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flächlichkeit Vorſchub geleiſtet wird, läßt ſich nicht leugnen, daß eine ſolche Bildung ge⸗ radezu ſchädlich iſt und ein Geſchäft zu Grunde richten kann. Ein Gleiches läßt ſich von jedem anderen techniſchen Berufe ſagen, oder mit andren Worten von Allen, welche eine fachwiſſenſchaftliche Ausbildung auf einer polytechniſchen Schule ſuchen; nicht anders ver⸗ hält es ſich mit denen, welche ihre Studien auf einer Univerſität machen, die Bedingungen ſind hier dieſelben. Die humane und wiſſenſchaftliche Grundlage muß bei dem, wel⸗ cher eine ſolche Anſtalt beſucht, vorausgeſetzt werden, hier handelt es ſich nicht um die Uebertragung des Nothdürftigen, ſondern um die Eröffnung höherer und weiterer Ge⸗ ſichtspunkte in der Betrachtung deſſen, wofür ſchon einigermaßen ein Verſtändniß gewon⸗ nen worden iſt. Will man dieſe Grundlage umgehen, ſo baut man in die Luft; hofft man aber, ſie auch ſpäter noch legen zu können, ſo ſind große Schwierigkeiten zu über⸗ winden, unter welchen Viele erliegen, und der Jüngling trinkt noch aus ſpärlichen Quellen, während der reiche, ſprudelnde Born der Wiſſenſchaft ihn laben könnte.
Wo größere Intereſſen in Frage ſtehen, iſt auch die richtige Erkenntniß in dieſen Dingen nicht ausgeblieben. Auch von ſeinen techniſchen Beamten, den Architekten, Ingenieuren, Finanz⸗ und Forſtbeamten, von den Aerzten verlangt der Staat eine ge⸗ diegene Bildung und wiſſenſchaftliche Vorbereitung für ihren Beruf; immer iſt eine gründliche Schulbildung, als nothwendige Vorausſetzung einer gedeihlichen Fachausbildung, vor dieſer ſelbſt vorgeſchrieben. Sobald größere Geſellſchaften Unternehmungen machen, ziehen ſie mit Vorliebe ſolche Männer heran, welche dem Staate ihre Tüchtigkeit nachge⸗ wieſen und deſſen Anforderungen genügt haben. Größere Induſtrielle, welche fortwährend Gelegeuheit haben, den Werth wiſſenſchaftlicher Bildung für ihre Intereſſen zu erkennen, thun daſſelbe und laſſen ihre Söhne in entſprechender Weiſe ausbilden. Aber noch all⸗ gemeiner muß die Ueberzeugung eindringen, daß das materielle Wohl immer mehr von dem geiſtigen abhängig wird.
Sollte es endlich noch des ausdrücklichen Nachweiſes bedürfen, daß bei der hervor⸗ ragenden Stellung, welche die induſtriellen Intereſſen zu unſerer Zeit einnehmen, auch deren Vertreter eine harmoniſche Bildung immer weniger entbehren können, eine Bildung des Verſtandes und Herzens, wie ſie der Verkehr des Lebens allein, welcher nur die Oberflächen berührt, nicht geben kann, welche vielmehr als die Blüthe eines Geiſtes er⸗ ſcheint, der durch Kenntniſſe und veredelten Geſchmack, ſowie durch Feinheit des Gefühls geſchmückt iſt. Je mehr Kenntniſſe Gemeingut werden, um ſo empfindlicher wird man deren Mangel verſpüren, ſobald man in Beziehung zum Leben kommt. Der junge Mann, der ſie nicht beſitzt, wird dadurch von ſelbſt aus höher gebildeten Kreiſen ferne gehalten, mit welchen ihm die geiſtigen Berührungspunkte fehlen und in denen er ſich beſchämt fühlen muß; er ſieht ſich auf einen Umgang angewieſen, der ihn nicht emporhebt. Iſt aber dieſer Mangel in einem Stande Regel, ſo erſcheint dieſer Stand in ſeinem Ver⸗ hältniſſe zu höher gebildeten Kreiſen herabgedrückt und nicht auf der Höhe in der allge⸗ meinen Schätzung, die ſeiner Bedeutung zukommen müßte, weil ſeine Vertreter das ver⸗ nachläſſigen, was den höchſten Werth verleiht.
Die Bedingung für eine harmoniſche Geſtaltung des Lebens iſt eine abgerundete Bildung, die frühe erworben werden muß durch eine Erziehung in und an der Wiſſen⸗


