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Auch der Sammeleifer von ſeiten unſerer Schülerinnen erlahmte nicht, wenn auch naturgemäß die Ergebniſſe nicht mit denen des Vorjahres gleichen Schritt halten konnten. So wurde die zu Ende des vorigen Schuljahres eingeleitete Sammlung entbehrlicher Gold⸗ und Silberſachen zu Gunſten der National⸗ ſtiftung„Vaterlandsdank“ erfolgreich fortgeſetzt. Nach wie vor konnte gemünztes Gold, wenn auch in kleineren Beträgen, der Reichsbank zugeführt werden. Für die fünfte Kriegsanleihe zeichneten unſere Schülerinnen durch die Vermittelung der Schule 12 291 Mk. Die Einlagen in die in den einzelnen Klaſſenzimmern aufgeſtellten Sammelbüchſen für den„Kriegspfennig der deutſchen Jugend“ lieferten allmonatlich nicht unerhebliche Beträge, aus denen unter anderem 40 Mk. für die deutſchen Kriegs⸗ gefangenen bereit geſtellt und in einer Reihe von Einzelfällen Unterſtützungen an Bedürftige gegeben wurden (286 Mk.). Daneben hatten es die Schülerinnen der Studienanſtalt, des Lehrerinnenſeminars und der 1. Schulklaſſe übernommen, für 6 durch den Krieg in Not geratene Familien die Miete aufzubringen (117 Mk.). Auch der Anregung des Roten Kreuzes zur Sammlung von Büchern und Zeitſchriften zur Unterhaltung und Belehrung unſerer Feldgrauen blieb der Erfolg nicht verſagt. 521 Bücher und Zeit⸗ ſchriften konnten wir an die Sammelſtelle abführen. Um die in den ausgedehnten Waldungen unſerer Stadt lagernden Schätze an ölhaltigen Waldfrüchten zu bergen, wurde an 3 Tagen zum Sammeln der Bucheckern der Vormittagsunterricht ausgeſetzt. Leider ſetzte die bald eintretende ſchlechte Witterung der weiteren Sammeltätigkeit ein Ziel. Immerhin konnte als Erlös aus dem Verkauf der geſammelten Olfrüchte etwa 150 Mk. für Kriegsfürſorgezwecke bereitgeſtellt werden.
Wiederum blieb es unſerem Handarbeitsunterricht vorbehalten, beſonders reichen Segen zu ſtiften. Von einer beſonderen Kriegshandarbeitsſtunde war diesmal abgeſehen worden, dagegen wurden die lehr⸗ planmäßigen Handarbeitsſtunden den Bedürfniſſen der Kriegszeit angepaßt. So konnte eine ſtattliche Zahl ſelbſtgefertigter Gegenſtände in Geſtalt von Jäckchen, Lätzchen, Hemdchen, Häubchen, Mundtüchern, Jacken, Unterröckchen und Hauben in das Eleonorenheim, die Kinderkrippe, das Braunshardter Kinder⸗ heim und in die Großh. Zentralſtelle für Säuglings⸗ und Mutterſchutz wandern. Von den Schüle⸗ rinnen der Unterklaſſen wurden wiederum Wundfäden gezupft und außerdem Waſchlappen, Binden und einige Körbe voll ſelbſtgefertigten Chriſtbaumſchmucks in die Lazarette abgeliefert. Die löbliche Ge⸗ pflogenheit aus dem Vorjahre, armen Kindern eine Weihnachtsfreude zu bereiten, konnte auch dies⸗ mal beibehalten werden, dank der reichen Beiſteuer an Geld, getragenen Kleidern, Wäſche und Spiel⸗ ſachen von ſeiten der Eltern unſerer Schülerinnen. In einigen freiwilligen Handarbeitsſtunden wurden dann die gelieferten Sachen ausgebeſſert und hergerichtet, während ſchwierigere Flickereien und die An⸗ fertigung von neuen Sachen bei Heimarbeiterinnen in Arbeit gegeben wurden. So waren wir, als der Tag der Beſcherung herankam, in der Lage, 53 Kinder— größtenteils Kriegerkinder— unter dem Weihnachtsbaum zu verſammeln, mit ſchönen und praktiſchen Kleidungsſtücken auszuſtatten und mit Spielſachen aller Art zu erfreuen. Daß aber dieſe Veranſtaltung in ſolchem Ausmaße vor ſich gehen konnte, verdanken wir der Gebefreudigkeit der Eltern unſerer Schülerinnen. Es iſt uns daher ein Bedürfnis, an dieſer Stelle noch einmal herzlich zu danken für die Bereitwilligkeit, mit der jeder An⸗ regung von unſerer Seite ſtattgegeben wurde. Auch hier floſſen die Gaben ſo reichlich, daß ein Teil als Grundſtock für die nächſte Beſcherung zurückbehalten werden konnte.
Unſer Schülerinnenorcheſter wollte in dieſem edlen Wettſtreit im Dienſte der Wohltätigkeit nicht zurückſtehen und trat unter Leitung ſeines Dirigenten, des Oberlehrers Schuchmann, zweimal an die Offentlichkeit: am 22. Oktober in einem Kirchenkonzert zu Reinheim zum Beſten der Kriegsfürſorge, wobei unſere Geſanglehrerin Frl. Walther als Soliſtin mitwirkte, und ferner gelegentlich eines Kirchen⸗ konzerts in der Stadtkapelle zu Darmſtadt zum Beſten der Kleinkinderſchule.
Geſundheitsverhältniſſe, Sterbefälle. Die Geſundheitsverhältniſſe der Lehrenden waren nicht eben günſtig. Vorübergehende Erkrankungen machten wiederholt kürzere oder längere Vertretungen not⸗ wendig. Was dagegen die geſundheitlichen Verhältniſſe der Schülerinnen angeht, ſo können ſie in An⸗ betracht der Zeitverhältniſſe als nicht ungünſtig bezeichnet werden. Wohl iſt der nachteilige Einfluß der gegenwärtigen Ernährungsſchwierigkeiten, beſonders bei ſchwächlichen Kindern, nicht zu verkennen, dennoch wird das im ganzen günſtige Bild dadurch nicht weſentlich beeinträchtigt.
Leider hatten wir auch den Tod zweier lieber Schülerinnen zu beklagen. Im Juni 1916 ver⸗ ſtarben nach längerem Leiden die Schülerinnen Eliſabeth Helfenbein Klaſſe IXb und Paula Michel Klaſſe IVb. Am 13. Mai verſchied ferner der frühere langjährige Lehrer an unſerer Anſtalt Wilhelm Weinemann. Im Namen des Kollegiums legte der Direktor einen Kranz am Grabe des Entſchlafenen nieder.


