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des Kuratoriums sollen in Zukunſt nicht mehr als 25 Schülerinnen in eine Seminarklasse aufge- nommen werden. Der Zudrang war so groß, daß von Ostern 1908 an sechs Seminarklassen (rab, zab, zZab) eingerichtet wurden.
Am I. Juni starb der frühere Lehrer an der Viktoriaschule P. Förmes, dessen Gedächtnis die Schule durch Beteiligung an der Leichenfeier und durch Niederlegung eines Kranzes an dem Grabe ehrte.
Am 14. April starb die Schülerin der Klasse IIIb Marie Weimar und am 27. Dezember die Schülerin der Klasse VIIc Helene Schütz, beide tief betrauert von Lehrern und Schülerinnen.
Die Entlassung der Ostern 1907 austretenden Schülerinnen erfolgte am 19. März, wobei Herr Oberlehrer Lic. Herrmann ernste Worte des Abschieds sprach und der Direktor die Prämien aus der Ritsert-, Lichthammer- und Schulrat Dr. Wagner-Stiftung austeilte.
Am I1. April schloß der Unterricht nach der 2. Stunde. Die Anmeldungen für das neue Schuljahr 1908/[09 wurden an diesem Tage in der Viktoriaschule von 10—1 Uhr entgegen- genommen.
1908/09.
Der Unterricht im neuen Schuljahre begann am 27. April 1908 in den 31 Klassen der Viktoriaschule und des Seminars. Im Schulhause in der Heinrichsstraße befanden sich die 4 Klassen IIIc, VIIIc, IXb, Xb. Der Anfangsbestand an Schülerinnen in Schule und Seminar belief sich auf 923 gegen 916 im Vorjahr. Dazu kommen noch 106 Schülerinnen der vormals Reineckschen Schule, so daß die Gesamtzahl der Schülerinnen zu Anfang des Schuljahrs 1029 betrug. Die Aufnahmeprüfung für die 3. Klasse des Seminars fand am 29. April statt, diejenige für die Schule vom 27.— 30. April. In die beiden Unterklassen des Seminars za und 3b wurden nach dem oben erwähnten Beschluß des Kuratoriums nur je 25 Schülerinnen aufgenommen.
Für die drei nach langjährigem Wirken Ostern 1908 aus dem Lehrkörper scheidenden Kollegen Fräulein Wilhelmine von Zabern, Fräulein Maria Mootz und Herrn Reallehrer Hartmann wurden die Schulverwalterinnen Fräulein Elisabeth Nick¹) und Fräulein Wally von Zedlitz und Neukirch²) sowie Herr Reallehrer Johannes Haster) angestellt.
Am 14. März wurde Herr Pfarrer Kunkel) als Oberlehrer an der Viktoriaschule angestellt.
Die scheidenden Amtsgenossen wurden am 19. August durch eine Abschiedsfeier auf dem Oberwaldhaus geehrt, an der auch frühere Lehrende der Viktoriaschule teilnahmen.
Lehrerin Fräulein Krüger war vom I1. April bis 15. August zum Zwecke weiterer Aus- bildung in der englischen Sprache beurlaubt und wurde während dieser Zeit von Fräulein Klara Hauff vertreten.
¹) Elisabeth Nick, geboren am 2z. November 1878 zu Darmstadt, besuchte die Viktoriaschule und das Lehrerinnenseminar und bestand Ostern 1897 die Staatsprüfung. Zu ihrer weiteren Ausbildung hielt sie sich ein Jahr in Lausanne auf und war dann zwei Jahre Erzieherin in Erbach i. O. Von Dezember 1901 bis Ostern 1902 war sie als Schulverwalterin in Griesheim tätig, dann in gleicher Eigenschaft an der Stadt-Mädchenschule und Mädchen-Mittelschule I zu Darmstadt. Ostern 1908 wurde sie an die Viktoriaschule versetzt.
²) Wally von Zedlitz und Neukirch, geboren am 1. April 1887 zu Hofgeismar bei Kassel, besuchte die Schule zu Hoſgeismar und von Herbst 1901 ab die Viktoriaschule und das Lehrerinnenseminar zu Darmstadt. Ostern 1907 bestand sie die Staatsprüfung. Nachdem sie ein Jahr als Lehrerin am Hofmännischen Institut zu Darm- stadt tätig war, wurde sie seit Ostern 1908 als Vertreterin an der Viktoriaschule verwendet.
³) Johannes Haster, geboren am 16. Mai 1880 zu Ober-Flörsheim im Kreise Worms, besuchte die Volks- schule seines Heimatortes und erhielt seine berufliche Ausbildung von 1896— 99 in dem kehrerseminar zu Alzey. Dienstliche Verwendung fand er als Schulverwalter zu Ulfa, Kreis Schotten, Nauheim, Kreis Groß-Gerau, Pfungstadt, Kreis Darmstadt, und zuletzt an der Volksschule zu Darmstadt. Am 6. April 1907 wurde er definitiv angestellt und wirkt seit Frühjahr 1908 an der Viktoriaschule.
4) Friedrich Kunkel, geboren am 24. Oktober 1870 zu Rockenberg in Oberhessen, besuchte die Höhere Bürgerschule zu Butzbach, die Realschule zu Friedberg, das Tucwig-Ceorgs⸗Gymmädium in Darmstadt. Er studierte in Gießen Theologie, Philosophie und Geschichte und bestand im Herbst 1804 sein theologisches Fakultätsexamen. Nach dem Besuch des Predigerseminars zu Friedberg legte er im Frühjahr 1896 seine Staatsprüfung ab und wurde am 4. April desselben Jahres zum Assistenten des evang. Pfarramtes Darmstadt ernannt. Am 26. Oktober 1898 als Pfarrverwalter nach Fürth i. O. versetzt, wurde ihm die Pfarrstelle daselbst am 24. März 1900 übertragen. Mit Be- ginn des Schuljahres 1907/08 wurde er mit der provisorischen Verwaltung einer Lehrerstelle an der Viktoriaschule und dem Lehrerinnenseminar zu Darmstadt beauftragt und am 14. März 1908 zum Oberlehrer an dieser Anstalt ernannt.


