Jahrgang 
1882
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27 unterbrechen, Herr Kollege Dr. Nies war faſt fünf Wochen an das Zimmer gefeſſelt. Die zu deckenden Unterrichtsſtunden übernahmen teils die Lehrer, teils die Acceſſiſten der Anſtalt. Herr Reuß, Lehrer an der Vorſchule, erkrankte zu Anfang des Sommers und erhielt auf ſein Nachſuchen von Großherzoglichem Miniſterium auf mehrere Wochen Urlaub zur Wiederherſtellung. Nach erfolgter Geneſung iſt Herr Reuß am 31. Juli wieder in den Dienſt eingetreten.

Der Geſundheitszuſtand der Schüler war während des Winterſemeſters durchaus befriedigend, mit dem Eintritte des Frühjahrs ſtellten ſich indeſſen unter den jüngeren Schülern namentlich der Vorſchule zahlreiche Erkrankungsfälle(über 100) an Maſern, auch einzelne an Scharlach und Diphterie ein. Faſt durchgängig waren die Erkrankungen nicht ſchwer, doch haben wir den Tod eines braven Schülers zu be⸗ klagen. Philipp Obenauer, Schüler der Quarta H., geboren den 17. April 1870 zu Darmſtadt, ſtarb am 29. Mai 1882, nachdem er ſchon längere Zeit durch Krankſein von der Schule fern gehalten war. Lehrer und Mitſchüler gaben dem Verſtorbenen am 31. Mai das Geleite zur letzten Ruheſtätte.

5. Eine in geſundheitlicher Hinſicht wertvolle Einrichtung, deren unſere Schule ſich jetzt erfreut, darf hier nicht unerwähnt bleiben. Auf Erſuchen der Direktion wurden zu Anfang des Sommers in unſerem den Sonnenſtrahlen ſehr ausgeſetzten Schulhofe, der als Erholungsplatz während der Pauſen dient, zwei Hydranten der ſtädtiſchen Waſſerleitung angebracht, ſo daß es möglich iſt, den ganzen Raum jederzeit ausgiebig zu befeuchten. Unſere Schüler ſind hierdurch vor beläſtigendem Staube geſchützt und an heißen Tagen können wir für erfriſchende Kühle ſorgen. Der ſtädtiſchen Behörde, die in zuvorkommendſter Weiſe die Herſtellung der Hydranten anordnete, ſind wir hierfür zum wärmſten Danke verpflichtet.

6. Im vorjährigen Programm wurde die Mitteilung des Reſultats der Augenunterſuchung, welche Herr Geh. Medicinalrath*Dr. Weber bei den Schülern der Realſchule vornahm, in Ausſicht geſtellt. Der Bericht über dieſes Reſultat findet ſich in der Schrift:Über die Augenunterſuchungen in den höheren Schulen zu Darmſtadt, Referat und Memorial von Dr. Adolf Weber. Wir müſſen uns darauf be⸗ ſchränken, Alle, die ſich für die Sache intereſſieren, auf die inhaltreiche Schrift zu verweiſen.

7. Herr Kollege Hainebach iſt vom 1. Auguſt ab zu militäriſchen übungen auf acht Wochen ein⸗ berufen worden. Die Vertretung in den Lehrſtunden übernahmen Lehrer der Anſtalt.

8. Der Konfirmanden⸗Unterricht für die evangeliſchen Schüler der Realſchule wurde von Herbſt v. J. an durch Herrn Kirchenrath Ewald im Schullokale erteilt, für die katholiſchen Schüler durch Herrn Dekan Beyer. Die Konfirmation der erſteren(86) fand am Sonntag Cantate, den 7. Mai ſtatt, die der letz⸗ teren(14) am weißen Sonntag, den 16. April.

9. Unter Führung der Klaſſenvorſteher und Beteiligung ſonſtiger Kollegen haben im Laufe des Sommers in herkömmlicher Weiſe Ausflüge und Spaziergänge ſtattgefunden. Ein Teil der oberen Klaſſen machte eine Rheinfahrt und verband dawit die Wanderung auf den herrlichen Niederwald, ein anderer richtete ſeinen Ausflug nach dem Neckar und nach Heidelberg, eine Klaſſe erſtieg den großen Feldberg im Taunus und die übrigen Teilnehmer an den fröhlichen Ausfahrten trafen ihre Wahl unter den Bergen und Thälern unſeres Odenwaldes. Die jüngeren Schüler der unteren Klaſſen und der Vorſchule begnügten ſich mit weniger anſtrengenden Spaziergängen nach den unſerer Stadt näher gelegenen Waldungen und Anhöhen.

10. Eine erhebende Feier zum Gedächtnis des am 2. März 1880 verſtorbenen Realſchuldirektors Hermann Lorey fand am 22. Auguſt in der Aula unſerer Anſtalt ſtatt. An dieſem Tage wurde die von ehemaligen Schülern, ſowie von Freunden, Verehrern und Kollegen Loreys geſtiftete Büſte deſſelben der Realſchule übergeben; Geſang(Gottes Gnad' und Friede ſei mit uns, Gedicht nach M. Clandius, comp. von C. Völſing) eröffnete die Feier, worauf Herr Kollege Becker an Stelle des leider durch Unwohlſein verhinderten Herrn Oberbürgermeiſters Ohly die Übergabe der Büſte vollzog. Der Direktor der Anſtalt ſprach im Namen des Lehrercollegiums Worte des Dankes für die Stiftung, ein weiterer Geſang(Gott iſts, der uns liebt, Choral) folgte, und Herr Kollege Dr. Schäffer hielt ſodann die Gedächtnisrede. Ein Weihegeſang(Motette:Danket Gott alle Lande, comp. von C. J. Seiffert) ſchloß die Feier.

Die Büſte iſt von Herrn Bildhauer Karl Scholl modelliert worden und vorzüglich gelungen.

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