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V. Chronik des Gymnaſiums.
Das Schuljahr begann am 27. April mit der Aufnahme⸗Prüfung.
Es brachte wieder tiefe Trauer für die Anſtalt. Am 8. Juni verſchied unerwartet nach kurzem, ſchwerem Leiden Herr Direktor Profeſſor Dr. Vomberg. Schwere Krankheit, die er wenige Jahre vorher glücklich überſtanden hatte, der Tod ſeiner Gattin im April 1907, der Verluſt zweier treuen Freunde, hatten die ſonſt ſo kräftige Natur des edlen Mannes erſchüttert. Sein friſches Weſen und die rüſtige Haltung berechtigten jedoch zu der Hoffnung, daß er durch erfolgreiche Arbeit in ſeinem ihm am Herzen liegenden Berufe allmählich ſeine volle Kraft und Rüſtigkeit zum Segen der Anſtalt wieder gewinnen würde. Vom 26. bis zum 28. Mai hatte er mit einer größeren Anzahl Kollegen. unſeres Gymnaſiums an der Philologen-Verſammlung in Bad⸗Ems anſcheinend in voller Friſche teil⸗ genommen. Wenige Tage darauf, in der Nacht vom 2. auf den 3. Juni, erkrankte er plötzlich, am 8. Juni verſchied er.
Die allgemeine Teilnahme an dem ſchweren Schlage für die verwaiſten Kinder und die große Beteiligung bei ſeiner Beſtattung am 11. Juni legten Zeugnis ab von der Wertſchätzung, deren ſich der Verſtorbene bei ſeiner vorgeſetzten Behörde und bei der ganzen Bevölkerung erfreute. Das Kgl. Provinzial⸗Schulkollegium hatte Herrn Provinzial⸗Schulrat Profeſſor Dr. Baier entſandt, um dem Heimgegangenen die letzte Ehre zu erweiſen. Zu gleichem Zwecke hatten ſich aus der Ferne Freunde und Amtsgenoſſen zahlreich eingefunden.
Das hieſige Lehrerkollegium gab ſeiner teilnehmenden Trauer in folgendem Nachrufe Ausdruck:
„Kaum vor Jahresfriſt übernahm er die Leitung unſerer Anſtalt. In dieſer kurzen Zeit hat er ſich durch ſeine edle, menſchenfreundliche Geſinnung und ſein warmherziges Weſen die Liebe und Verehrung bei Lehrern und Schülern in ſeltenem Maße erworben. Sein ideales Streben und die hohe Auffaſſung ſeines Berufs wirkten anregend und belebend auf die Tätigkeit ſeiner Amtsgenoſſen und ließen eine von friſchem Streben getragene Entwicklung der ganzen Anſtalt erhoffen. Um ſo ſchmerzlicher empfinden wir ſeinen ſo frühen Heimgang. Sein Andenken wird uns unvergeßlich bleiben.“
Eine beſondere Gedächtnisfeier fand in der Aula des Gymnaſiums am 13. Juni ſtatt.
Durch Verfügung des Kgl. Provinzial⸗Schulkollegiums zu Caſſel vom 10.(5.) Juni wurde Profeſſor Kegel mit der einſtweiligen Leitung der Anſtalt und der Verwaltungs⸗Geſchäfte beauftragt.
Am 23. April wurde der Kandidat Wilh. Renz zur Ableiſtung des Probejahres und zugleich als wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer(für wöchentlich 8 St.) überwieſen. Wegen Ableiſtung einer mili⸗ täriſchen Uebung konnte Herr Renz erſt Ende Mai die ihm zugewieſenen Stunden übernehmen. Bis Ende Mai wurden die betreffenden Stunden vom Direktor und einzelnen Kollegen vertretungsweiſe gegeben.
Da der größte Teil des Lehrerkollegiums an der Verſammlung der Philologen der Provinz zu Bad⸗Ems am 27. Mai teilnahm, mußte der geſamte Unterricht am 27. Mai ausgeſetzt werden.
Die Pfingſtferien dauerten vom 6. bis zum 10. Juni.
Herr Profeſſor Dr. Altenburg war zur Teilnahme an dem diesjährigen archäologiſchen Kurſus in Bonn und Trier bis zum 18. Juni beurlaubt.
Am 9. Mai hielt Herr E. Eickhorn aus Düſſeldorf in der Aula einen Vortrag über die deutſchen Kolonien in Afrika unter Vorführung zahlreicher kolonialer Lichtbilder.
Dienstag, den 19. Mai unternahmen die einzelnen Klaſſen unter Führung ihrer Ordinarien Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung des Gymnaſialortes, nach Frankfurt, Laubach, Drachen⸗ fels⸗Köln, Siegen, Greifenſtein-Beilſtein.
Am 5. Mai fand durch eine vom Herrn Miniſter beauftragte Kommiſſion eine Beſichtigung der gegenwärtigen Schulräumlichkeiten ſtatt. Das Ergebnis war, daß ein Neubau unbedingt nötig ſei.
Herr Profeſſor Wagner wurde krankheitshalber vom 11. Juni bis zum 3. Juli beurlaubt. Zur Verſehung ſeines Unterrichts wurde der Probekandidat Herr Fr. Ballauff überwieſen.


