Einen ſchweren Verluſt erlitt unſere Schule am 30. März 1873 durch den nach kurzem Krankenlager erfolgten Tod des Directors Herrn Theodor Hofmann. Derſelbe war am 26. März 1809 zu Rückingen bei Hanau geboren, wo ſein Vater Pfarrer war. Später wurde dieſer nach Sprendlingen verſetzt, und von dort aus beſuchte Th. Hofmann ſeit ſeinem 12. Jahre das Gymnaſium in Frankfurt. 1827 bezog er die Hochſchule in Gießen und ſtudirte Theologie. Nachdem er ſpäter eine Zeit lang Hauslehrer geweſen war, kam er 1833 zuerſt als Lehrer der neueren Sprachen an die Realſchule nach Darmſtadt und arbeitete fortan an dieſer und zum Theil an der höheren Gewerbſchule als Lehrer in verſchiedenen Fächern, beſonders aber als Religionslehrer in geſegneter Wirkſamkeit. 1867 wurde er proviſoriſcher und 1868 definitiver Director der Realſchule. Am Nachmittage des 1. April 1873 fand die feierliche Be⸗ erdigung ſtatt unter Begleitung des Lehrercollegiums und ſämmtlicher Schülcr der Real⸗ ſchule, an welche ſich das Lehrercollegium des Gymnaſiums anſchloß, und außerdem betheiligten ſich die meiſten Lehrer der andern hieſigen Anſtalten, die vorgeſetzten Behörden und ein ſehr zahlreiches Publikum. Geſang der Realſchüler unter Muſikbegleitung eröffnete und ſchloß die Leichenfeier, Herr Stadtpfarrer Decan Ewald hielt die Leichenrede, und Reallehrer Lorey, noch Univerſitätsfreund des Verſtorbenen, ſprach dann zum Gedächtniß einige Worte, worin er das Wirken des Verewigten als Lehrer und Director kurz darſtellte. Sein langjähriges Streben nach vollſtändiger Trennung der Realſchule von der ehemaligen höheren Gewerbſchule und deren ſpäteren Umbildungen war ihm endlich gelungen; ihre Weiterentwicklung zur Realſchule I. Ordnung ſollte er, leider! nicht mehr erleben. Sein eifriges, ernſtes und doch humanes und freundliches Wirken und Streben wird ſeinen Freunden, Collegen und Schülern unvergeß⸗ lich ſein. Die Anſtalt dankt ihm ſehr viel!— Ein Nekrolog, welcher in der Beilage zu Nr. 132 der Darmſtädter Zeitung vom 13. Mai 1873 erſchienen iſt, verbreitet ſich ausführ⸗ licher darüber, als es an dieſer Stelle möglich iſt.
Durch hohe Verfügung Großh. Oberſtudien⸗Direction vom 4. April 1873 wurde die Führung der Directorialgeſchäfte proviſoriſch dem Reallehrer Lorey übertragen, und durch Allerhöchſtes Decret vom 15. Juni 1873 wurde derſelbe dann definitiv zum Director ernannt. — Am 11. Juli beim Schulſchluſſe wurde dem neuen Director eine ſchöne Ueberraſchung be⸗ reitet. In dem feſtlich geſchmückten Klaſſenzimmer der I. Klaſſe— denn eine Aula fehlt uns ja— waren außer den Schülern dieſer Klaſſe Vertreter der übrigen Klaſſen und das Lehrer⸗ collegium verſammelt. Nachdem der Director eingeladen war zu erſcheinen, wurde derſelbe von einem Schüler der I. Klaſſe angeredet und ihm im Namen der Klaſſe ein ſilberner Becher als Ehrengeſchenk überreicht und außerdem viele Blumenſträuße von den Vertretern der übrigen Klaſſen. Nachdem der Director in einer kurzen Anſprache gedankt und ſeinen Schülern noch die Wichtigkeit des ernſtlichſten Mitarbeitens der Schüler für die Zwecke der Schule, beſonders in gegenwärtiger Zeit, an's Herz gelegt, ließ man auch die übrigen Schüler der Realſchule klaſſenweiſe durch das feſtlich geſchmückte Zimmer durchziehen, weil der beſchränkte Raum keine andere Betheiligung derſelben geſtattete.— Die nachgeſuchte Erlaubniß zur Annahme des Ehren⸗ ſchenks wurde von Höchſter Behörde huldvoll gewährt.
Durch die Errichtung der Parallelklaſſe IIb. mit Herbſt 1872 hatten ſich außer der An⸗


