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Herr Profeſſor Zülch wurde wegen Krankheit vom 21. Juni ab bis zum 3. Juli beurlaubt. Seine Unterrichtsſtunden wurden in möglichſt zweckmäßiger Weiſe von den Kollegen übernommen.
Wegen großer Hitze mußte der Nachmittagsunterricht am 2., 4., 19. u. 30. Juni ausgeſetzt werden.
Die Sommerferien dauerten vom 4. Juli bis 3. Auguſt.
Am 26. Auguſt beſichtigte im Auftrage des Herrn Miniſters der Oberlehrer an der Königlichen Landesturnanſtalt Herr Türner die Turnhalle und wohnte dem Turnunterricht bei.
Der Sedantag wurde durch eine Schulfeier mit Geſängen, Deklamationen und einem Vortrage des Oberprimaners Fey über die Schlacht bei Sedan feſtlich begangen. Die herkömmliche geſellige Zuſammenkunft konnte wegen ungünſtiger Witterung erſt am 18. September ſtattfinden. Sie nahm unter zahlreicher Beteiligung der Angehörigen der Schüler und der Freunde der Anſtalt in der Garten⸗ wirtſchaft auf dem Schloßberge einen erfreulichen Verlauf.
Die Herbſtferien dauerten vom 27. September bis zum 12. Oktober.
Anſtelle des verſetzten Kuratvikars Weil ward durch Verfügung Königl. Provinzial⸗Schul⸗ kollegiums vom 9. Okt. 1908 der Kuratvikar Görg in Haiger mit der Erteilung des katholiſchen Religionsunterrichtes beauftragt.
Soweit der Bericht des ſtellvertretenden Direktors Herrn Profeſſor Kegel.
Durch Allerhöchſt vollzogene Beſtallung vom 4. Auguſt 1908 geruhten Se. Majeſtät der Kaiſer und König den Oberlehrer am Königl. Wilhelmsgymnaſium zu Caſſel, Prof. Dr. Karl Endemann,“) zum Gymnaſialdirektor zu ernennen; durch Miniſterialreſkript vom 29. Auguſt wurde ihm vom 1. Oktober 1908 an die Direktion des Gymnaſiums zu Dillenburg übertragen.
Am 13. Oktober wurde der neu ernannte Direktor durch Herrn Provinzialſchulrat Dr. Baier, der ihm zugleich die Allerhöchſte Beſtallungs⸗Urkunde einhändigte, feierlich in ſein Amt eingeführt. Der Herr Provinzialſchulrat widmete in ſeiner Anſprache dem nach ſo kurzem Wirken hingeſchiedenen Herrn Direktor Dr. Vomberg warme Worte der Anerkennung und ſprach auch den Dank der vor⸗ geſetzten Behörde Herrn Prof. Kegel für ſeine treue und gewiſſenhafte Amtsführung aus. Dann ſetzte der Direktor in einer Anſprache die Grundſätze auseinander, nach denen er ſein Amt zu führen gedenke. Er hob dabei beſonders hervor, daß es die Aufgabe der höheren Schule, insbeſondere auch des Gymnaſiums ſei, den Schülern neben der wiſſenſchaftlichen eine ſittliche Ausbildung zu Teil werden zu laſſen, die ſie in Stand ſetze, den Weg durch das Leben und ſeine gerade in unſerer Zeit beſonders zahlreichen und vielſeitigen Gefahren hindurch zu finden, um zu Lebensglück und zu Lebenserfolg zu gelangen. Das Erziehungsideal der edelſten Griechen ſei es geweſen, den Knaben zu einem geiſtig und körperlich geſunden„n 2νς ταἀαeένρ⁶ενιauszubilden, der ſich frei mache von der Leidenſchaft und der Herrſchaft der Sinnlichkeit, der in Harmonie leben könne mit ſich, mit den Menſchen und Gott, das Ziel der römiſchen Erziehung hinwiederum, dem Jüngling Kraft des Leibes und der Seele in den Kampf des Lebens mitzugeben, den Grund zu legen zu der unbeugſamen Charakterſtärke, der„constantia“, der wichtigſten und erſten Eigenſchaft des„vir honestus“, des ehrenfeſten und ehrenhaften Mannes. Auch unſerer Schule, fuhr der Vortragende fort, ſei eine ähnliche Aufgabe zu Teil geworden; auch wir haben die uns anvertrauten Knaben zu edlem Menſchentum heranzubilden, ſo zu bilden, daß ſie„dνςρε ²εαο εᷣνααoēõοim Sinne der Hellenen und„viri honesti“ im Sinne der Römer werden können; aber wir haben ſie auch als Kinder des Reiches Gottes zu
*) Karl Endemann, Dr. phil., geb. zu Fronhauſen, Kreis Marburg, am 4 Aug. 1856, beſuchte das Gymnaſium zu Marburg, ſtudierte daſelbſt klaſſiſche Philologie und Geſchichte und beſtand das examen pro facultate docendi am 31. Oktober 1879. Oſtern 1880 nahm er eine ordentliche Lehrerſtelle am Gymnaſium Casimirianum in Koburg an und bekleidete dieſe bis Herbſt 1883. Im Frühjahre 1881 ward er in Marburg zum Dr. philosophiae promoviert. Um in den preußiſchen Staatsdienſt einzutreten, nahm er im Herbſt 1883 eine wiſſenſchaftliche Hilfslehrerſtelle am Friedrichsgymnaſium in Caſſel an und ward Oſtern 1884 zum ordentlichen Lehrer am Königl. Gymnaſium in Hanau ernannt. Im Herbſte 1890 ging er an das Realgymnaſium in Wiesbaden über, 1897 an das Gymnaſium in Weilburg, wo er zum Profeſſor mit dem Range der Räte vierter Klaſſe ernannt wurde. Am 1. Okt. 1904 wurde er an das Wilhelmsgymnaſium in Caſſel verſetzt. Für das Jahr 1907/8 und 1908/9 ward er von dem Herrn Miniſter zum Mitgliede der Königl. Wiſſenſchaftlichen Prüfungskommiſſion an der Univerſität Marburg ernannt.


