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Die erwähnte neue Hilfslehrerſtelle wurde dem Lehramtsacceſſiſten Herrn Auguſt Schäfer in Offenbach übertragen. Derſelbe iſt geboren am 8. Juni 1869 zu Erbach i. O. und hat nach Abſol⸗ vierung des Realgymnaſiums zu Mainz im Herbſt 1889 und ſeiner Militärdienſtpflicht im Jahre 1889/90 an der Landesuniverſität Gießen ſtudiert und daſelbſt im Februar 1895 die fac. doc. für Franzöſiſch, Engliſch und Deutſch erworben. Seine beiden Probejahre verbrachte er mit kurzer Unterbrechung im Seminar des Neuen Gymnaſiums zu Darmſtadt und am Gymnaſium und der Realſchule zu Offenbach.
Mit Beginn des Winterhalbjahres wurde der Reallehrer Herr Dr. Julius Leidolf an das Ludwigs⸗Georgs⸗Gymnaſium dahier verſetzt. An ſeine Stelle trat der Lehramtsacceſſiſt Herr Jakob Reuter aus Mainz. Daſelbſt am 29. April 1874 geboren, abſolvierte er das dortige Realgymnaſium und bezog Oſtern 1892 die Landesuniverſität Gießen. Dort erwarb er ſich 4 Jahre ſpäter die fac. doc. für Deutſch, Franzöſiſch und Engliſch. Von Oſtern 1896 bis Oſtern 1897 beſuchte er das Seminar am Neuen Gymnaſium zu Darmſtadt und war dann bis zu ſeinem Übertritt an unſerer Schule an dem Realgymnaſium und der Realſchule in Mainz beſchäftigt. Mit Genehmigung Großherzoglichen Miniſteriums wurde ihm für den Winter 1897/98 der ſeither von Herrn Reallehrer Lade gegebene Unterricht übertragen, während dieſer den Unterricht des Herrn Dr. Leidolf übernahm.
Der Geſundheitszuſtand war im verfloſſenen Schuljahre im allgemeinen bei Lehrern und Schülern ein günſtiger. Nur Herr Reallehrer Profeſſor Dr. Schmehl mußte krankheitshalber zwei Wochen, Herr Reallehrer Schüler eine Woche vertreten werden.
Vom 4.—15. Juni 1897 war Herr Reallehrer Balſer und vom 1.—15. Auguſt Herr Real⸗ lehrer Magel behufs Beteiligung an einer Studienreiſe beurlaubt.
Zu militäriſchen Ubungen war Herr Reallehrer Magel vom 10.—24. Juni 1897 eingezogen.
In allen Fällen übernahmen die Herrn Kollegen bereitwillig die nötige Vertretung.
Im Mai 1897 erkrankte der Schüler Theodor König aus Klaſſe 1b an Phthiſis; ſein Zuſtand verſchlimmerte ſich ſchon im Herbſt derart, daß auf eine Geneſung kaum noch zu hoffen war. Aber erſt im Beginn des neuen Jahres wurde er von ſeinem ſchweren Leiden erlöſt. Sein Klaſſenführer und ſeine Klaſſenkameraden gaben dem früheren Mitſchüler das letzte Geleite. Die Schule betrauert in dem früh dahingegangenen Jüngling einen braven, tüchtigen Schüler, der durch ſein beſcheidenes, liebenswürdiges Weſen die Herzen ſeiner Lehrer und Mitſchüler beſaß.
Am 18. Dezember 1897 wurde der Lehramtsacceſſiſt Herr Auguſt Schäfer durch Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums zum Lehramtsaſſeſſor ernannt.
Zu den vorjährigen Schulnachrichten iſt noch ergänzend über die Feier zur Erinnerung an den 100 jährigen Geburtstag des Kaiſers Wilhelm I. am 22. März 1897 zu berichten. Für dieſe war ein beſonders reichhaltiges Programm aufgeſtellt worden. In zweckentſprechend ausgewählten Geſängen und Gedichten und durch den Vortrag„goldener Worte“ aus Reden und Anſprachen des hochſeligen Kaiſers wurde ein zuſammenhängendes Bild des Lebens und Wirkens des großen Helden und Fürſten gegeben im Anſchluß an die begeiſternde Feſtrede, die Herr Reallehrer Stammler übernommen hatte. Die Herren Kollegen Schmehl, Walger und Kolb trugen durch Wiedergabe eines Trios von Ravina für Flügel, Harmonium und Cello dankenswerterweiſe ſehr zur feierlichen Geſtaltung des Feſtaktes bei.
Der Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs Ernſt Ludwig und der Groß⸗ herzogin Victoria Melita am 25. November 1897 wurde durch eine Schulfeier, bei der Herr Reallehrer Dr. Kraus die Feſtrede übernahm und oben genannte Herrn Kollegen wieder einige Muſikſtücke vortrugen, feſtlich begangen.


