Jahrgang 
1870
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Seele geſprochenen Worten verdienter Anerkennung und gerechter Würdigung, die Pro⸗ feſſor Lucius dem dahingeſchiedenen Ehrenmann als Nachruf dankvoller Pietät an deſſen Grabe widmete.

Durch Allerhöchſtes Decret vom 19. Januar 1870 wurde der bisherige Lehrer an der Realſchule zu Offenbach a. M., Wilhelm Klingelhöffer, zum Lehrer der franzö⸗ ſiſchen, engliſchen und italieniſchen Sprache und Literatur am Gymnaſium dahier ernannt. Bis zu dem Dienſteintritte deſſelben, welcher erſt nach Oſtern erfolgen konnte, mußte der franzöſiſche Unterricht durch ein Proviſorium verſehen werden, an dem ſich die Collegen Becker, Lucius, Lips und Schopp betheiligten.

Durch Allerhöchſtes Decret vom 25. Januar erhielt ferner der bisherige Hülfslehrer am hieſigen Gymnaſium, Heinrich Schopp aus Wonsheim, die definitive Anſtellung als Lehrer an derſelben Anſtalt. Ueber ſein Leben hat er Folgendes mitgetheilt:

Heinrich Schopp, geboren den 1. October 1834 zu Wonsheim in Rheinheſſen, beſuchte von Oſtern 1852 an bis Oſtern 1854 das Lehrer⸗Seminar zu Friedberg. Beim Austritt aus dieſer Anſtalt wurde er Hauslehrer zu Blitzenrod in Oberheſſen. Als ſolcher war er über 3 Jahre daſelbſt thätig, worauf er eine Lehrerſtelle an einem Privat⸗ Inſtitute in Gießen annahm. Hier blieb er 2 Jahre, bereitete ſich während dieſer Zeit für das academiſche Studium vor und ging dann ein Jahr lang als Schüler auf die höhere Gewerbſchule nach Darmſtadt. Nach beſtandenem Maturitätsexamen beſuchte er im November 1860 die Univerſität Gießen, ſtudirte Mathematik und Naturwiſſenſchaften und machte im Februar 1864 ſein Facultätsexamen, in Folge deſſen er in die Liſte der Candidaten für das höhere Lehramt eingetragen wurde. Von Oſtern 1864 bis dahin 1865 war er Acceſſiſt an der Realſchule zu Darmſtadt. Längere Zeit wirkte er nun an der hieſigen Ackerbauſchule und an einem Inſtitute als Lehrer. Im Herbſte des Jahres 1868 kam er als Hülfslehrer an das Großherzogliche Gymnaſium zu Darmſtadt und wurde durch Allerhöchſte Verfügung vom 25. Januar dieſes Jahres als ordentlicher Lehrer an derſelben Anſtalt angeſtellt.

Zu Oſtern 1870 verließ uns Gynaſiallehramts⸗Acceſſiſt Dr. Ebner aus Horch⸗ heim, nachdem er den zu Oſtern vor. J. begonnenen Acceß beendigt hatte.

Nach Mittheilung Großherzoglicher Oberſtudien-Direction vom 21. Juni iſt das von den Schülern des Gymnaſiums jährlich zu entrichtende Schulgeld vom 4. Quartal dieſes Jahres an auf 36 fl. erhöht worden.

In der zweiten Hälfte des Sommerſemeſters blieb auch unſere Schule nicht unbe⸗ rührt von den Einflüſſen der in Folge des drohenden und bald darauf ausbrechenden großen Krieges allgemein herrſchenden Aufregung und Spannung der Gemüther. Unter⸗ brechungen des Unterrichtes und Abweichungen von der herkömmlichen Schulordnung waren nicht ganz zu vermeiden. Wegen des für unſere auswärtigen Schüler ſehr er⸗ ſchwerten, zum Theil unmöglichen Reiſeverkehrs und weil die Mehrzahl der hier einhei⸗ miſchen Gymnaſiaſten ſich bei den verſchiedenen Abtheilungen des Hülfsvereins als brauch⸗ bar und nützlich erwies, hielt es eine hohe Behörde für angemeſſen, unter den damaligen Zeitverhältniſſen die Sommerferien bis zum 19. Auguſt zu verlängern. Gleich am An⸗ fange dieſer Ferien waren 17 Schüler aus den drei oberſten Claſſen(einige hatten ſchon