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Der induſtrielle Bernf erfordert vor allem einen Mann von gediegener Bildung, der durch wiſſenſchaftliche Kenntniſſe befähigt iſt, die Anfgaben, welche an ihn herantreten, auch zu löſen. Nicht kaufmänniſches Rechnen und dergleichen thut dem heranreifenden Jünglinge Noth, ſondern eine gründliche Ausbildung in den humanen Viſſeenſchaften, in den Sprachen, in der Mathematik und den Naturwiſſenſchaften wird ihm die ſicherſte Grundlage für eine gedeihliche Lebenswirkſamkeit bieten. Mit ſolchen Kenntniſſen ausge⸗ rüſtet, den Geiſt durch eine ſtreng wiſſenſchaftliche Ausbildung geſchärft und an ernſtes Wirken und Nachdenken gewöhnt, wird er ganz anders die Sinne offen halten, raſcher und in reicherem Maße Erfahrungen ſammeln und dieſelben ausbeuten können, als der⸗ jenige im Allgemeinen im Stande iſt, welchem dieſe Grundlage abgeht, der auf die her⸗ gebrachte Gewohnheit angewieſen bleibt. Ein Mann von hervorragender geiſtiger Be⸗ gabung wird freilich auch durch Schwierigkeiten und trotz mangelhafter Ausbildung ſich Bahn brechen; er wird dies aber nicht auf Grund deſſen thun, was ihm fehlt, ſondern gewiß die Mängel in ſeiner Bildung beklagen, dieſelben auszugleichen ſuchen und zuge⸗ ſtehen, daß ſie ihm häufig genug hinderlich ſind und daß er ohne ſie leichter weiter ge⸗ kommen wäre. Ueberdies iſt ſolche Begabung nicht Jedem zu Theil geworden, Keinem ſo viel, daß er die Mittel zur Erreichung höherer Bildung verſchmähen dürfte, nur den Wenigſten ein ſo geringes Maß, daß ſie dem höheren Lebensziele deßhalb entſagen müßten und daß die Entziehung einer höheren Bildung ſich aus dieſem Grunde rechtfertigen ließe.
Es unterliegt demnach keinem Zweifel, daß bei den vielſeitigen Anforderungen, wel⸗ chen der induſtrielle Beruf zu entſprechen hat, eine wiſſenſchaftliche Durchbildung Haupt⸗ erforderniß iſt; darüber kann ſich nur eine gewiſſe Gleichgiltigkeit hinwegſetzen, welche ſich an dem Gedanken genügen läßt, auch früher hat es tüchtige Leute gegeben mit ſoliden Grund⸗ ſätzen und blühenden Geſchäften, welche von den Neuerungen, die man jetzt einführen will, nichts wußten. Nicht Alles, was früher ausreichte, kann auch heute noch Maßſtab ſein; wir müſſen den höheren Anforderungen der Gegenwart genügen und in ſolcher Weiſe zugleich ausgerüſtet ſein, daß wir mit derſelben gleichen Schritt halten und voran⸗ gehen. Jedermann wünſcht heute der Jugend Glück, daß ihr ſo leicht Gelegenheit ge⸗ boten ſei, Kenntniſſe zu erwerben. Mit der Gelegenheit allein iſt es aber nicht gethan; die Klagen über mangelhafte Bildung werden nicht verſchwinden, ſolange durch allgemeine Benutzung höherer Bildungsanſtalten den techniſchen Ständen die daſelbſt gepflegte Bil⸗ dung nicht Gemeingut geworden iſt.
Die wiſſenſchaftliche und humane Erziehung des künftigen Induſtriellen und Kauf⸗ manns muß um ſo gründlicher geſchehen, als dieſelbe für das ganze Leben ausdauern ſoll, da in der Folge nur in ſeltenen Fällen der Ausbau einer unſicheren Grundlage und ein wiſſenſchaftliches Fortſchreiten darauf geſchieht. War die Ausbildung mangelhaft, ſo verfliegen die ungenügenden und lückenhaften Vorſtellungen und Erinnerungen nur allzu raſch, ſobald die Schule hinter dem noch unreifen Knaben liegt; im Leben aber fehlt ſpäter jedes gediegene, abgerundete Wiſſen. Zur Ausgleichung dieſer Mängel iſt es dann meiſt zu ſpät, und dieſelben werden ſich in mannigfacher Weiſe drückend fühlbar machen. Beſonders der techniſche Beruf erfordert ausgebreitete und eingehende Kenntniſſe, der Beſitz ſolcher gewährt ungemeine Vortheile, weil man durch ſie vorzüglichere Erfolge


