Jahrgang 
1895
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3. Nekrolog. Schon im Frühjahr 1894 wurde der Zeichenlehrer unſerer Oberklaſſen, Maler Auguſt Fritz, von einer ſchweren Erkrankung des Kehlkopfs heimgeſucht. Trotzdem verſuchte er mit großer Anſtrengung ſeinen Zeichenunterricht zu erteilen, wurde aber bald genötigt, um längere Be⸗ urlaubung nachzuſuchen. Durch Miniſterialverfügung vom 15. Juli 1894 wurde ihm nach ſeinem Wunſche zunächſt ein acht- bis zwölfwöchiger Urlaub gewährt, der ihm ſpäter mehrmals verlängert wurde. Seine Stunden übernahm der Zeichenlehrer unſerer Unter⸗ und Mittelklaſſen, Herr Getroſt. Nach den letzten Herbſtferien verſuchte Herr Fritz noch einmal ſeinen Unterricht aufzunehmen, mußte ihn aber bald wieder niederlegen. Seine tückiſche Krankheit verſchlimmerte ſich raſch, und am 1. März 1895 erlöſte ihn der Tod von ſeinem ſchweren Leiden. Wir entnehmen derDarmſtädter Zeitung(Nr. 104 und 108 vom 2. und 5. März) den folgenden Nekrolog:

In den Reihen unſerer einheimiſchen Künſtler hat der Tod eine recht bedauerliche Lücke geriſſen: Kunſtmaler Auguſt Fritz iſt einem längeren ſchweren Leiden erlegen, das ihn, den ſonſt ſo Naturbegeiſterten und Fröhlichen, in der letzten Zeit herb und ſelbſt den Freunden wenig zugänglich hatte erſcheinen laſſen.

Fritz war 1843 zu Ober⸗Ramſtadt geboren, widmete ſich anfangs dem Forſtfache, folgte aber dann ſeiner Neigung zur Kunſt, der er zeitlebens treu bleiben, und in der er die ſchönſten Erfolge erringen ſollte. Anfangs war er Schüler von Seeger hier und beſuchte dann die Kunſtſchule in Karlsruhe und die Akademie in München. Zahlreiche Studien⸗ reiſen in den Rheingegenden und im Hochgebirge, in dem er vor allem gern weilte, vervollſtändigten die Ausbildung des Künſtlers, der in der Tiermalerei ganz Vortreffliches geleiſtet hat und neben den beſten Namen genannt werden kann, wie dies auch dem größeren Publikum bei Eröffnung der hieſigen Kunſthalle und auch ſpäter vor Augen geführt wurde.

Fritz genoß lange Jahre das Allerhöchſte Wohlwollen der Landesfürſten und wurde öfters zur Teilnahme an den fürſtlichen Jagden herangezogen; Großherzog Ludwig IV. ermöglichte ihm u. a. den Beſuch Schottlands und Englands, wo der Künſtler landſchaftlichen Studien obliegen konnte.

Eine große Vertrautheit mit den Erſcheinungen der Natur zeichnete Fritz aus, der ein warmherziger Naturfreund war und das erſte Blümchen im Frühjahr und den erſten Vogelſang freudigen Herzens begrüßte. Er war Mit⸗ begründer und lange Jahre erſter Vorſitzender der Sektion Starkenburg des Dt.⸗O. Alpenvereins, die in ihm ein liebes, der Sache treu ergebenes Mitglied verliert. Als Menſch leuchtete Fritz durch Biederkeit und Lauterkeit des Charakters, dem alles unwahre und hohle Weſen zuwider war, und liebenswürdige Geſellſchaftsformen hervor; ein außerordentlich zahlreicher Freundes⸗ und Bekanntenkreis umſtand die Bahre des in kräftigem Mannesalter Verblichenen. Seine Beſtattung erfolgte am 4. März, nachmittags 3 ½ Uhr, auf dem hieſigen Friedhoſe in einfach⸗beſcheidener Weiſe, ganz wie es dem allem Gepränge abholden und anſpruchsloſen Weſen des Künſtlers entſprach. Ein zahlreiches Trauer⸗ gefolge war erſchienen, darunter die Lehrerkollegien, ſowie Schüler der Oberklaſſen des Großh. Ludwig-Georgs⸗ Gymnaſiums und des Großh. Realgymnaſiums, an welchen Anſtalten er lange Jahre als Zeichenlehrer mit beſtem Erfolge gewirkt hat. Hinter dem Sarge ſchritt neben dem Geiſtlichen der einzige Sohn des Heimgegangenen. Die Grabrede hielt Herr Dekan Römheld. Er gab einen kurzen Lebensabriß des aus dieſem Leben Geſchiedenen, der einer Pfarrersfamilie in dem benachbarten Ober⸗Ramſtadt entſtammte und auf Wanderungen in den ſeinen Geburtsort umgebenden ſchönen Wäldern frühzeitig ein offenes Auge und empfänglichen Sinn für die Natur gewann, die ihn ur⸗ ſprünglich zum Forſtfache, ſpäter aber zu ſeinem wahren Berufe, dem Künſtlerberufe, führen ſollten, worin ſein großes Talent für Landſchafts⸗ und Tiermalerei ſo ſchöne Früchte zeitigte. Neben dem Verluſt eines ausgezeichneten Künſtlers, der in Darmſtadts Kunſtleben unvergeſſen bleiben werde, betrauere man auch den Heimgang eines Mannes von offenem und lauterem Charakter und von hervorragenden geſellſchaftlichen Eigenſchaften, die ihm einen großen Freundeskreis errungen.

4. Durch Allerhöchſte Dekrete vom 27. Juni 1894 wurde den Großherzoglichen Gymnaſiallehrern Dr. Otto Zimmermann, Dr. Wilhelm Matthäi, Dr. Wilhelm Kunz und Dr. Richard Löbell

der Charakter als Profeſſor erteilt.

Durch Allerhöchſtes Dekret vom 9. Juli 1894 wurde dem Profeſſor Dr. Klingelhöffer als Präſident des XII. Mittelrheiniſchen Muſikfeſtes das Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen.

5. Organiſation. Mit dem Beginn des Sommerhalbjahrs 1894 errichteten wir infolge der vorausgehenden Verſetzung der Oſterunterprimaner eine neue Oſteroberprima; hierdurch wurde die neue Organiſation unſeres Oſtergymnaſiums abgeſchloſſen.

2.