Jahrgang 
1917
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leider genötigt, zur Wiederherſtellung ſeiner angegriffenen Geſundheit einen mehrwöchigen Urlaub ein⸗ zureichen. Möge er nach Ablauf dieſer Friſt neugeſtärkt in ſeiner Geſundheit in gewohnter Rüſtigkeit und Arbeitsfreude zu uns zurückkehren. In dieſem herzlichen Wunſche vereinigen ſich die Lehrenden und die Schülerinnen der Anſtalt. Während Prof. Dr. Roller für den beurlaubten Direktor neuer⸗ dings vier wöchentliche Pädagogikſtunden in der Seminaroberprima übernahm, wurde Prof. Vogt mit der Führung der Dienſtgeſchäfte betraut.

Mit dem Ablauf des Schuljahrs ſcheidet auch die hochverdiente Lehrerin Frl. Luiſe von Plönnies aus dem Verbande der Anſtalt aus, nachdem nunmehr ihrem Geſuch um Verſetzung in den Ruheſtand unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienſte mit Wirkung vom 1. April 1917 ſtattgegeben wurde. Möge der verdienſtvollen Lehrerin nach mehr als dreißigjährigem, reichgeſegnetem Wirken ein angenehmer Lebensabend beſchieden ſein. Die Schule, der ihre Lebensarbeit galt, und die Schülerinnen, denen ſie ſoviel geweſen, ſchulden der Scheidenden unauslöſchliche Dankbarkeit.

Von den im Felde ſtehenden Mitgliedern des Kollegiums wurde Lehramtsaſſeſſor Finkenwirth im Frühjahr 1916 zum Leutnant befördert. Oberlehrer Dreſcher, der nach ſeiner Beförderung zum Leutnant in dem blutigen Ringen an der Strypa das Eiſerne Kreuz II. Klaſſe erwarb, wurde im Ver⸗ lauf dieſer Kämpfe im Juni 1916 verwundet. Nach ſeiner Wiederherſtellung in den Lazaretten von Nürnberg und Darmſtadt erhielt er bis zur Wiedererlangung der vollen Felddienſtfähigkeit im Etappen⸗ gebiet des weſtlichen Kriegsſchauplatzes militäriſche Verwendung.

5.0 allgemeine Ehrenzeichen für Kriegsverdienſte wurde verliehen dem Direktor und Profeſſor r. Kunz.

Beſichtigungen, Prüfungen, Schulfeſte. Am 27. Juni beehrte Herr Geh. Oberſchulrat Block die Anſtalt mit ſeinem Beſuch und wohnte dem Unterricht in einigen Klaſſen bei.

Die Fachprüfung der Anwärterinnen für das Lehramt an Höheren Mädchenſchulen, zu der alle 19 Schülerinnen der P⸗Klaſſe zugelaſſen werden konnten, begann am 5. Januar 1917 mit der päda⸗ gogiſchen Hausarbeit. Die hierbei zur Wahl geſtellten Themata lauteten:Geſundheitslehre als Unter⸗ richtsfach am Ende des 18. Jahrhunderts. Die geiſtige Ermüdung, ihre Bedeutung für den Unter⸗ richt und die Methoden ihrer Meſſung. Infolge der Kälteferien mußte in dieſem Jahre von der Abhaltung der ausgearbeiteten Lehrproben abgeſehen werden. In der mündlichen Prüfung vom 14. Februar konnten ſämtliche Prüflinge als beſtanden erklärt werden; 10 waren von der mündlichen Prüfung befreit.

Die wiſſenſchaftliche Abſchlußprüfung der Seminaroberprima, deren ſchriftlicher Teil in der Zeit vom 22. 25. Januar erledigt wurde, fand am 5. Februar ſtatt mit dem Ergebnis, daß die 16 ſämtlich zur Prüfung zugelaſſenen Schülerinnen dieſer Klaſſe beſtanden, während 11 ganz von der mündlichen Prüfung befreit werden konnten. Marie Schäfer wurde der Preis zuerkannt.

Bei beiden Prüfungen führte Herr Geh. Oberſchulrat Block als Regierungsvertreter den Vorſitz.

Die diesjährige Reifeprüfung der Studienanſtalt wurde am 31. Januar 1917 unter dem Vorſitz des Direktors abgehalten, nachdem die ſchriftliche Prüfung in der Zeit vom 22. 26. Januar ſtatt⸗ gefunden hatte. Von den 14 Schülerinnen der Oberprima waren 9 vom Mündlichen befreit. Sämt⸗ lichen Prüflingen konnte das Zeugnis der Reife zuerkannt werden. Mit dem Preis wurden ausge⸗ zeichnet die Abiturientinnen: Bertha Schäfer, Emmi Weimar und Margarethe Wickop.

Das Wiegenfeſt unſres Landesherrn, der Geburtstag S. M. des deutſchen Kaiſers, die Jubi⸗ läumsfeier des Regierungsantritts S. K. Hoheit des Großherzogs wurden in beſonderen Klaſſenfeiern feſtlich begangen. Eine für das Ende des Schuljahrs vorgeſehene öffentliche Schulfeier mußte infolge des Raummangels und des Heizverbotes leider ausfallen. Die Höhepunkte in dem ehernen Gang der Kriegsereigniſſe, der Sieg der deutſchen Hochſeeflotte vor dem Skagerrak und die Einnahme von Bukareſt durch die verbündeten Heere, wurden durch Ausſetzen des Unterrichts am 5. Juni und am 7. Dezember gefeiert, nachdem der Direktor jedesmal in einer Anſprache an die in der Turnhalle verſammelten Klaſſen auf die Bedeutung des Tages hingewieſen hatte.

Kriegsfürſorge. Mit löblichem Eifer haben ſich auch in dieſem Jahre unſere Schülerinnen in den Dienſt der vaterländiſchen Sache geſtellt oder wenigſtens einen Teil ihrer Spargroſchen für die Zwecke der Kriegsfürſorge hingegeben. So beteiligten ſich die Schülerinnen der Oberklaſſen an Opfertagen bei Hausſammlungen oder unterſtützten ihre Lehrer und Lehrerinnen bei Beſtandsaufnahmen. Ferner wurden Schreibarbeiten für die Stadtverwaltung unter Anleitung und Aufſicht der Klaſſenführer von den Oberklaſſen ausgeſührt, wobei ſich mancher intereſſante Einblick in die ſozialen Verhältniſſe unſeres kämpfen⸗ den Volkes tun ließ.