Jahrgang 
1926
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Es ist uns eine Freude, allen denen zu danken, die uns mit Geschenken bedacht haben. Frau Oberstudiendirektor Dr. Dietz stiftete das Bild ihres verstorbenen Mannes, Herr Ministerialrat Dr. Dorfeld spendete ausser einem Bild eine grosse Zahl wertvoller Schulbücher, Frau Prof. Magel einen Glaskasten mit Käfern und mehrere Verlagsanstalten Werke ihres Verlags. Spitzner IIa 2 schenkte 1 Apothekerwage und 1 Messband, Zehfuss IIIb 1 eine Tafel verschiedener Glassorten, Dingeldey IIIb 3 Kalkspatkristalle und Schwefelkies, Müller Ib2 fertigte 24 Linsenhalter für die optische Bank, 12 Gefässe für Kalorimeter und 1 mathemat. Drahtmodell, Delp IIa 1 lieferte eine Tafel mit der Darstellung der Netze aller regulären Körper und Jung IIb 3 die Darstellung des Strahlengangs durch das Mikroskop.

Von grösseren Anschaffungen für die Lehrmittelsammlungen erwähnen wir: einen Unterrichts- kinoapparat für Lehrfilme, ein Epidiaskop von Leitz, einen Bildstreifen-Projektionsapparat mit Totalreflexionswand, Bildstreifen, Filmen und 250 Diapositiven, eine Radio-Einrichtung für Physik, Geräte für Wetterstation, Wandkarten, zwei Sprossen-Wände für die Turnhalle und eine Be- schneidemaschine für den Werkmunterricht.

Die in einzelnen Räumen noch vorhanden gewesene Gasbeleuchtung ist in den Sommer- ferien entfernt und durch elektrische Beleuchtung ersetzt worden. Die Direktion ist an das städtische Fernsprechnetz unterStadtamt Nr. 612 angeschlossen und kann von jedem Fern- sprechteilnehmer durch Vermittlung der Post erreicht werden. Damit ist uns ein lange gehegter Wunsch erfüllt worden. Wir verfehlen nicht, der Stadtverwaltung unseren verbindlichsten Dank auszusprechen.

VII. Mitteilungen an die Eltern.

Ostern 1926 bedeutet für die Geschichte unserer Anstalt einen wichtigen Zeitpunkt. Mit der Einführung der neuen Lehrpläne für die höheren Schulen Hessens erfahren das Lehrziel und der Lehrgang der Oberrealschule gewisse Aenderungen.

Die seitherige Oberrealschule trug im Unterschied zu anderen höheren Lehranstalten ihr wesentliches Merkmal in der starken Betonung der Mathematik und Naturwissenschaften auf der einen und der neueren Sprachen auf der anderen Seite. Ausserhalb des stundenplanmässigen Unterrichts konnten ihre Schüler von der Untersekunda ab freiwillig Latein lernen(2 Wochen- stunden).

Die Gründe für die durch die neuen Lehrpläne bedingten Abweichungen vom bisherigen Plan der Oberrealschule liegen in dem Wesen der Reform, einem stärkeren Betonen der deutsch- kundlichen Kernfächer, die in allen höheren Schulen etwa gleich stark betrieben werden sollen, bei gleichzeitiger Verwirklichung des alten Bestrebens, den Schüler wöchentlich mit nicht mehr als 30 wissenschaftlichen Stunden zu belasten.

Ab Ostern 1926 setzt sich nunmehr die seitherige Oberrealschule mit ihrem etwa gleich starken Betonen der mathematisch-naturwissenschaftlichen und der neusprachlichen Fächer in zwei verschiedenen Anstalten fort, in der neuen Oberrealschule und in dem Reformreal- gymnasium..

Die neue Oberrealschule lässt die neueren Sprachen(Französisch und Englisch) etwas zurücktreten. Sie pflegt die Ausbildung des Geistes, wenn man von den deutschkundlichen Kernfächern und den Fremdsprachen absieht, hauptsächlich an den Bildungsstoffen der mathe- matisch-naturwissenschaftlichen Fächer. Wie an der alten Oberrealschule kann von der Unter- sekunda ab Latein freiwillig und ausserhalb des stundenplanmässigen Unterrichts in 3(früher 2) Wochenstunden gelernt werden.

Das Reformrealgymnasium stellt die sprachliche Seite der Geistesbildung mehr in den Vordergrund, ohne jedoch Mathematik und Naturwissenschaften zu stark zurückzudrängen. Neue Sprachen und Mathematik und Naturwissenschaften sind vielmehr mit nahezu gleicher Stundenzahl vertreten. Dazu kommt von Untersekunda ab Latein, aber jetzt nicht mehr wie bei der alten Oberrealschule als Wahlfach ausserhalb des eigentlichen Stundenplanes, sondern als verbindliches Fach mit 4 Stunden innerhalb der 30 wissenschaftlichen Wochenstunden.

Mit Genehmigung des Landesamtes für das Bildungswesen werden ab Ostern 1926 an unserer Liebigs-Oberrealschule Parallelklassen der neuen Oberrealschule und des Reformreal- gymnasiums nebeneinander hergehen. Für beide Klassenzüge ist der Unterbau in den Klassen Sexta bis Quarta gemeinsam. Es bedeutet dies einen unbestreitbaren Vorteil, weil damit die Ent- scheidung der Eltern, ob sie ihren Jungen in die Oberrealschule oder in das Reformrealgymnasium schicken wollen, erst drei Jahre später zu treffen ist als bisher, nämlich erst dann, wenn der Schüler die drei Klassen Sexta bis Quarta durchlaufen hat, während seither unsere Eltern schon