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G. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Sommerhalbjahr begann am 4. April und endigte am 26. September 1910. Das Winterhalbjahr begann am 13. Oktober 1910 und wird am 8. April 1911 enden.
Am 14. Juli 1910 starb Herr Geheimerat Dr. Eisenhuth, der langjährige, hochverdiente Leiter des hessischen Schulwesens. Er hat alle Zweige seines umfangreichen Geschäftskreises mit derselben Sachkunde zu fördern gewusst und dem Wohlergehen jedes einzelnen Lehrers wie des ganzen Lehrerstandes in gleicher Weise seine unermüdliche Fürsorge gewidmet. Sein Wirken wird in Hessen nicht vergessen werden.
I. Personalnachrichten.
Prof. Dr. Ihne war auch in diesem Jahre am Anfang des Sommersemesters tageweise zur Anstellung phänologischer Beobachtungen beurlaubt. In seine Vertretung teilten sich mehrere Oberlehrer und Referendare.
Den Oberlehrern Dr. Otto Glaser und August Kessler wurde am 1. April 1910 der Charakter als Professor verliehen.
Der Lehramtsreferendar Georg Kissel aus Zwingenberg a. d. B. trat am 29. April 1910 zur Fortsetzung seines Vorbereitungsdienstes ein.
Prof. Dr. Glaser erhielt Urlaub vom 22. bis 24. Mai 1910 zur Teilnahme an dem von Hessen und Bayern veranstalteten archäologischen Kursus für Oberlehrer.
Am 1. Oktober 1910 wurde der Lehramtsreferendar Hermann Gengnagel zum Lehramts- assessor ernannt.
Dem Oberlehrer Prof. Dr. Karl Maurer wurde am 25. November 1910 von Sr. Königl. Hoheit dem Grossherzog das Ritterkreuz 1. Kl. des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen verliehen.
Am 1. Januar 1911 starb ganz plötzlich an einem Schlaganfall Prof. R. Trümpert, der älteste Oberlehrer unserer Anstalt. Durch seinen Tod ist eine schmerzliche Lücke in den Kreis unserer Schule gerissen worden. Die Schüler haben in ihm einen erfahrenen, trefflichen Lehrer und väterlichen Freund, die Lehrer einen lieben, durch seine Biederkeit und Offenheit ausgezeichneten Amtsgenossen verloren. Die während der Ferien anwesenden Lehrer und Schüler gaben ihm das letzte Geleite. Der Direktor legte im Namen des Kollegiums, der Oberprimaner Trautmann im Namen der Schüler einen Kranz am Grabe nieder. Seinen Unter-
richt erteilen bis zur Wiederbesetzung der Stelle die Pfarramtsassistenten Ernst Flöel und Georg Lautenschläger.
2. Gesundheitliches, Ferien.
Der Gesundheitszustand im Lehrerkollegium war gut; nur der Direktor musste wegen Unwohlseins zweimal mehrere Tage der Schule fern pleiben.
Von zahlreichen Erkrankungen an Influenza im Januar 1911 abgesehen, liess auch der Gesundheitszustand unter den Schülern nichts zu wünschen übrig.
Die Ferien in dem Schuljahr 1911/12 sind folgendermassen verteilt: Pfingstferien vom 4. bis 11. Juni 1911; Sommerferien vom 13. Juli bis 9. August 1911; Herbstferien vom 28. September bis 11. Oktober 1911; Weihnachtsferien vom 24. Dezember 1911 bis 7. Januar 1912; Osterferien vom 31. März bis zum 14. April 1912.
Soweit das Wetter es zuliess, trat in jedem Monat an die Stelle mehrerer Vormittags- stunden ein Spaziergang. Der Tagesausflug fand am 24. August statt. Auch von dem Odenwaldklub und von Lehrern der Anstalt wurden wieder Schülerwanderungen veranstaltet, an denen sich viele Schüler beteiligten.— Regelmässige Spielnachmittage für die Klassen VI- IIb wurden unter Leitung von Lehrern der Anstalt vom Mai bis November abgehalten. An 3 Tagen fiel der Unterricht von 11 Uhr vormittags wegen grosser Hitze aus.
3. Prüfungen, Besichtigungen.
Mittwoch, den 21. September 1910 beehrten Herr Geheimerat Süffert und Herr Geheimer Oberschulrat Nodnagel die Anstalt mit ihrem Besuch und wohnten dem Unterricht in mehreren Klassen bei.


