— 5—
„g 4. Zu der Prüfung werden nur solche Bewerberinnen zugelassen, welche bis zum 30. September des Jahres, in dem die Prüfung stattfindet, das neunzehnte Lebensjahr zurücklegen.
§ 8. Die schriftliche Prüfung umfaßt die Ausarbeitung:
1. eines deutschen Aufsatzes,„
2. einer freien französischen Arbeit oder einer Übersetzung aus dem Deutschen ins Französische,
z. einer freien englischen Arbeit oder einer Obersetzung aus dem Deutschen ins Englische,
4. die Beantwortung von Fragen aus dem Gebiete der Geschichte, der Geographie und der Naturwissen-
schaft und die Lösung einiger Rechenaufgaben. 12. Die praktische Prüfung(Lehrproben) wird in den unteren und mittleren Klassen einer höheren Mädchenschule abgelegt.
Die Aufgaben werden auf Vorschlag der Mitglieder der Kommission von dem Vorsitzenden bestimmt und den Bewerberinnen spätestens 24 Stunden vor dem für die Ablegung der Lehrproben bestimmten Termine ge- geben. Für jeden Gegenstand ist eine schriſtlich ausgearbeitete Disposition einzureichen.
§ 13. Maß der Anſorderungen in den einzelnen Gegenständen. 10) Im Turnen. Einsicht in die Methode des Turnunterrichts, Bekanntschaft mit den wesentlichsten Lehrmitteln für denselben, Kenntnis der wichtigsten Bewegungsspiele. Befähigung zur Ertheilung des Turnunterrichts in den unteren und mittleren Klassen der höheren Mädchenschule.
Unter besonderen Umständen kann die oberste Schulbehörde von der Prüfung im Turnen dispensieren.
§ 14. Außerdem ist Fertigkeit im Zeichnen, sowie Einsicht in die Methode des Zeichenunterrichts und Bekanntschaft mit seinen wichtigsten Lehrmitteln nachzuweisen.
§ 15. Die Leistungen der Bewerberinnen werden nach dem Ergebnis der Prüfung und auf Grund der für die einzelnen Prüfungsgegenstände ertheilten Noten in einer Gesamtnote mit den Prädikaten„sehr gut, gut, genügend oder ungenugend'“ ausgedrückt.—— In dem Zeugnisse werden sowohl die Gesamtnote, als die Noten über die einzelnen Prüfungsgegenstände angegeben.«
Das Schuljahr schlob am 4. April 1900.
1900/01.
Das Schuljahr 1900/1 begann am 23. April mit der Entgegennahme der Anmeldungen. Dieselben waren so zahlreich, daß die Anfangszahl aller Schülerinnen in den drei Klassen des Seminars 1— 3 und in den 20 Schulklassen Ia— Xb 729 betrug, was einen weiteren Zuwachs von 60 Schülerinnen gegen das Vorjahr(669) bedeutet. Während des Schuljahres bis zum 1. Februar traten ein 46 Schülerinnen, aus 41 Schülerinnen, so daß am I. Februar ein Bestand von 735 Schülerinnen verbleibt und die Gesamtzahl 775(Vorjahr 709) Schülerinnen betrug.*)
Der Unterricht begann am 24. April. Trotz der Vermehrung der Schülerinnenzahl konnte durch Zusammenlegung der im Vorjahr getrennten Seminarklassen za und zb in Klasse I die Anstellung einer weiteren Lehrkraft vermieden werden, doch erlitt das Kollegium fol- gende Anderungen: Fräulein TExroR, die der Viktoriaschule seit dem Jahre 1881 ihre ver- dienstvolle Thätigkeit gewidmet, fühlte sich schon längere Zeit so angegriffen und leidend, daß sie nur mit äuſ'erster Kraftanstrengung den schweren Anforderungen ihres Berufes nach-— kommen konnte. Sie wurde auf ihr Nachsuchen unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste nach vorausgegangener Beurlaubung mit Wirkung vom 5. Mai 1900 in den Ruhe- stand versetzt. Wir wünschen ihr von Herzen, es möge die Verminderung der Arbeitslast ihre Gesundheit kräftigen, damit sie die Ruhe nach ihrer arbeitsreichen Thätigkeit noch recht lange genießen könne.
Durch Dekret vom 5. Mai 1900 wurde Fräulein KAROLINE LlPs**) zur Lehrerin an der Viktoriaschule ernannt; dieselbe wurde am 19. Mai in den Dienst eingewiesen und übernahm der Hauptsache nach zunächst den von Fräulein TExrox erteilten Unterricht im Englischen.
Mit Beginn des Schuljahres wurde durch Dekret vom 19. April Herr Schulverwalter NEHRBAsSS an die hiesige Mittelschule für Knaben versetzt, wogegen durch Dekret vom 23. April Herr Lehrer BALTHASAR SANN***), bisher an der Knabenschule II dahier, an die Viktoriaschule berufen wurde; er übernahm Klasse VIb.
*) Siehe Statistik ff. Seiten, D.
**) Lebenslauf: KAROLINE LlpPs, geboren zu Gießen am 18. Dezember 1862, erhielt ihre Vorbildung in den In- stituten Reineck und Lanz zu Darmstadt. Nach zweijährigem Besuch des Lehrerinnenseminars daselbst und nach Ab- legung der vorgeschriebenen Prüfung im März 1881 war sie von Oktober 1881 bis April 1884 am Institut Kirschbaum als Schul- und Hauslehrerin thätig. Dann bekleidete sie beinahe zwölf Jahre lang, bis Ende 1895 die Stelle der Erzieherin in einer englischen Familie in South Wales, England. Auf ministerielle Verfügung wurde sie hierauf am I1. April 1896 an der Hôheren Mädchenschule zu Mainz zuerst provisorisch und am 1. Januar 1898 definitiv angestellt, von wo sie durch Dekret Großherzoglichen Ministeriums des Innern, Ab- teilung für Schulangelegenheiten, vom 5. Mai 1900 an die Viktoriaschule berufen wurde.
***) Lebenslauf: BALTHASAR SANN, geboren zu Holzheim bei Gießen im Jahre 1862, besuchte die Präparanden- schule zu Lich und alsdann von 1878— 1881 das Lehrerseminar zu Friedberg. Im Frühjahr 1881 wurde er zum Schulver- walter an der Stadtknabenschule II zu Darmstadt ernannt, bestand 188 3 die Staatsprüfung, gelangte 1889 zur definitiven
Anstellung und verblieb an genannter Lehranstalt bis zu seiner Versetzung an die Viktoriaschule durch Dekret Großherzoglichen Ministeriums vom 12. April 1900, mit Wirkung vom Beginn des neuen Schuljahres an.


