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Am 10. April 1891, vormittags 9 Uhr, wurde unſerer Anſtalt der hochverehrte liebe Amts⸗ genoſſe Dr. Ferdinand Bender infolge einer Herzlähmung unerwartet entriſſen. Noch am Abend zuvor hatte er der im Saalbau ſtattfindenden Feier beigewohnt, die zu Ehren des ihm befreundeten Superintendenten Dr. Sell vor deſſen Übergang in eine Profeſſur der Univerſität Bonn von Freunden veranſtaltet worden war. Am Tag vor ſeinem Tod war er mit dem Beginn des neuen Semeſters kräftig und freudig in ſeinen Dienſt eingetreten, und in völliger Friſche wollte er in der Frühe des 10. April bereits zur Schule gehen, als ſein altes Leiden, heftiges Herzklopfen, ihn erfaßte und raſch aus dem Leben führte. Wir verehren in ihm— ſo ſprach der Nachruf unſeres Lehrerkollegiums vom 11. April in der„Darmſtädter Zeitung“— einen Mann von ſeltener Liebenswürdigkeit, Reinheit und Milde des Charakters, einen treuen, guten Kollegen und Freund, einen wiſſenſchaftlich hervorragenden Lehrer, der durch die beſondere Weiſe ſeines feinſinnigen Denkens und Lebens einen tiefgehenden und bleibenden Einfluß auf jeden, der ihm näher trat, ausübte, allen ſeinen Schülern teuer war und unſerer Anſtalt unvergeßlich bleiben wird. Am 13. April, vormittags 10 Uhr, wurde er beſtattet; an ſeinem Grabe ſprachen Herr Dekan Römheld und Kollege Dr. Schöl. Der hieſige Kirchengeſangverein, an deſſen Gründung er in hervorragender Weiſe beteiligt war und den er lange Jahre geleitet, und der Sängerchor unſerer Anſtalt ſangen an ſeinem Grabe.
Dr. Ferdinand Bender, geboren zu Darmſtadt am 12. Oktober 1847, iſt der Sohn unſeres in Ruheſtand dahier lebenden Kollegen, des früheren Lehrers unſerer Anſtalt, Herrn Hofrat Dr. Franz Bender. Er beſuchte von Herbſt 1853 bis Herbſt 1857 das Lucius'ſche Inſtitut dahier und trat dann in unſere Anſtalt ein. Im Herbſt 1864 beſtand er die Maturitätsprüfung und bezog die Univerſität Heidelberg, um ſich dem Studium der klaſſiſchen Philologie zu widmen. Seit Frühjahr 1867 beſuchte er die Landesuniverſität Gießen, wo er im März 1869 die Staatsprüfung für das Lehrfach beſtand. Nachdem er am Gymnaſium zu Darmſtadt ſeinen Acceß abſolviert, wurde er am 1. Juni 1869 als proviſoriſcher Lehrer an die Realſchule in Friedberg, am 29. Dezember 1870 in gleicher Eigenſchaft an das Gym⸗ naſium zu Büdingen berufen und dort am 25. Januar 1871 definitiv angeſtellt. Im Oktober 1873 wurde er an unſere Anſtalt verſetzt. Er widmete ſich außer ſeinem Unterrichte in den klaſſiſchen Sprachen, in der Geſchichte und im Deutſchen einer vielſeitigen, wiſſenſchaftlichen, dichteriſchen und muſikaliſchen Thätigkeit. Es erſchienen von ihm außer kleinen Arbeiten, die in Zeitſchriften veröffentlicht ſind, eine Abhandlung im Programm unſerer Anſtalt vom Herbſt 1878: „Die märchenhaften Beſtandteile der homeriſchen Gedichte“ und„Die Geſchichte der griechiſchen Litteratur bis auf die Zeit der Ptolemäer“(Leipzig bei Wilh. Friedrich). Von ſeinen poetiſchen Arbeiten ſind im Druck erſchienen: ein größeres Gedicht„Panthea“ und eine poetiſche Erzählung in Verſen„Redlev“. Ein ungedrucktes Drama„Gudrun“, ein Drama„Timoleon“ und ein Luſtſpiel„Zwei Luſtſpiele“, welches zweimal am hieſigen Hoftheater aufgeführt wurde, ſind nur im Manuſkript vorhanden.— Kleinere muſikaliſche Arbeiten, Lieder und kleine Sachen für Klavier ꝛc. ließ er für den Familien⸗ und Freundeskreis vervielfältigen; für den hieſigen evangeliſchen Kirchengeſangverein bearbeitete er häufig ältere Tonſätze und ſetzte dieſelben 4ſtimmig; davon ſind die bekannteſten:„Die arme Seele“ und„Herbei, o ihr Gläubigen“ in viele geiſtliche Liederbücher übergegangen. Ein älteres„Vaterunſer“, das er bearbeitete, wurde im genannten Verein öfters geſungen.—
Unſere Anſtalt wird nie vergeſſen, wie er für die am 29. Januar 1887 im hieſigen Hoftheater zum Beſten der deutſchen Schillerſtiftung von Schülern des Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſiums veranſtaltete Aufführung des Philoktetes von Sophokles die Chorgeſänge dieſer Tragödie und die muſikaliſche Begleitung derſelben nach Kompoſitionen, die er teils ſelbſt geſchaffen, teils von Gymnaſiallehrer Dr. Keller in Karlsruhe übernommen und mit der liebenswürdigen Bei⸗ hülfe des nun auch heimgegangenen Hofkonzertmeiſters Büchler zu einem einheitlichen Ganzen geſtaltet hatte, mit feinem Geſchmack und praktiſchem Geſchicke zu wirkungsvoller Darſtellung einübte und ſelbſt vom Kapellmeiſterſtuhle des hieſigen Hoftheaterorcheſters aus bei der Aufführung leitete. Er hatte nämlich zu dieſem Zweck auch eine Kapelle von 35 Schülern unſerer Anſtalt ins Leben gerufen, welche die muſikaliſchen Teile der Tragödie mit Streichinſtrumenten begleitete. Dieſe Aufführung, über welche griechiſche Zeitungen berichteten, veranlaßte auch in Athen die Darſtellung des Philoktet durch einen Verein dortiger Kunſtfreunde, der ſich zu dieſem Zwecke unſere Aufführung zum Vorbild nahm, ſogar unſere damals in der„Darmſtädter Zeitung“ erſchienene Auseinanderſetzung über die entſprechende Aufführung


