Jahrgang 
1914
Einzelbild herunterladen

Und wo ſein Aug' die Bärenmützen grüße.

Zu ſtolz, den ſichern Rückzug zu beginnen, Wollt' er, was ſeine Feldherrn ihm verloren, Mit kühnem Wagegriff zurückgewinnen.

Jedoch der Zügel, der entglitten, ließ

Sich nicht mehr faſſen. Blücher überſchritt

Mit keckem Wagemut bei Wartenburg

Die Elbe: Der Erfolg der wackren Tat,

Die kluger Vorſicht kühnlich widerſprach, Schenkt' neue Tatkraft den erſtarrten Maſſen, Die unter Schwarzenberg und Bernadotte

Die Kriegskunſt eines Gneiſenau nicht kannten. Doch teuer ward ein jedes Fleckchen Erde Gekauft am linken Uferdamm der Elbe.

Der Obſtbaum reckt' ſein prangendes Geäſte

Ob all den hagern, ſchwachen Leibern aus,

Die Schleſiens arme Weberzunft geſandt

Zum ſchweren Waffengang des heilgen Krieges. Wer wollte nicht mit York ſein Haupt entblößen, Hört er vom Kolbergiſchen Regiment,

Von dem der dritte Mann die Walſtatt deckte? Die Elbe war gewonnen.Vorwärts hieß

Die Loſung, die der greiſe Jüngling gab. Schwand Zaudern jetzt und Taſten und Verzagen, Dann mußt' die Stunde der Erfüllung ſchlagen.

Deklamation(Ernſt Meinhardt, Ia 3):

Ein ſchneller Rückzug war des Korſen Rettung. Sein Stolz jedoch, ſein Glaube an das Glück Verboten ihm, den Rettungsring zu greifen, Den noch Fortuna dem Bedrängten warf.

Auf Leipzigs weitem Plane wollt' er jetzt,

Auf blutgedüngtem, ſchlachterprobtem Boden Zum letzten kühnen Streich ſein Schwert erheben. Wie oft ſchon war der Völker bunt Gewimmel Dem alten Tor der Meßſtadt zugeeilt,

In friedlichem Verkehr die reichen Schätze,

Der ſinngen Hand feingliedrige Erfindung

Zu tauſchen, ehrlichen Gewinn zu heimſen

Im wogenden Gewühl des weiten Weltmarkts. Jetzt kamen ſie zu anderem Geſchäft

Herbei, um waffenſtarrend, zornentbrannt

Zu ringen um das Heiligſte der Güter:

Denn auf des Degens Spitze ſtand die Welt. Noch war am erſten Tag der Schlachtenring Nicht fertig. Bernadotte müht' ſich nicht,

Die Glieder in die Kette einzufügen,

Die Arm und Hand dem Korſen lähmen ſollte. Drum reckt' bei Wachau ſich die Fauſt des Korſen Noch einmal unheilbringend hoch empor.

Schon öffnet ſich der Glocke ehrner Mund,

Des Kaiſers Sieg ins weite Land zu tragen. Indeſſen klang im Feuerſchein bei Möckern

33

Das Lied empor:Nun danket alle Gott, Wie einſtens in der Winternacht bei Leuthen. Hier hatte York der Eiſerne das Dorf,

Das Marmonts Kunſt zur Feſtung umgeſtaltet, Zum ſechſtenmal geſtürmt und im Gewühl Des Straßenkampfs den grimmen Feind geſchlagen: Ein Sieg an Opfern und an Ehren reich.

Der Sonntag naht' und ließ die Waffen ſchweigen, Willkommen den verbündeten Armeen,

Den letzten Mann dem Kampfplatz zuzuführen, Die Wucht gewaltger übermacht zu nutzen Beim Würfelſpiele um Europas Zukunft.

Dem Korſen war die Waffenruh erwünſcht, Um mit dem Blendwerk koſender Beteurung Den Schwiegervater liſtig zu umgaukeln.

Die Saat der Argliſt fiel auf Felſenboden.

Kein Bote bracht' erſehnte Antwort heim.

Und ſo begann die Völkerſchlacht aufs neue. Der Roſſe Huf und der Geſchütze Rad

Raſt' über die Gebeine der Getreuen,

Die Wachau ſtürmend jüngſt ihr Blut vergoſſen. Probſtheydas feuerſpeiendem Gemäuer

Galt unabläſſig wiederholtes Stürmen.

In Gärten, Feld und Straße türmt der Hügel Der Leichen ſich. Doch vor des Kaiſers Augen Kämpft todesmutig ſeine treue Garde

Und weicht nicht einen Fuß breit den Bedrängern. Inzwiſchen war der Kronprinz Bernadotte Mit ſeinem Heer nach Breitenfeld gelangt, Wo jede Scholle die Erinnrung barg

An Schwedens großen König, der hier ſtritt. Mußt' da nicht ſehnliches Begehren wachſen, Den alten Waffenruhm zu überſtrahlen?

So führt' die alten Feinde von Großbeeren Das Wechſelſpiel des Kriegs aufs neu zuſammen. Den deutſchen Brüdern in des Feindes Reihn Ging jetzt die Schmach des Landsknechtsdienſtes auf, Den ſie, mit Undank ſchnöd belohnt, geleiſtet. Dreitauſend Sachſen flohen ihren Herrn,

Der ſchmählich ſich erkühnt', dem Sachſenheer Die Schuld des Unterliegens aufzubürden. Auch eine Reiterſchar aus Schwaben ließ Zurück des Frondienſts ſchimpfliches Panier. Als ſich der Abend niederſenkte, war

In Nord und Oſt das Feld den Bundesheeren, Der Korſe, der das Zentrum wacker hielt, Mußt' ſich zu eilgem Rückzug jetzt entſchließen. Und wirbelnd wälzt' ſich weſtwärts das Gewoge Des ungeheuern Zugs des flüchtgen Heeres. Und drauß im Feuerſcheine, der ſich hob

Aus Dach und Fenſter hartbeſchoſſener Dörfer, Da ſanken Hunderttauſende aufs Knie, Geſchüttelt durch die Schauer jener Stunde,