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klaſſen hervor, ſondern ſie wurden die Grundlage der höheren Gewerbſchule, die auch im Jahre 1836 durch die Großherzogliche Regierung ihre Organiſation und die nöthigen Lehrer für Archi⸗ tektur, Chemie ꝛc. erhielt und bald freudig aufblühete.
Während dieſer Zeit befanden ſich beide Anſtalten in einem beſcheidenen vormaligen Privat⸗ hauſe und ehemalige Privatwohnſtuben dienten als Lehrzimmer. Alles war eng zuſammengepackt, Alles ward bei ſteigender Frequenz bis unter das Dachwerk benutzt. Dennoch war raſcher Fort⸗ ſchritt, Lehrer und Schüler wirkten einmüthig und kräftig zuſammen, das Gute gedieh fröhlich. Da erkannte die Großherzogliche Regierung die Nothwendigkeit größerer Räume und unterhandelte mit dem Gemeinderathe hieſiger Stadt über einen Neubau. Die ſtädtiſche Behörde kam den Wünſchen der Regierung mit großer Bereitwilligkeit entgegen; im Jahre 1842 wurde unſer ſchönes, geräumiges Schulhaus begonnen und in den folgenden Jahren, nebſt dem in einem be⸗ ſonderen Gebäude wohl eingerichteten und ausgeſtatteten Laboratorium vollendet. Doch nicht allein ein ſtattliches Haus ſtellte die Gemeinde her, ſondern auch alle Utenſilien in den Lehrſälen, wie Tiſche, Bänke, Schränke ꝛc. wurden neu beſchaffen, mit einem Worte, der hieſige Gemeinde⸗ rath gründete ſich durch die ganze Ausführung ein ſehr ehrenvolles Denkmal.
Im Jahre 1844 bezogen beide Schulen unter feſtlichem Gepränge das neue Haus und hiermit begann die Blüthenzeit derſelben. Von nah und fern zogen junge Leute heran, die neu gegründeten Darmſtädter Schulen zu beſuchen, ſelbſt das entfernte Ausland: Rußland, Skandi⸗ navien, Frankreich, England, Spanien und Amerika ſtellten ihre Contingente, und bald gingen tüchtige junge Männer aus den Lehrſälen ins Leben über, die noch heute in dankbarer Erinne⸗ rung der Schule und ihrer Lehrer gedenken, denen ſie eine gediegene Durchbildung danken.
Wenn dieß vorzugsweiſe der höheren Gewerbſchule zu gelten ſcheint, ſo blieb doch auch die Realſchule nicht ſtillſtehen. Sie erweiterte gleichfalls ihren Wirkungskreis, indem den bisherigen 4 Klaſſen zwei Oberklaſſen angereiht wurden, ſo daß ſie von nun an ihre Schüler vom 10. bis zum vollendeten 16. Lebensjahre erzog, und der Unterricht in der Mutter⸗ und den neueren Sprachen, der Mathematik, der Geſchichte, Geographie eine bedeutende Erweiterung erhielt, in eben jenen neuen Oberklaſſen ein zweijähriger Curſus für Phyſik und Chemie hinzutrat, kurz der Schule im Ganzen die Einrichtung ward, wie ſie jetzt noch beſteht.— Wie in der höheren Gewerbſchule, ſo wuchs auch die Schülerzahl in der Realſchule ſo, daß jährlich 70, 80— 90 auswärtige junge Leute ſie beſuchten und noch beſuchen. Ein ſchönes inneres Leben war damals in beiden Anſtalten erblühet, und zur Entfaltung gekommen mit dadurch beſonders, daß die Lehrer mit und unter den Schülern lebten d. h. daß das Zuſammenſein beider nicht auf die Lehrzimmer allein beſchränkt war, ſondern ſobald und ſo lange es die Jahreszeit erlaubte, größere und kleinere Excurſionen unternommen wurden, bald in den Odenwald, den Tannus, nach dem Neckar, dem Rhein, nach hiſtoriſch oder gewerblich ſich auszeichnenden Orten. Dann zogen nicht ſelten zwei auch drei Abtheilungen von 40, 50 und 60 Schülern aus, an deren Sypitze 2, 3 Lehrer waren. In der Regel nahm man für weitere Ausflüge 2 Tage in Ausſicht und Lehrer und Schüler theilten des Nachts ein gemeinſames Lager, wie es der Wirth für eine ſolche Anzahl Gäſte beſchaffen konnte. Bei ſolchen Ausflügen wurde der Schulzwang im Lehrſale urückgelaſſen.


