Jahrgang 
1874
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. Der proviſoriſche Reallehrer Koch blieb als ſolcher bis zum 26. Juli, dann wurde er durch Dr. Ludwig Unverzagt aus Gießen erſetzt, welcher ſeine Probezeit hier abhält, zugleich aber als proviſoriſcher Lehrer eingetreten iſt.

Durch hohe Verfügung vom 11. December 1873 mit Wirkung vom 1. November 1873 an erhielt Cantor Völſing für Vermehrung des Geſangunterrichts eine entſprechende Erhöhung ſeiner Remuneration; desgleichen Turnlehrer Völſing II. für vermehrten Turnunterricht durch hohe Verfügung vom 5. Juni 1874 mit Wirkung vom 1. Januar 1874 an.

Auch Zeichenlehrer Bender erhielt für vermehrte Stundenzahl im Winterhalbjahr eine angemeſſene Remuneration.

Am 28. Mai erlitt unſere Schule einen empfindlichen Verluſt durch den Tod des Real⸗ lehrers Karl Hickler. Schon ſeit dem Beginn des Winters hatte derſelbe gekränkelt und es mußte hin und wieder für ihn vicarirt werden, allein mit wahrhaft rührender Treue und Ausdauer ſuchte er immer wieder bis wenige Tage vor ſeinem Tode ſeiner Amtspflicht zu genügen. Am 30. Mai Nachmittags 3 Uhr fand die feierliche Beerdigung ſtatt unter Begleitung des Lehrercollegiums und ſämmtlicher Schüler der Realſchule; ſehr viele Collegen von andern An⸗ ſtalten, zahlreiche Freunde und ehemalige Schüler des Verſtorbenen ſchloſſen ſich an. Geſang der Realſchüler eröffnete und ſchloß die Leichenfeier; die Leichenrede hielt Herr Pfarrer Sell, dann ſprach Direktor Lorey, ſeit 30 Jahren Amtsgenoſſe des Verſtorbenen, ehrende Worte zu ſeinem Gedächtniß und legte einen Lorbeerkranz auf ſeinen Sarg. Herr Karl Hickler war ge⸗ boren am 31. December 1806. Seine Schulbildung erhielt derſelbe auf hieſigem Gymnaſium, welches er am 23. Januar 1824 mit einem ſehr ehrenden Zeugniß verließ. Nachdem er ſeit Ende der zwanziger Jahre an mehreren Privatlehranſtalten als Lehrer der Kalligraphie und Arithmetik gewirkt, worüber ſehr günſtige Zeugniſſe vorliegen, war er ſeit 1831 an der hieſigen Realſchule thätig und wurde durch Allerhöchſtes Decret vom 21. Juli 1836 als definitiver Lehrer an der Real⸗ und höheren Gewerbſchule angeſtellt. In dieſer langen Zeit hat er ſich ſtets die Liebe und Achtung ſeiner Collegen zu erwerben und zu erhalten gewußt; ſeinen Schü⸗ lern war er ein treuer, väterlicher Lehrer, und ihre Anhänglichkeit und Dankbarkeit blieb ihm dauernd geſichert und zeigte ſich noch ſehr rührend bei ſeinem Krankſein und ſeinem Tode. Durch ſeine Vertrautheit mit den Verhältniſſen in hieſiger Stadt, durch ſeine Erfahrung und ſeine genaue Kenntniß alles deſſen, was von je an unſerer Schule Brauch und Sitte geweſen war, wurde er neben ſeiner treuen und gewiſſenhaften Lehrthätigkeit der Anſtalt noch beſonders nützlich. Sein Andenken wird in Segen fortleben! Auſſerdem war der Geſundheitszuſtand des Lehrercollegiums befriedigend, und auch bei den Schülern kamen keine bedeutenderen oder um ſich greifende Krankheitserſcheinungen vor.

Spaziergänge und Wanderungen mit den Schülern boten mannigfach Gelegenheit zu An⸗ regung und erziehlicher Einwirkung. Ein größerer Ausflug wurde mit den Schülern von Unter⸗ Prima, Ober⸗Secunda, Klaſſe I und II dem Rhein entlang bis nach St. Goar gemacht. Die Klaſſe III und Tertia machten ebenfalls einen größeren Ausflug nach Erbach, Eberbach am Neckar, Amorbach und Miltenberg.