Jahrgang 
1866
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ſchaft, bei welcher das Ziel die Bewältigung des Stoffes iſt und die Veredelung des Geiſtes durch denſelben. Die Realſchule hat die Aufgabe, dem künftigen Induſtriellen die Kenntniſſe darzubieten, welche demjenigen, der im Verkehre des Lebens ſtehen ſoll, unentbehrlich ſind. Die Lehrſtoffe ſind die neueren Sprachen mit ihren Literaturen, Ge⸗ ſchichte, Mathematik, Naturwiſſenſchaften. Dieſelben ſind aber nicht nur Zweck, ſondern auch Mittel; denn ſie erfahren eine ſolche Behandlung, daß ſie den jugendlichen Sinn mächtig erregen, den Charakter entwickeln und kräftigen, den Verſtand ſchärfen, und daß über dem Matcriellen die geiſtige Beziehung nie entſchwindet. Ueber der Erſcheinung ſteht das Geſetz, und der Geiſt lernt erkennen, daß die Form nicht gleichgiltig, vielmehr der Stoff todt iſt ohne den Gedanken, der ſich durch die Form ausſpricht. Die wiſſen⸗ ſchaftliche Vorbereitung ihrer Schüler für das Leben, die zugleich eine Veredelung des Geiſtes, eine humane Durchbildung erſtrebt, iſt das Ziel, welches die Realſchule verfolgt, in Wahrheit hoch genug, um die ungetheilte Kraft und den herzlichen Eifer derer aufzu⸗ fordern, welche dafür wirken und deren höchſte Genugthuung in dem Erfolge liegt, den ihre Schüler im Leben davontragen.

II. Tehrſtufen.

A. Religion. a) Religion für die proteſtantiſchen Schüler.

Klaſſe VI. und V. Bibliſche Geſchichte A. und N. T. und die zum beſſeren Verſtändniß derſelben nöthigen Kenntniſſe, wie namentlich der bibliſchen Geographie. Auswendiglernen und Erklären von Bibelſprüchen, Liederverſen und des apoſtoliſchen Glaubensbekenntniſſes. Insbeſondere werden die zehn Gebote, das Vaterunſer und die Einſetzungsworte der beiden Sakramente im Zuſammenhange der bibliſchen Geſchichte und die Feier des Kirchenjahrs ſorgfältig berückſichtigt.

Klaſſe IV. und III. Ueberſichtliche Behandlung der Glaubens⸗ und Sittenlehre und Einführung in die poetiſchen und prophetiſchen Bücher des Alten Teſtaments und in die apoſtoliſchen Briefe des Neuen Teſtaments, indem größere Abſchnitte aus denſelben in ihrem geſchichtlichen Zuſammenhange geleſen werden. Fortgeſetztes Lernen von Bibel⸗ ſprüchen und Liederverſen.

Klaſſe II. Nach einer kurzen Einleitung in die heilige Schrift wurde das Evangelium Johannis geleſen und aus Palmers Lehrbuch die Lehre von den letzten Dingen erklärt und einzelne Abſchnitte aus der Geſchichte der chriſtlichen Kirche durchgenommen.

Klaſſe I. In Palmers Lehrbuch der Religion wurden vorzugsweiſe die Abſchnitte, welche ſich beſonders zur Entwicklung des Lehrbegriffs der evangeliſchen Kirche eignen, mit Berückſichtigung der Augsburgiſchen Confeſſion und der Reformationsgeſchichte ſorg⸗ fältig durchgenommen.

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