Herr Direktor Geheimer Schulrat Dr. Landmann war gesundheitshalber vom I11. Mai 1908 bis
Ostern 1909 beurlaubt und wurde durch die Herren Oberlehrer Professor Dr. Röll und Pro- fessor Thylmann vertreten. Die Pädagogikstunden übernahm Herr Oberlehrer Lic. Herrmann.
Am 1. November erhielt Herr Oberlehrer Bock den Charakter als Professor.
Herr Oberlehrer Professor Thylmann mußte wegen Scharlachs in der Familie vom 10. No- vember bis 21. Dezember der Schule fernbleiben.
Eine neue Oberlehrerstelle wurde gegen Ende des Jahres 1908 bewilligt. Sie wurde durch Allerhöchstes Dekret vom 9. Januar dem Oberlehrer Hermann Sandmanni), seither am Groß- herzoglichen Gymnasium Fridericianum zu Laubach, übertragen.
Am 2. Juli, 17. und 20: November beehrte Herr Geheimerat Dr. Eisenhuth die Schule mit seinem Besuche und wohnte dem Unterricht in verschiedenen Klassen bei.
Am 20. November früh brachte der donnernde Gruß der Geschütze den Bewohnern unserer Haupt- und Residenzstadt die frohe Kunde, daß unserem Lande ein zweiter Prinz geboren sei. Die Schule wurde bei der überall herrschenden Freude zu Ehren dieses freudigen Ereignisses ausgesetzt.
Die Feier des Geburtstags Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs fand Mittwoch den 25. November statt. Zur Aufführung gelangte die Komposition des 21. Psalms von unserem Gesanglehrer Herrn Hofkonzertmeister Petr. Herr Professor Bock hielt die Festrede über die Geschichte des Darmstädter botanischen Gartens. Herr Reallehrer Fuchs war an diesem Tage durch die Verleihung des Ritterkreuzes II. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ausgezeichnet worden.
Kaisers Geburtstag wurde Mittwoch den 27. Januar durch Aufführung von Schillers Glocke von Brede festlich begangen.
Am 17. November starb Frieda Schreiner, Schülerin der Klasse IIIa, tief betrauert von Lehrerkollegium und Mitschülerinnen.
Zu der diesjährigen Lehrerinnenprüfung hatten sich aus den beiden Kursen unserer ersten Seminarklasse sämtliche 47 Schülerinnen gemeldet; eine derselben konnte infolge von Erkrankung der mündlichen Prüfung nicht beiwohnen und wird nachgeprüft werden. Die schriftliche Prüfung fand vom 8.—11. Februar, die Turnprüfung am 20. Februar, die Zeichenprüfung am 22. Februar, die Lehrproben am 27. Februar und die mündliche Prüfung am 8. und 9. März statt.
Von den Prüflingen bestanden:
5 mit der Note I sehr gut,
24 mit der Note II gut,
17 mit der Note III genügend, und zwar:
Frl. Pauline Andre aus Darmstadt Frl. Karoline Geiger aus Bensheim „ JIohanna Chelius„„„ Johanna Heck„ Friedberg „ Adelaide Cretius„ 5,„ Emilie Herrlinger„ Darmstadt „ Josephine Däffner„ Frankfurt a. M.„ Hedwig Holschuh„„
„ Anna Eckhard„ Darmstadt„ Fanny Jacobsohn„„
„ Auguste Flimm„,„„ Katharina Kauffmann„ Frankfurt a. M. „ Marie Fresenius„„„ Emilie Kaus„ Darmstadt
„ Ottilie Frieß„ Lauterbach„ Amalie Klein„,„
„ Marie Frölich„ Darmstadt„ Luise Kuhne„ Gieben
„ Helene Garth 8„„ Luise Lahr„ Alzey
„ Sophie Gathmann„„„ Friederike Langstroff„ Bensheim
¹) Hermann Sandmann, evangelisch, wurde am 14. September 1880 zu Alsfeld in Oberhessen geboren. Er besuchte die Realschule in Butzbach, die Gymnasien in Büdingen und Gießen, wo er im Frühjahr 1898 die Reifeprüfung bestand. Im Sommer 1898 bezog er die Universität Gießen, um Rechtswissenschaft zu studieren. Herbst 1898 ging er zum Studium der Naturwissenschaften und der Mathematik über, das er im Sommer 1900 an der Universität Kiel fortsetzte; im W.-S. 1900 kehrte er wieder an die Landesuniversität zurück. Sommer 1902 bestand er die Prüfung für das höhere Lehramt und trat dann als Akzessist in das pädagogische Seminar am Gym- nasium in Gießen ein. Am 1. Oktober 1903 wurde ihm durch Verfügung Großh. Ministeriums des Innern die provi- sorische Verwaltung einer Lehrerstelle am Großh. Gymnasium Fridericianum zu Laubach übertragen, am 1. Oktober 1904 wurde er zum Lehramtsassessor und am 1. April 1906 zum Oberlehrer ernannt. 3


