A. Schulbericht der Viktoriaschule und des Lehrerinnen- seminars über die Schuljahre 1905/06 und 1906/07.
1905/06.
Das Schuljahr 19005/06 begann für Schule und Seminar Montag den 1. Mai um ½ 8 bezw. ½ 0 Uhr, nachdem die Anmeldungen für das Seminar am I. April, die für die Schule am 12. April 1905 entgegengenommen worden waren. Infolge der starken Zunahme mußten für die 3 neugebildeten Kklassen Seminar 3 b, Schulklasse IIIc und VIc Singsaal, Sammlungszimmer für Physik und Bibliothekszimmer als Klassenzimmer hergerichtet werden; dieselben wurden bis Herbst 1005 von Klasse S. 3 b, IIIb und IIIc benutzt, wo alsdann 3 Klassen. IIIb, IX b, Xb in das von der Stadt angekaufte Haus Heinrichstraße Nr. 101 verlegt werden konnten. Die 28 Klassen verteilten sich Ostern 1005 folgendermaßen: Seminar: 1, 2, Zab; Schule: lab, Ilab, IIIabc, IVabc, Vabc, VIabc, VIIab, VIII ab, IXab, Xab, sodaß in 4 Klassen 3 Parallelklassen bestanden. Die Schülerinnenzahl belief sich in Schule und Seminar bei Beginn auf 863(Vorjahr 821). Näheres s. Statistik S. 21.
Eine weitere akademische Lehrkraft zu gewinnen, gelang nicht, doch traten folgende neue Lehrkräfte in die Schule ein: Herr Lehrer Ph. Nehrbaß, der schon von Ostern 1809 bis Ostern 1000 erfolgreich als Schulverwalter bei uns ¹) tätig gewesen, ferner Herr Schulver- walter W. Zimmermann“) und als Schulverwalterin Fräulein E. Morell?¹); von ihnen über- nahm Herr Nehrbaß Klasse VIIb, Herr Zimmermann Klasse VIIIb und Frl. Morell Klasse IX b. Für Frl. Kraft, die vom 1. Mai bis 1. juli aus Gesundheitsrücksichten beurlaubt war, trat für diese Zeit die Schulverwalterin Frl. E. Dittmar“¹) in Klasse Vb ein.
Die Aufnahmeprüfung für die dritte Klasse des Seminars fand am 3. Mai statt. Am 9. Mai 1905 wurde der Tag, an dem Schiller vor 100 Jahren gestorben, festlich durch eine Schulfeier begangen. Herr Oberlehrer Prof. Dr. Helmsdörfer hielt die Festrede, nachdem eine von Herrn Prof. Keil gedichtete Widmung die Feier eingeleitet hatte. Darauf folgten ent- sprechende Vorträge der Schülerinnen des Seminars und der Schule.
¹) Lebenslauf s. Jahresbericht 1800/1900, S. 3, Anm. † ††.
²) Lebenslauf: Wilhelm Zimmermann, geboren am 24. Dezember 1877 zu Frei-Laubersheim, Kreis Alzey, besuchte die Volksschule und dann die Pràparandenanstalt zu Wollstein und das Lehrerseminar zu Alzey bis Ostern 1897. Nachdem er in Mainz eine Privatstelle bekleidet hatte, wurde er an der Volksschule zu Bingen am Rhein angestellt. Im Herbste 1901 kam er als Schulverwalter nach Darmstadt. Seit Ostern 1905 ist er an der Viktoriaschule verwendet.
³) Lebenslauf: Elsa Morell, geboren am 27. März 1879 als die Tochter des Fabrikanten Gustav Morell zu Werther i. Westf., besuchte die Hôhere Mädchenschule zu Mühlhausen i. Thür., dann das Lehrerinnenseminar zu Darmstadt, bestand Ostern 1897 das Examen für das hôhere Lehrfach, war von Ostern 1899 bis August 1900 in Frankreich und bestand nach Besuch des„lycée de jeunes filles“ zu Alais(Gard) das„examen de fin d'études secondaires“.— Von Herbst 19000 bis Ostern 1005 war sie als Erzieherin in einer englischen Familie teils in ltalien(Rom), teils in England, mit Unterbrechung des Jahres 1903— 1904, wo sie am Hoffmännischen Institut als Lehrerin tätig war. Seit 1. Mai 1905 ist sie als Schulverwalterin an der Viktoriaschule zu Darmstadt angestellt.
4) Lebenslauf: Else Dittmar, geboren am 4. Dezember 1876, besuchte von Herbst 1883 ab das Hoff- männische Institut, später die Viktoriaschule und das Lehrerinnenseminar zu Darmstadt und bestand Ostern 1895 die Staatsprüfung. Zu ihrer weiteren Ausbildung war sie im Jahre 1001 drei Monate in Paris und im Jahre 1903 vier Monate in London. Vom 17. Mai bis 5. Juli 1902 und vom 1. Mai bis 1. Juli 1905 war sie mit Vertretungen an der Viktoriaschule beauftragt. Von Ostern 1904 bis Ostern 1005 bekleidete sie eine Lehrerinnenstelle an der Reineckschen Privatschule und übernahm im Winterhalbjahr 1905 eine Vertretung an der gleichen Anstalt. Seit Ostern 1906 ist sie Schulverwalterin an der vormals Reineckschen Schule.


