Jahrgang 
1899
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Die Säulen zwischen den Fluren und Kleiderablagen und diejenigen der Wandelhallen sind mit besonders geformten, harten Klinkern in Cementmörtel gemauert. Im Kern jeder Säule befindet sich eine durchgehende 4 cm starke Rundeisenstange, welche mit der dia- gonalen Gewölbeverankerung verbunden ist. Kapitäl, Schaft und Säulenfuß haben ihre äußere Gestalt durch Kunstsandsteinputz erhalten. Aus Sparsamkeitsrücksichten mußte zu dieser Herstellungsart der Säulen gegriffen werden, weil die Verwendung von echtem Werk- stein bei der groben Anzahl der Säulen zu teuer gewesen wäre.

Den gröſyten Teil des Gebäudes nehmen die 25 Klassenzimmer(einschl. Handarbeits- und Naturgeschichtssaal) in Anspruch, welche durchschnittlich eine Größe von 6,20% 9,00 m= 55,8 qm haben. Eine normale Klasse besitzt in ihren drei Fensteröffnungen eine Lichtquelle von /¶1 der Bodenfläche. Zur Begünstigung des Lichteinfalles bis zur Tiefe der Klassenräume sind die Fensterbrüstungen hochgelegt und die stichbogenförmigen Fenster- stürze bis in die Bogensegmente der gewölbten Decke eingeschoben. Die letztere besteht aus-Trägern, welche paarweise zusammengekuppelt sind und auf der einen Seite in der massiven Flurwand, auf der andern Seite in den Fensterpfeilern ihr Auflager finden. Die Kuppelung der Träger ist durch mehrere kleinere Querträger bewirkt und bildet auf der unteren Seite dieser Tragkonstruktion dekorativ ausgebildete Kassetten. Zwischen den Trägern sind Schlackenbetongewölbe(im Scheitel I2 cm stark) eingespannt. Auf der Oberfläche der Ge- wölbe ist ein Fußbodenbelag aus eichenen Stäben in Asphalt verlegt. Auf diese Weise sind Zwischendecken gewonnen, welche bei geringer Konstruktionshöhe feuersicher und schalldicht sind, der Entwicklung schädlicher Keime keine Gelegenheit bieten und durch ihre gegliederten Untersichten hinsichtlich der Akustik von günstigem Einflusse sind. Eine 1,50 m hohe ge- stemmte Holzbrüstung der Wände verleiht dem Raum eine behagliche Wohnlichkeit. Da die Fenster gegen Norden liegen, sind Kastenfenster(Doppelfenster) angeordnet, bei denen unten zwei grobe bewegliche Flügel mit besonderen Stellvorrichtungen versehen sind, während oben eine große Klappe mittelst Oberlichtsteller von unten ohne Mühe bewegt werden kann.

An besonderen Einrichtungen ist noch zu erwähnen, daſßd die Klassen mit einem ver- stellbaren Bankmodell aus Holz und Eisen(FoHkMAxN und HàAuUss in Frankenthal), welches jeder Körperbeschaffenheit angepabt werden kann, ausgerüstet sind. Die Schultafeln sind sämtlich als Doppelschiebetafeln auf der Mitte der vorderen Querwand angebracht. Besondere Kartenaufzüge ermöglichen das Aufhängen von Wandkarten in jeder beliebigen Höhe. Eisen- stangen mit verschiebbaren Haken an der Rückwand und der den Fenstern gegenüberliegenden Klassenwand dienen zum Aufhängen von Bildern und ähnlichem Unterrichtsmaterial. Um die Wandtafeln den Blicken der Schülerinnen freizugeben, sind die Kathedertische nahe an der Fensterwand, auf einem sich vor der ganzen Länge der Tafel hinziehenden massiven Podium aufgestellt. Um Raum zu sparen, sind die notwendigen Klassenschränke in Wandnischen ein- gebaut. Der Zeichensaal im II. Obergeschoß hat neben dem Seitenlicht ein abblendbares Oberlicht erhalten. Hinten ist von dem Zeichensaal ein kleiner Nebenraum durch ein Glas- geschränk abgetrennt, welches in seinem oberen Teil zur Aufbewahrung von Gipsmodellen, im unteren Teil zur Aufbewahrung von Zeichenbrettern und Rahmen dienen soll. Längs der Flurwand und der vorderen Querwand zieht sich ein Fries von festen Wandtafeln hin, an denen die Seminaristinnen ihre UÜbungen im Wandtafelzeichnen abhalten sollen. Die phy- sikalische Abteilung besteht aus dem Vorbereitungsraum, der Sammlung und dem eigentlichen Physiksaal, dessen Bankreihen mit Klappsitzen terrassenförmig ansteigen. An besonderen Ein- richtungen besitzt der Physiksaal einen Experimentiertisch neuester Konstruktion mit Gas- und Wasseranschluß, elektrischer Leitung, Dunstabzug und Entwässerung. Ein Teil des Ex- perimentiertisches kann auf Rollen und Schienen in den Nebenraum bewegt werden, wo die Vorbereitung der Experimente erfolgen soll. Eine Verdunkelungsvorrichtung der Fenster ver- vollständigt die Ausrüstung. Sammlungs- und Vorbereitungsraum haben übliche Einrichtungen erhalten. In dem letzteren ist ein Abdampfschrank mit Kamin eingebaut. Die Zimmer des Direktors, der Lehrer und Lehrerinnen haben zweckmäſßige und gediegene Ausstattungen erhalten. Die Möbel bestehen aus grün- oder braungebeiztem amerikanischem Kiefernholz(yellow-pine).

Das Hauptgebäude besitzt auber dem Haupteingang an der Hochstraße einen durch eine Stufe erhöhten Eingang an der Hoffmannsstraße, drei Ausgänge nach dem Schulhof, einen nach der Turnhalle und drei nach den Abortgebäuden im südlichen Hof.