Jahrgang 
1929
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Auch bei der Leſſingfeier der Stadt Darmſtadt war die Schule vertreten. Einige unſerer Schüler wirkten mit im Orcheſter und bei der Aufführung von Leſſings Philotas, die von den Herren Dr. Münch und Dr. Hellwig einſtudiert wurde.

Am 17. Auguſt feierten wir den Verfaſſungstag. Herr Studienrat Steuernagel hielt die Feſtrede.

Unſer Totengedenkfeſt fand am 24. November ſtatt. Die Anſprache hatte Herr Lic. theol. Wißmann übernommen.

Am 24. April beſuchten wir die AusſtellungDer Menſch. Im Helia-Lichtſpielhaus wurde uns am 16. Juni ein Amerikafilm und ein Film über Aegypten vorgeführt. Am 16. Oktober brachte Herr Dr. Vetter einen Film überDeutſche Kulturarbeit am Kamerunberg, am 12. Februar den Film der Scottſchen SüdpolarexpeditionDas große weiße Schweigen.

Ausflüge wurden unternommen am: 3. Mai, 2. Juni, 29. Auguſt, 17. September, 1. November 1928 und 1. Februar 1929.

Mit Freude dankt die Schule allen denen, die ſie mit Geſchenken bedacht haben. Einzelne Namen anzuführen, verbietet uns in dieſem Jahre der ſtark beſchränkte Raum des Jahresberichtes.

VII. Mitteilungen an die Eltern.

In die Liebigs⸗Oberrealſchule werden Söhne von Familien aufgenommen, die in der Rhein⸗ ſtraße, Alexanderſtraße, Dieburgerſtraße und nördlich davon wohnen, ſowie diejenigen Auswärtigen, die am Haupt⸗ und Nordbahnhof und mit der Elektriſchen von Griesheim, Eberſtadt und Arheilgen ankommen. Vorzulegen ſind bei der Anmeldung ein Auszug aus dem ſtandesamtlichen Geburtsregiſter, in dem der Rufname unterſtrichen ſein muß, eine Beſcheinigung über die erfolgte Impfung oder Wiederimpfung und das Abgangszeugnis der zuletzt beſuchten Schule.

Zur Aufnahme in die Sexta werden zugelaſſen:

1. Schulkinder nach vierjähriger Grundſchulpflicht, 2. im Einzelfall beſonders leiſtungsfähige Schulkinder nach Anhören des Grundſchullehrers unter Genehmigung der Schulaufſichtsbehörde ſchon nach dreijähriger Grundſchulpflicht.

Die Aufnahmeprüfungen finden Montag, den 15. April 1929 von 8 Uhr ab ſtatt. Der Unter⸗ richt beginnt am Dienstag, den 16. April 1929, um 8 Uhr.

Anmeldungen für das neue Schuljahr werden noch während der Oſterferien angenommen.

Seit Oſtern 1926 ſind an den höheren Schulen Heſſens neue Lehrpläne eingeführt. Für unſere Liebigs⸗Oberrealſchule iſt dies beſonders wichtig, da dadurch Lehrziel und Lehrgang der früheren Oberrealſchule gewiſſe Aenderungen erfahren haben. Die Oberrealſchule trug vor Einführung der neuen Lehrpläne, alſo vor Oſtern 1926, im Unterſchied zu anderen höheren Lehranſtalten ihr weſentliches Merkmal in der ſtarken Betonung der Mathematik und Naturwiſſenſchaften auf der einen und der neueren Sprachen auf der anderen Seite. Außerhalb des ſtundenplanmäßigen Unterrichts konnten ihre Schüler von der Unterſekunda ab freiwillig Latein lernen(2 Wochenſtunden).

Die Gründe für die durch die neuen Lehrpläne bedingten Abweichungen vom bisherigen Plan der Oberrealſchule liegen in dem Weſen der Reform, einem ſtärkeren Betonen der deutſchkundlichen Kernfächer, die in allen höheren Schulen etwa gleich ſtark betrieben werden ſollen, bei gleichzeitiger Verwirklichung des alten Beſtrebens, den Schüler wöchentlich mit nicht mehr als 30 wiſſenſchaftlichen Stunden zu belaſten.

Ab Oſtern 1926 ſetzt ſich nunmehr die ſeitherige Oberrealſchule mit ihrem etwa gleich ſtarken Betonen der mathematiſch⸗naturwiſſenſchaftlichen und der neuſprachlichen Fächer in zwei verſchiedenen Anſtalten fort, in der neuen Oberrealſchule und in dem Reformrealgymnaſium.

Die neue Oberrealſchule läßt die neueren Sprachen(Franzöſiſch und Engliſch) etwas zurück⸗ treten. Sie pflegt die Ausbildung des Geiſtes, wenn man von den deutſchkundlichen Kernfächern und den Fremdſprachen abſieht, hauptſächlich an den Bildungsſtoffen der mathematiſch⸗naturwiſſenſchaftlichen Fächer. Wie an der alten Oberrealſchule kann von der Unterſekunda ab Latein freiwillig und außerhalb des ſtundenplanmäßigen Unterrichts in 3(früher 2) Wochenſtunden gelernt werden.

Das Reformrealgymnaſium ſtellt die ſprachliche Seite der Geiſtesbildung mehr in den Vorder⸗ grund, ohne jedoch Mathematik und Naturwiſſenſchaften zu ſtark zurückzudrängen. Neue Sprachen und Mathematik und Naturwiſſenſchaften ſind vielmehr mit nahezu gleicher Stundenzahl vertreten. Dazu kommt von der Unterſekunda ab Latein, aber jetzt nicht mehr wie bei der alten Oberrealſchule als Wahlfach außerhalb des eigentlichen Stundenplanes, ſondern als verbindliches Fach mit 4 Stunden innerhalb der 30 wiſſenſchaftlichen Wochenſtunden.

Mit Genehmigung des Landesamtes für das Bildungsweſen laufen ſeit Oſtern 1926 an unſerer Liebigs⸗Oberrealſchule Parallelklaſſen der neuen Oberrealſchule und des Reformrealgymnaſiums neben⸗ einander her. Für beide Klaſſenzüge iſt der Unterbau in den Klaſſen Sexta bis Quarta gemeinſam. Es bedeutet dies einen unbeſtreitbaren Vorteil, weil damit die Entſcheidung der Eltern, ob ſie ihren Jungen in die Oberrealſchule oder in das Reformrealgymnaſium ſchicken wollen, erſt drei Jahre ſpäter

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