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Bei Jena einſtens Ehr' und Sieg verloren.
Ein neues Preußen war dem Grab erſtanden. Doch er, der aus dem Häuflein der Verzweiflung Ein Heer geſchaffen ſelbſtbewußter Helden, Genoß die Frucht nicht ſeiner heißen Mühe. Der Vater vieler Siege, Scharnhorſt ſelbſt, Erſchaut' die Preußenfahnen ſiegreich nicht. Verwundet eilt' der Edele nach Prag,
Um blutend Öſtreichs Beiſtand zu gewinnen. Der ÄArzte mahnend Wort bezwang ihn nicht. Ihm war des Lebens höchſtes Gut: die Pflicht.
Volksweiſe:„Auf Scharnhorſts Tod“(M. v. Schenken⸗ dorf.— Zweiſtimmiger Schülerchor.)
Deklamation(Fritz Scharmann, 1b 2): Der Sieger, der nicht Sieger war wie ſonſt, Bot gern zur Waffenruhe jetzt die Hand. Und wo das ſieggewohnte Schwert verſagte, Da ſollt' der Hinterhalt der eitlen Worte, Der Diplomaten kühnes Ränkeſpiel Das halbe Werk des Schlachtengotts vollenden. Und aus der Zwietracht, die er liſtig ſät, Den Hader wachzuhalten und zu nähren, Der in des Oſtens Rieſenreichen lange Verderblich für Europa hat gewirkt, Erhofft der Imperator reiche Ernte. Nicht wars begreiflich deutſchen Waffenbrüdern, Die ſiegesfroh dem Schalle jüngſt gefolgt Der ſchmetternden Drommete, todesmutig Auf offnem Plane mit gezücktem Schwerte Der neuen Freiheit Tempel zu errichten. Hieß Waffenruhe nicht Verrat? War darum Das Herzblut all der Braven hingegoſſen, War darum freudig Jüngling, Mann und Greis Ins Grab geſunken, daß in deutſchem Land Die Tyrannei aufs neu ihr Haupt erhebe? Manch unmutsvolles Wort und mancher Fluch Entfloh dem Munde wackrer Schlachtgefährten, Als ſie den Degen in die Scheide ſenkten, Als Waffenruhe herrſcht' im Waffenleben. Und doch ein Segen war der Waffenfrieden Für die, die ſich geeint im Drang der Not, Der Knechtſchaft Eiſenkette zu zerreißen. Und als der Zwingherr einer ganzen Welt Den ſchmalen Felſenweg des Eilands ging, Das ihm der Sieger Großmut noch gelaſſen, Und wie er ſeines Lebens wilden Gang In aufgedrängter Muße überſchaute, Da ſchien der Waffenſtillſtand jener Tage Ihm als die größte Torheit ſeines Lebens. Geblendet vom Erfolge, der ſo oſt, Ein treuer Kamerad, den wirren Knäul
Des Widerſtands geſchäftig aufgerollt,
Spannt' er den Bogen allzu ſtraff und wies,
Was Oſtreich ihm vermittelnd bot, zurück.
Sein Wahn, des Glücks Gebieter noch zu ſein, Zerſchnitt die Bande, die die Donaumacht
Zum Unheil Deutſchlands mit dem Korſen knüpfte. Die Hofburg ſprach das Wort jetzt der Entſcheidung, Zu der einſt Scharnhorſt ſterbend noch gedrängt. Da oſtreich ſich den Ruſſen und den Preußen
In ſchickſalsſchwerer Stunde zugeſellt,
Schlug mit dem Klang der mitternächtgen Glocke, Die laut der Waffenruhe Ende kündet,
Dem ſchwertgewaltgen Korſen das Verderben.
Und als die Feuerzeichen von den Bergen
Die Kunde brachten, daß des Schwertes Schneide Aufs neu zur Richterin berufen, wollt'
Der Jubel in den Preußen Reihn nicht enden: Was Schwert begann, ſollt' auch das Schwert vollenden.
Yorkſcher Marſch:„Armeemarſch Nr. 37“.—(Schüler⸗ orcheſter.)
Deklamation(Adolf Oswald, IIb 3): Es wächſt die Kraft der Heere aus dem Boden. Doch leider fehlt der Wucht gewalt'ger Maſſen Des Willens Einheit und die Macht des Namens. An Siegeshoffnung und an Plänen reich Bewegt der Korſe ſeine fränkſchen Streiter Heran und ſeines Rheinbunds treue Knechte. Zuvörderſt ſollte ſeine Rache ſpüren Berlin, der Preußen Hauptſtadt. Von drei Seiten Rückt' der Franzoſen lange Heeresſäule Verderbenbringend gegen Norden vor. Doch während Bernadotte, der Zauderer, Gewillt, den Rückzug ſchmählich anzutreten, Zu opfern, was ihm ſelbſt nicht heilig war, Geſchah es, daß dem Oberſten zum Trotz Der feindbedrohten Stadt ein Retter ward Im zähen Bülow. Seinen Märkern galts Im Sturmesheulen und bei Wetterſchlag, Das heiligſte der Güter zu erretten, Der Heimat heilgen Boden zu behaupten. So ward die weite Walſtatt von Großbeeren Ein Feld der Ehre märkſcher Heldenkraft. Zerſchmettert lag das Heer von Oudinot. Und als von Magdeburg mit neuer Wucht Ein zweites Heer ſich gen Berlin gewendet, Da ſchlug die preuß'ſche Landwehr grimmig drein Bei Hagelberg. Dieweil des Regens Feuchte Die Macht der Flinte nahm, in weite Ferne Aus ſicherm Lauf den Todesgruß zu ſenden, Da wirkt' der Kolben in erhobnem Arm, Der Feinde Schar zermalmend und zerſchmetternd.


