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Montag den 28. Mai fiel der Unterricht infolge der Beisetzung Seiner Großherzoglichen Hoheit des hochseligen Prinzen WiHELM VvON HEsSsEN aus, welcher das Kollegium auf der Rosenhöhe beiwohnte.
Vom z30. Juni bis 25. Juli war Fräulein REH beurlaubt, um an einem Ferienkursus in Orford teilzunehmen. Sie wurde zunächst durch das Kollegium und einige Seminaristinnen der Klasse 1 vertreten. Da sie bei ihrer Rückkehr erkrankte und diese Erkrankung sich un-— erwartet in die Länge zog, wurden die von ihr erteilten Stunden Fräulein MörLENHoOPF und Fräulein WuLckow übertragen, bis Fräulein REHl am 4. Dezember ihren Unterricht wieder übernehmen konnte. Im Mai dieses Jahres konnte Fräulein Moorz, herzlich beglückwünscht von Kollegen und Kolleginnen, den Tag feiern, an dem sie vor 25 Jahren in die Schule als Leh- rerin eingetreten war. Die provisorisch angestellten Lehrerinnen Fräulein KkAFr und Fräulein FRIEDRICH wurden mit Wirkung vom 1. August 1900 zu Lehrerinnen an der Viktoriaschule ernannt.
Vom 10.— 22. September war Fräulein NörNER, vom 20. September bis 20. Oktober der Direktor aus Gesundheitsrücksichten beurlaubt.
Donnerstag den 20. September fiel der Unterricht infolge der Beisetzung Seiner Grob- herzoglichen Hoheit des hochseligen Prinzen HEINKRICH vON HEsSSEN aus, welcher das Kollegium beiwohnte.
Bei dem Festakt an dem Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin trugen die Schülerinnen der Klassen 2 und 3 des Seminars und der Schul- klassen— VII Gedichte und Gesänge vor; diese Schulfeier fand am 24. November statt. Den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers feierte die Schule am 26. Januar. Herr Dr. BERG- MANN hielt die Festrede über die Königin LUlsE.
Während des Sommers spielten die Schülerinnen des Seminars fast täglich Lawn-Tennis auf dem Schulhofe, es wurden ferner, nachdem Herr SAXN einen Spielkursus für Lehrer und Lehrerinnen der städtischen Schulen in der Viktoriaschule abgehalten hatte, für die Schulklassen fünfmal wöchentlich Spielnachmittage eingerichtet, wobei die freiwillige Beteiligung eine sehr zahlreiche war, so daß wir diese Einrichtung in Zukunſt beibehalten werden. Im Januar fanden mit Genehmigung Grobherzoglichen Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulan- gelegenheiten, Augenuntersuchungen der Schülerinnen durch Herrn Dr. PxAUN in der Weber- schen Augenklinik statt.
Die Gesundheit der Schülerinnen war in den beiden verflossenen Schuljahren gut, er-— heblich besser als in früheren Jahren, was seinen Grund zum großen Teil in den vortreff- lichen Einrichtungen des Neubaus hat.
Zum Schluß heben wir hervor, daß sich im allgemeinen die inneren Einrichtungen des Hauses sehr gut bewährt haben, kleinere Anstände konnten leicht beseitigt werden. Das neue Schulhaus wurde in den beiden verflossenen Schuljahren von einer großen Anzahl von Fach- leuten von auswärts besucht, die alle ihre hohe Befriedigung über das Gesehene aussprachen. Wir hatten die Ehre, Seine Königliche Hoheit den Prinzen WALDEMAR VON PREUSSEN mit seinem Erzieher, Herrn C. PAmX, Ihre Hoheiten die Prinzessinnen FRANZ JosEPIHI VON BATTEN- BERG und Prinzessin XENIA vON MoNTENEGRO nebst Gefolge, die Herren Oberbürgermeister, Stadtbaumeister und Stadtverordneten von Ulm, Herrn Baurat Orr-Straßburg, Herrn Stadt- baumeister GENZMER und Schulrat Direktor WrLDERT-Wiesbaden, Herrn Professor Dr. REIN- Jena, Direktor Dr. LurHMER-Straßburg, Herrn Professor BEck mit seinen Schülern, Karlsruhe, Direktor Dr. ScHAPER-Meiningen, Miß LvsrER-Dublin, Miß WILIAMSON und Miß RoßEkrs- Ealing, Fräulein KæOok-Vasa(Finnland), Fräulein LocEkor-Paris, die Herren des Gewerbevereins Darmstadt und viele Damen und Herren des In- und Auslandes begrüßen zu können, die alle ihrer vollen Bewunderung über unser schönes Haus und seine Einrichtungen Ausdruck gaben, und wir können hier nur wiederholen, was wir im letzten Jahresbericht aussprachen— Dank und Ehre der Stadt, die ihren Töchtern ein solches Heim bereitet!
Die Prämien aus der Ritsertschen, Lichthammerschen und Schulrat Dr. Wagner-Stiftung wurden wie im Vorjahr an Schülerinnen des Seminars und der ersten Schulklassen verliehen.
Eine besondere Erwähnung verdient die Gewährung eines einmaligen Zuschusses von 3000 Mark zur Vermehrung der Lehrmittel und der Bibliothek von seiten des Staates, von welcher Summe zunächst 2000 Mark im Jahre 1900/⁄01 für Anschaffungen verausgabt wurden, so daß der Grund zu einer Seminarbibliothek gelegt werden konnte.


