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Lehrerinnen und Schülerinnen der Anstalt in feierlicher Weise seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Durch unvorhergesehene Unterbrechungen und Verzögerungen der Bau- arbeiten hatte sich die Bauzeit auf 2 ½ Jahre erstreckt, während anfänglich nur 1 ½— 2 Jahre in Aussicht genommen waren.
Im Aulderen stellt das Gebäude einen Ziegelfugenbau unter Verwendung von Werksteinen für die Architekturteile und Kunstformen dar. Der Baustil ist aus dem 16. Jahrhundert, der Ubergangszeit von Spätgotik in die Frührenaissance entnommen und schlieftt sich in seinen Einzelformen, insbesondere der Giebelbewegungen, an Beispiele in Gent(Maison des bateliers) an. Das Gesamtbauwesen gliedert sich in vier Teile, nämlich: den eigentlichen Schulbau (Hauptgebäude), die Turnhalle(Festsaal), das Schuldienerwohnhaus und die beiden Abortgebäude.
Das Hauptgebäude, welches sich, wie schon erwähnt, in seiner größten Ausdehnung durch die ganze Grundstückstiefe erstreckt, liegt mit der Hauptschauseite und dem durch eine dreiteilige, gewölbte Vorhalle geschmückten Haupteingang an der Hochstraßbe. Ein Giebel von der stattlichen Höhe von 34 m bis zur Spitze über dem Haupteingang, Konferenz- zimmer und Singsaal bildet den Schwerpunkt der Gruppe der drei Gebäude an der Hoch- strabe. In zweiter Linie tritt hier noch ein kleinerer Giebel des Hauptbaues über dem Sammlungs- und Vorbereitungsraum der physikalischen Abteilung in die Erscheinung. Durch das Bestreben, die Klassenzimmer von den Straßen wegzulegen und mit Nordlicht zu be- leuchten, eine Anordnung, der die Beschaffenheit des Baugrundstücks äußerst zu statten kam, erhielt der Hauptbau seine gröſßte Schauseite nach dem geräumigen Schulhofe zu. Um diese lange Bauflucht einigermabden zu gliedern, wurden zwei Seiten- und ein von zwei Türmchen flankiertes Mittelrisalit angeordnet.
Das Hauptgebäude, welches in drei Stockwerken alle geforderten Räume enthält, be— treten wir durch die vorher erwähnte offene Vorhalle und gelangen von da in das säulen- geschmückte, mit neun Kreuzgewölbejochen überspannte Vestibül des Gebäudes, an welches sich die Haupttreppe und zwei Flure nach Osten und Norden anschliebhen. Unmittelbar rechts und links neben dem Haupteingang befindet sich das Zimmer des Schuldieners und ein Warteraum für unbeschäftigte Schülerinnen. In dem kleineren, nördlichen Flügel sind im Erdgeschoß die Bibliothek, zwei Räume für den Handarbeitsunterricht und eine Klasse in normaler Gröſée untergebracht. Der langgestreckte Flügel nach Osten enthält in allen drei Geschossen Klassenzimmer, auſerdem im zweiten Obergeschoß den Zeichensaal und im ersten Obergeschob zwei Waschräume. Im letztgenannten Geschoß befinden sich im Gebäudeflügel gegen die Hochstraßze Konferenz- und Lehrerzimmer, Lehrerinnenzimmer, zwei Räume für den naturgeschichtlichen Unterricht und das Direktorzimmer mit Vorzimmer, außöerdem ein Klassenzimmer, darüber, im Obergeschoß, der Singsaal, die Räume für den physikalischen Unterricht und gleichfalls ein Klassenzimmer. Schlieſhlich sind die unter den Treppenpodesten im Erdgeschoß gewonnenen kleinen Räume zur Aufbewahrung von Lehrmitteln in Aussicht genommen. Auberdem befindet sich noch ein Lehrmittelraum im zweiten Obergeschoß.
Die Flure, neben denen sich, durch Säulenstellungen getrennt, die Kleiderablagen für die Schülerinnen hinziehen, erweitern sich in jedem Geschoß zu zwei Wandelhallen zu 15 bezw. 9 Gewölbejochen. Im Erdgeschoß bildet die kleinere Wandelhalle gleichzeitig das vorher er- wähnte Vestibül. Sämtliche Flure und Wandelhallen sind mit Kreuzgewölben überspannt, der Fußbodenbelag besteht aus Terrazzo, die Wände sind bis zur Brüstungshöhe im Erd- und zweiten Obergeschoß mit roten Verblendsteinen, im ersten Obergeschoß mit grün glasierten verkleidet, welche gröbzere Putzflächen aus Terranova einfassen. Ebenfalls aus Blendstein- material bestehen die mit Kassetten geschmückten Gurtbögen und die profilierten Rippen der Kreuzgewölbe.
Ahnlich wie die Flure und Wandelhallen sind die in unmittelbarem Anschluß an die- selben angegliederten drei Treppenhäuser architektonisch behandelt. Die Stufen der Treppen bestehen aus Bergsträßber Granit von je 3m Länge und ruhen auf einer Eisenkonstruktion von I-Trägern, welche durch Rabitzgewölbe zwischen ansteigenden Gurtbögen feuersicher umhüllt sind. Da die Rückseiten der Stufen unsichtbar bleiben, konnte deren besondere Be- arbeitung gespart werden. Die Treppenläufe werden an den Podesten und Austritten nach der Treppenspindel zu durch Werksteinsäulen aus ausgesuchtem Mainsandstein getragen. Das Geländer der Treppen besteht aus Schmiedeeisen.


