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Jahres auf 222, ſo daß alle Klaſſen hinreichend gefüllt, viele überfüllt waren.— Mit dem Beginn des Schuljahres wurde die ſeitherige I. Klaſſe in 2 Parallelklaſſen getrennt, ſo daß wir nun 2 mal 6 neben einander ſtehende Klaſſen hatten. Von dieſen blieben 6 Klaſſen(die früheren B Klaſſen) als Realſchule II. Ordnung in ihrem ſeitherigen Zuſammenhang und werden von oben angefangen als Klaſſe I, II, III, IV, V. VI bezeichnet; die anderen 6 Klaſſen (die früheren A Klaſſen), zu denen noch eine ſiebente errichtet wurde, bildeten eine neue Unter⸗ richtsgruppe mit dem Lehrplan einer Realſchule I. Ordnung, insbeſondere mit obligatoriſchem Latein, welches in der Realſchule II. Ordnung gar nicht mehr gelehrt wurde und wird. Zu dieſen 7 Klaſſen kommt jetzt im Herbſt 1874 die achte, und ſie führen die Benennungen Ober⸗ Prima, Unter⸗Prima, Ober⸗Secunda, Unter⸗Secunda, Tertia, Quarta, Quinta, Sexta. Alle Curſe ſind einjährig. Wie die Tabelle V über den Schülerbeſtand zeigt, waren die Klaſſen der Realſchule I. Ordnung um ein Merkliches ſtärker beſucht als die der Realſchule II. Ordnung.
Die vermehrte Klaſſenzahl machte natürlich auch eine Vermehrung des Lehrerperſonals nöthig, und ſo traten denn mit Anfang des Schuljahrs als nene Lehrer ein:
Herr Winter definitiv und die Herren Dr. Stöpler, Kayſer und Koch proviſoriſch, Herr Soldan, welcher als definitiver Lehrer bereits deſignirt war, konnte erſt vom 1. April 1874 ein⸗ treten, weil er bis zu Oſtern ſeine Dirigentenſtelle an der Realſchule zu Groß⸗Umſtadt zu verſehen hatte. Seine Lehrſtunden wurden in Auftrag und mit Genehmigung der vorgeſetzten hohen Behörden einſtweilen von einigen Lehrern der Anſtalt vicarirt.
Durch Allerhöchſtes Decret vom 6. Okt. 1873 wurde der bisherige Reallehrer Alexander Friedrich als Lehrer an das hieſige Gymnaſium verſetzt.
Durch Allerhöchſtes Decret vom 25. Okt. 1873 wurde Herr Eduard Winter, ſeither an der Realſchule in Friedberg, zum Lehrer an der hieſigen Realſchule ernannt.
Eduard Winter, am 30. Auguſt 1845 zu Darmſtadt geboren, beſuchte bis zum Jahr 1862 die Gr. Realſchule daſelbſt und von da bis Herbſt 1864 die Gr. höhere Gewerbſchule, worauf er, nach beſtandener Maturitätsprüfung, die Landesnniverſität bezog, um Architectur zu ſtudiren. Angeregt von den hierzu erforderlichen mathematiſchen Studien wendete er ſich der Mathematik ganz zu und beſuchte die mathematiſchen Vorleſungen und das Seminar der Profeſſoren Clebſch und Gordan, ſowie die Vorleſungen über Phyſik und das phyſikaliſche Seminar von Profeſſor Buff. Nachdem er im Jahre 1866 ſich der Maturitätsprüfung des Gr. Gymnaſiums zu Darmſtadt im Latein, Griechiſch und der Religion nachträglich unterzogen, beſtand er im Herbſte 1868 das Examen für das höhere Schulfach vom mathematiſchen Stand⸗ punkte. Von Herbſt 1868 bis Pfingſten 1869 legte er ſeinen Acceß am Gr. Gymnaſium zu Darmſtadt ab und wurde dann durch Reſcript Gr. Ober⸗Studien⸗Direction zum Hilfslehrer und durch Allerhöchſtes Decret vom 13. Dezember 1869 zum definitiven Lehrer an der Gr. Realſchule zu Friedberg ernannt. In dieſem Wirkungskreiſe verblieb er bis zu ſeiner am 25. Oktober 1873 durch Allerhöchſtes Decret erfolgten Verſetzung an die Gr. Realſchule zu Darmſtadt.
Den Reallehrern Dr. Külp und Dr. Weis wurden durch Allerhöchſte Decrete vom 6. Okt. 1873 Beſoldungserhöhungen zu Theil.


