Jahrgang 
1914
Einzelbild herunterladen

1

Und es verriet der Sieg im blutgen Streiten Die Heldenkraft in Preußens Landwehrleuten.

Karl Groos:Roßbach und Katzbach(Fr. Rückert.

Zweiſtimmiger Schülerchor.)

Deklamation(Karl Menninger, IIb 1): Inzwiſchen hat der Korſe ſelbſt ein Heer Gerichtet gegen jene tapfere Macht,

Die Rußlands Söhne und ein Korps der Preußen Vereinte unter Blüchers Adlerblick.

Berlin genommen, Blüchers Heer geſchlagen Erträumt' er ſich als Wortlaut einer Note, Des kurzen Waffengangs Erfolg verkündend. Doch als die Böhmiſche Armee begann,

Um Dresden ihren Rieſenarm zu legen,

Gebot die Not im Sachſenland dem Korſen,

Als Retter zu erſcheinen dem Bedrängten.

Des Kampfes Ehre und Gefahr jedoch,

Die Blüchers rückwärtsſtrebend Heer verbarg, Ward eilig Marſchall Macdonald gelaſſen.

Ihm blieb die Liſt verſchleiert und verhüllt, Die in dem Rückzug ſeines Feindes lag,

Bis ihm der Schleier von dem Auge fiel,

Da Fluß und Berg und Weg und Steg und Regen Als Kampfgenoſſen ſich dem Feind geſellt,

Und als das Vorwärts eines greiſen Jünglings Die Wucht des Bajonetts und Kolbens mehrt' Und in der Neiße und der Katzbach Fluten

Gar manchen Feind zur letzten Ruhe bracht'. Ganz Schleſien war durch Blüchers Arm befreit, Es wuchs die Hoffnung und die Zuverſicht. Die Landwehr hatte heldenhaft gekämpft,

Das Auge blickt' zu einem Helden auf,

Die Lippe ſang von ſeinen Ruhmestaten.

Der Name Blüchers war in voller Munde, UndVorwärts klangs als Echo in der Runde.

Volksweiſe:Das Lied vom Feldmarſchall(E. M.

Arndt. Zweiſtimmiger Schülerchor.)

Deklamation(Friedrich Mattern, Ia 3):

Indes des Ruhmes donnernde Poſaune

Von Bülows Tat und Blüchers Sieg berichtet, Naht grimme Not der Böhmiſchen Armee.

Hier herrſcht die bittre Feindin kühnen Wagens, Die Vorſicht, die den Augenblick nicht nutzt. Des Hauptquartiers vielköpfiges Gewimmel Entbehrt der Wucht der Einheit und des Wollens, Der Rieſenheere vielgeſtaltge Maſſen

Zu keckem Vorſtoß einſichtsvoll zu raffen,

Bevor Napoleon aus Schleſien

Ein Heer heranführt auf der Bautzner Straße.

32

So leuchtet in dem heißen Kampf bei Dresden Die Herrlichkeit des Siegs auf deutſchem Boden Zum letztenmal dem ſchlachtgeübten Korſen. In Dresdens Kirchen und im Zwinger lagen Gefangene in ungemeſſner Zahl.

Im Schloßhof ſtellt der Sieger prahleriſch

Die Beute jenes heißen Tags zur Schau. Zum Rückzug mußten die Beſiegten ſich Entſchließen, und das Wort, das Mut erſtiickt Und Hoffnung niederſchlägt, klang doppelt herb, Als Hunderttauſende mit ſchwerem Troß

Im öden Gleichklang regneriſcher Schloßen

Des Erzgebirges ſchmale Felſengründe Erklimmen mußten hungrig, müd und matt. Die Frucht des Siegs genoß der Sieger nicht. Vandamme, dem die Verfolgung anvertraut, Stieß auf die Eiſenhärte ruſſiſcher Garde,

Die unerſchüttert einen ganzen Tag

Im Sturm ertrug zwiefältge übermacht.

Und als bei Kulm der Stolz des Ruſſenheeres In jähem Harren trutzig widerſtand,

Erſchien bei Nollendorf zur rechten Stunde Als Retter Kleiſt mit ſeinen tapfern Preußen. Geſchlagen und zerſprengt war Vandammes Heer. Er ſelbſt fiel in die Hände ſeiner Feinde,

Der rauhe Henkersknecht, und dräuend hob

Die Fauſt ſich, wo er ſichtbar ward dem Volk. Hier war der erſte Bundesſieg errungen,

In deſſen Ehre drei Nationen ſich

Mit gleichem Recht und gleichem Stolze teilten. Ein neuer Blitzſtrahl ſchlug in das Gebäude Der Pläne, das der Korſe neu errichtet.

Den Lieblingswunſch, die Wiege der Empörung, Berlin, mit Schwert und Feuer zu vernichten, Sollt' Marſchall Ney der Tapfere erfüllen. Jedoch zum vierten Mal, bei Dennewitz

Ward die bedräute Hauptſtadt kühn gerettet. Dem Führer und den Recken von Großbeeren Gebührt der Lorbeer dieſes Ehrentags.

Und ſelbſt der Halbverräter Bernadotte

Warf diesmal ſeine 70 Bataillone

Zum Schrecken ſeiner Feinde in die Schlacht. Doch mächtig greift es uns ans Herz, wenn wir Des blutgen Tags von Dennewitz gedenken. Denn deutſches Schwert ſchlug deutſche Helden nieder. Die wackren Schwaben und die tapfern Sachſen, Gebannet in des Rheinbunds Schergendienſt, Zerſtampft der Hufſchlag pommeriſcher Reiter. Ein Bild des Jammers, als der Tod vereinte Auf heimatlichem Boden deutſche Feinde.

Noch immer wähnt' des Glücks verwöhnter Sohn, Daß da der Sieg ſich an die Fahnen hefte, Wo ſeines eignen Weſens Zauber wirke,