahrgang 
1909
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Schriften, die ein erwachſener reifer Menſch ohne Schaden leſen kann, ſind für die Jugend Gift. Ein wahrhaft gutes Buch iſt ein guter edler Freund, ein oberflächliches, ſeichtes oder gar ſchlechtes ein Verführer ſchlimmſter Art. Nichts tut in unſern Tagen der Jugend mehr not als ſittliche Erziehung, ethiſche Bildung. Solche tiefe wahre Bildung erwirbt man ſich aber nicht durch das Leſen von Schriften mit einſeitigenmodernen Auffaſſungen, die oft neue, noch ſehr zweifelhafte Hypotheſen und Anſchauungen als wiſſenſchaftliche Ergebniſſe hinſtellen, ſondern nur durch langſame, ſtetige, ernſte Denkarbeit, durch gewiſſenhafte Prüfung der einander bekämpfenden Anſichten in reiferem Alter.

4. Ebenſo dringend werden die Eltern erſucht, ihre heranwachſenden Söhne vor übermäßigem Alkohol⸗ und Tabakgenuß zu warnen und davon zurückzuhalten. Dieſe die Nerven unſerer Jugend oft nicht nur ſchädigenden, ſondern geradezu abſtumpfenden und zerſtörenden Gifte unter⸗ graben nicht nur zeitweiſe die Geſundheit, ſondern rauben oft Lebensfriſche und Lebenskraft und damit Lebensglück und Lebenserfolg. Wenn gar körperlich und geiſtig noch ganz unreife Tertianer und Sekundaner Bier und Tabak genießen, ſo wird jede natürliche geſunde Entwicklung gehindert. Jeder vorzeitige Genuß ſchädigt den Menſchen und raubt ihm die Fähigkeit zum wahren rechtzeitigen Genuß, wenn deſſen Zeit gekommen iſt. Vorzeitiger Genuß macht untüchtig zu körperlicher wie geiſtiger Arbeit.

In dieſem Sinne bitte ich alle Angehörigen der Schüler, wenn ihnen deren Wohl am Herzen liegt, dieſen nicht allzureiches Taſchengeld zufließen zu laſſen, das ſie für ſich oder ihre Kameraden zu ſchädlichen Ausgaben verführt. Bei Alkohol und Tabak handelt es ſich weniger um Bekämpfung eines Laſters als um die Beſeitigung einer törichten unter den jungen Leuten herrſchenden und ſie tyranniſierenden Mode, meiſt nicht um wirkliche, ſondern eingebildete Genüſſe, die unreifen jungen Menſchen oft eben nur darum, weil ſie verboten ſind, erſtrebenswert erſcheinen. Der falſche Ehrgeiz, es den keckeren Kameraden gleich zu tun, hat ſchon viele dauernd auf Abwege oder gar zum Scheitern ge bracht. Durch die Sportbeſtrebungen iſt namentlich in den größeren Städten in allen guten Kreiſen Alkohol⸗ und Tabakgenuß in den Hintergrund getreten; ſehr viele junge Leute halten ſich jetzt gerade infolge beſſerer Einſicht von ihnen fern. Solche Einſicht aber läßt ſich bei gutem Willen zum Segen der Jugend immer weiter verbreiten.

Körperliche und geiſtige Geſundheit und Kraft unſerer deutſchen Jugend zu erhalten, iſt eine der ernſteſten und erſten Pflichten des Elternhauſes wie der Schule und liegt im Intereſſe ſowohl des einzelnen wie des Vaterlandes, deſſen Wohl von der Geſundheit, der Kraft und der ver ſtändigen Einſicht ſeiner Bürger abhängt. Sorge für die Geſundheit, Erziehung zu Einfachheit, Natürlichkeit und Sittlichkeit iſt eine ſoziale Pflicht erſten Ranges, und darum ſoll körperliche, geiſtige und ſittliche Hygiene erſtes Ziel der Erziehung ſein. Wenn unſere Schüler gelernt haben, in dieſem Sinne nach Kraft und Geſundheit zu ſtreben, wenn ſie gelernt haben, richtig logiſch zu denken, ſittlich und edel zu empfinden, dann können ſie getroſt in das Leben eintreten; ſie erweiſen ſich dann nicht bei jedem Mißgeſchick und jedem etwa begangenen Fehler als Feiglinge und Schwächlinge, ſondern ſind den Kämpfen des Lebens gewachſen, ſie ſind lebensfriſch und dann auch lebensfroh. Im heranwachſenden Geſchlecht beruht Glück und Ehre des Vaterlandes.

Deutſchland iſt von Gefahren umringt; es braucht Männer, um ihnen ent⸗ gegenzutreten, nicht Lüſtlinge und Schwächlinge.

Wenn Haus und Schule in dieſem Sinne zuſammenwirken, kann der gute Erfolg nicht ausbleiben.

Im Sinne der obigen Bemerkungen erſuche ich alle Familien, die Schüler in ihr Haus auf genommen haben, auf die Erhaltung der Schuldisziplin wie überhaupt der Zucht und Sitte ernſtlich bedacht zu ſein, insbeſondere auch dafür zu ſorgen, daß die Schüler im Sommer nach 9, im Winter nach 8 Uhr abends ohne beſondere Erlaubnis von ſeiten der Schule ihre Wohnung nicht verlaſſen, auch Beſuche anderer Schüler nicht zu geſtatten. Die Schulgeſetze ſind nicht, wie unreife Menſchen meinen, der Schule, ſondern der Schüler ſelbſt wegen da, nicht um ſie ohne Grund einzuſchränken und ihrer Freiheit zu berauben, ſondern um ſie vor gefährlichen Abwegen zu behüten und